Tuchel tritt das Erbe an

Tuchel tritt das Erbe an

Vier Tage nach der Ankündigung des Abschieds von Trainer Jürgen Klopp bestätigte Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund die allseits erwartete Verpflichtung von Thomas Tuchel. Im Sommer fängt er an.

Die Meldung am Tag nach dem 3:0 (0:0)-Heimsieg am Samstag gegen den SC Paderborn hat niemand überrascht: Thomas Tuchel wird Nachfolger von Trainer Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund . Sein Vertrag beim Fußball-Bundesligisten gilt bis 2018. Es war die fast logische Reaktion auf die Ankündigung Klopps, den BVB nach siebenjähriger Tätigkeit am Saisonende verlassen zu wollen.

Tuchel hatte beim FSV Mainz vor Jahresfrist aufgehört und sich eine einjährige Auszeit genommen. Spätestens, nachdem der 41-Jährige dem Hamburger SV und dem ambitionierten Zweitligisten RB Leipzig eine Absage erteilt hatte, verdichteten sich in Dortmund die Vermutungen in Richtung Tuchel. Eines stand fest: Ein Typ wie "Kloppo" musste es sein - jung, dynamisch und erfolgreich, der die Philosophie vom Angriffs-Fußball weiterleben lässt. Ob die Fans ihn in Tuchel bekommen, bleibt abzuwarten.

Über die Beweggründe der Verpflichtung darf weiter diskutiert werden. Die BVB-Verantwortlichen wollen sich nicht äußern. Die Vorstellung von Tuchel wird erst nach der Saison stattfinden. "Ich stehe für gewisse Attribute, für eine aktive Spielweise, für mutiges Verteidigen, schnelles Spiel in die Spitze", beschrieb Tuchel jüngst seine Vorstellung vom modernen Fußball. Vergleiche mit Klopp lehnt er ab: "Ich vergleiche mich nicht mit Jürgen, ich bin anders."

Es wird gemunkelt, Klopp habe seinen Nachfolger selbst vorgeschlagen. Tuchel kam als U 19-Trainer vom FC Augsburg zum FSV, als sich Klopp aus Mainz 2008 in Richtung Dortmund verabschiedete. Ein Jahr später wurde Tuchel zum Cheftrainer befördert. Er wurde in seinen fünf Jahren als Cheftrainer in Mainz in Sphären gehoben, die ihn kurzfristig in den Kandidatenkreis für die Nachfolge von Bundestrainer Joachim Löw im Falle eines Ausscheidens bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien beförderten. Er ist zweifellos ein Fußball-Lehrer mit Talent - aber ohne Titel. Tuchel muss in Dortmund seine ihm nachgesagten Qualitäten bei einem Club mit großen sportlichen Ansprüchen beweisen. Und in Jürgen Klopps große Fußstapfen treten.

Meinung:

Vorbei am Übervater Klopp

Von SZ-RedakteurMichael Kipp

Thomas Tuchel bei Borussia Dortmund - das passt. Das sagen zumindest viele Fußball-Fans. Schließlich sei Tuchel nicht umsonst ein Jahr lang das heißeste Teil auf dem deutschen Trainermarkt gewesen. Von allen begehrt, von allen gewollt. Er sei ein Trainer, der modernen Angriffs- und Tempofußball vermitteln kann, ein unverbrauchter, titelhungriger Übungsleiter mit akademischen Hintergrund. Einer, der 2011 den DFB-Trainerpreis für Jugendarbeit bekam. Ein 41-Jähriger, der fünf Saisons bei einem Bundesligisten als verantwortlicher Trainer auf der Bank saß. Ein geiler Typ.

Einer, wie es Jürgen Klopp 2008 war, als er aus Mainz zum BVB wechselte. Doch irgendwie hinkt der Vergleich mit Übervater Klopp. Okay, beide sind emotional. Doch Tuchel wirkt im Vergleich zu Klopp eher wie eine schlecht gelaunte Kopie. Tuchel wirkt verbissen und ist auch intelligent genug, zu wissen, dass er Klopp besser nicht kopieren würde. Seinen eigenen Weg muss er aus dem Schatten des von Klopp finden. Das wird ihm schwer fallen. So schwer, dass er auch ganz schnell daran scheitern kann.