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U19 des 1. FC Saarbrücken durfte ausprobieren, wie man Blindenfußball spielt

Blindenfußball : Der Kick in völliger Dunkelheit

Die U 19-Mannschaft des 1. FC Saarbrücken durfte ausprobieren, wie es ist Blindenfußball zu spielen. „Man hat ständig Angst, dass man irgendwo dagegen läuft“, sagte FCS-Akteur Jonathan Kauf nach der beeindruckenden Erfahrung.

Mit nach vorne gestreckten Armen läuft Abwehrspieler Jonas Simon ganz langsam in Richtung des gegnerischen Tors. Er ruft andauernd „Voy, voy“ – und seine Beine machen dabei Bewegungen wie die Figuren der Augsburger Puppenkiste. „Stopp, Jonas“, rufen plötzlich seine Mitspieler. Jonas Simon bleibt stehen, zieht seine blickdichte Brille vom Kopf und merkt, dass der Fußball und sein Gegenspieler auf der anderen Seite des Platzes sind – und er fast gegen den Torpfosten gelaufen wäre. „Das ist total irre. Man ist total ängstlich mit der Brille und bekommt außer Geräuschen und Zurufen überhaupt nichts mit“, sagt Simon.

Die U 19 des 1. FC Saarbrücken hatte am Montag die Gelegenheit, in die Welt des Blindenfußballs hineinzuschnuppern. Am heutigen Samstag, 31. August, findet auf dem Tiblisser Platz in Saarbrücken das Finalturnier um die deutsche Blindenfußball-Meisterschaft statt (siehe Info-Kasten). Aus diesem Anlass kam eine Delegation von blinden Fußballern und Organisatoren ins Saarland, um ihre Art Fußball vorzustellen. Vor etwa 60 Jahren wurde Blindenfußball zum ersten Mal in Brasilien gespielt. Seitdem sind südamerikanische Mannschaften wie Brasilien und Argentinien die Überflieger. Mit der Weltmeisterschaft 2006 hielt auch in Deutschland der Blindenfußball Einzug. Eine Bundesliga wurde gegründet. Dort spielten neun Mannschaften – heute sind es nur noch sechs.

„Es ist eine extreme Umstellung für jeden Sehenden, wenn er eine Brille aufsetzt und in völliger Dunkelheit mit Ball und Gegenspielern klarkommen muss“, erzählt Daniel Hoß. Der 32-Jährige ist blind, ehemaliger Nationalspieler und kickt für den PSV Köln. Auf dem Kunstrasenplatz in Saarbrücken übt der FCS-Nachwuchs zunächst Dribbeln und dann Torschuss. „Man hat ständig Angst, dass man irgendwo dagegen läuft. Man muss den Zurufen seines Mitspielers vertrauen, sonst geht gar nichts“, sagt Jonathan Kauf, der einer der technisch stärksten U 19-Spieler beim 1. FC Saarbrücken ist – und sich auch mit Brille vor den Augen ziemlich passabel anstellt.

Der Ball ist kleiner als ein gewöhnlicher Fußball und im Inneren des Balles sind Metallplättchen, die rasseln, wenn er rollt. Zudem bekommen die Spieler zugerufen, wo sie hinlaufen müssen. Das Spielfeld ist beim Blindenfußball 40 mal 20 Meter groß, gespielt wird Vier gegen Vier. Die verteidigende Mannschaft muss ständig „Voy“ rufen, um ihre Position zu signalisieren – zum eigenen Schutz und zum Schutz des Gegners. „Voy“ ist Spanisch und bedeutet „Ich komme“.

Und dann geht das wilde Spiel los. Wie die Kleinkinder rennen die U 19-Spieler des 1. FC Saarbrücken überall dorthin, wo der Ball rasselt. „Das ist normal und immer so, wenn das jemand zum ersten Mal spielt. Uns hat mit dem Bonner SC mal eine Regionalliga-Mannschaft herausgefordert, da sie dachte, dass das alles nicht so schwer sein kann. Beim Stand von 17:0 für uns haben wir aufgehört. Die hatten fast nie den Ball“, sagt Hoß. U 19-Spieler Nicola Cortese hat es dann aber doch geschafft und aus einem Dauergewühl auf dem Platz heraus ein Tor erzielt. „Ich habe den höchsten Respekt vor blinden Menschen, die Fußball spielen. Jetzt wissen wir, wie schwer das ist“, sagt der FCS-Kicker. Noch interessanter wird es, als Hoß mitspielt und einen FCS-Spieler nach dem anderen aussteigen lässt und souverän den Ball ins Tor schießt. Da gibt es großen Applaus und ungläubiges Staunen von den Sehenden für diese beeindruckende Leistung. „Ich spiele das ja auch schon länger, kenne die Abläufe und weiß, was ich machen muss“, erklärt Hoß.

Oliver Schäfer, der Trainer der in der Regionalliga Südwest spielenden U 19 des 1. FC Saarbrücken, ist begeistert, mit welchem Eifer seine Jungs bei der Sache sind und den unbekannten Sport aufnehmen. Er selber probiert es auch mal mit Brille. „Es ist Wahnsinn. Du kannst von der einen auf die andere Sekunde nur noch hören, weißt aber nicht in welcher Entfernung die Geräusche und die rufenden Mitspieler sind. Zudem ist man die gesamte Zeit mit Brille ängstlich. Es war eine sehr beeindruckende Erfahrung“, sagt der ehemalige Profi des 1. FC Kaiserslautern.