Triumphaler Auftritt der Ravens

New Orleans. Die große Geste, die eine ganze Nation herbeigesehnt hatte, war am Ende ganz klein. Während auf der anderen Seite des Feldes die Spieler der Baltimore Ravens wie die Wahnsinnigen im Konfetti-Regen tanzten, schüttelten sich John und Jim Harbaugh nach ihrem historischen Bruder-Duell nur kurz die Hand

 Konfetti-Regen in Lila und Gelb: Bernard Pierce (links) und Vonta Leach von den Baltimore Ravens feiern den Gewinn des Super Bowls. Ihr Team setzte sich in der Nacht zu Montag im Finale der Football-Profiliga NFL in New Orleans mit 34:31 gegen die San Francisco 49ers durch. Foto: Maury/dpa

Konfetti-Regen in Lila und Gelb: Bernard Pierce (links) und Vonta Leach von den Baltimore Ravens feiern den Gewinn des Super Bowls. Ihr Team setzte sich in der Nacht zu Montag im Finale der Football-Profiliga NFL in New Orleans mit 34:31 gegen die San Francisco 49ers durch. Foto: Maury/dpa

New Orleans. Die große Geste, die eine ganze Nation herbeigesehnt hatte, war am Ende ganz klein. Während auf der anderen Seite des Feldes die Spieler der Baltimore Ravens wie die Wahnsinnigen im Konfetti-Regen tanzten, schüttelten sich John und Jim Harbaugh nach ihrem historischen Bruder-Duell nur kurz die Hand. Einer der beiden musste den Super Bowl der amerikanischen Football-Profiliga NFL verlieren - am Ende hatte John die Bürde, seinen Bruder zu trösten.

"Das war die härteste Erfahrung, die ich jemals in meinem Leben gemacht habe", sagte John nach dem verrückten 34:31-Triumph der Ravens gegen die von Jim trainierten San Francisco 49ers: "Es war enorm hart gegen Jim. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe."

Bis zum Schlusspunkt des Endspiels sahen die 71 024 Zuschauer in New Orleans eines der packendsten Spiele in der NFL-Geschichte - mit einer kuriosen Zwangspause. Ein 36-minütiger Stromausfall brachte die bis dahin souverän führenden Ravens völlig aus dem Rhythmus und ließ die 49ers-Anhänger nach einem 17:0-Lauf ihres Teams von der großen Sensation träumen. "Alle mussten irgendwie damit klarkommen", sagte John Harbaugh: "San Francisco hat das offensichtlich besser gemacht." Gereicht hat es trotzdem nicht.

Angeführt vom überragenden Quarterback Joe Flacco, der nach drei Touchdown-Pässen zum wertvollsten Spieler (MVP) des Finales gekürt wurde, hatten die Ravens zur Halbzeit einen letztlich zu großen Vorsprung herausgespielt (21:6). Nach der Pause, in der Pop-Diva Beyoncé Knowles den Superdome in ein Tollhaus verwandelte, sorgte Jacoby Jones in seiner Spezialdisziplin mit einem sogenannten Kick-off Return Touchdown über 109 Yards für einen Super-Bowl-Rekord und die Demütigung der 49ers-Defensive.

"Das ist unglaublich", sagte Flacco: "Wir haben es uns nicht einfach gemacht, aber das ist Baltimore, das sind wir. Ich kann es kaum erwarten, nach Hause zur Parade zu kommen."

Dort wird Legende Ray Lewis den gebührenden Abschluss seiner 17-jährigen NFL-Karriere bekommen. Umringt von Dutzenden Kameras schrie der 109-Kilo-Koloss immer wieder seine Freude in den Nachthimmel von New Orleans. "Ich wurde auf meiner Reise sehr oft geprüft", sagte Lewis, der nach einem Mordprozess und Doping-Gerüchten in den USA längst nicht von allen geliebt wird: "Aber jetzt kann ich mit meinem zweiten Ring in den Sonnenuntergang fahren. Hier hört nur der Football auf - nun beginnt das Leben für Ray Lewis erst richtig."

Lewis, wertvollster Spieler beim ersten Super-Bowl-Sieg der Ravens im Jahr 2001, war auch diesmal der unumstrittene Anführer: Er pushte sein Team auch während der Schwächephase nach dem Stromausfall immer weiter. "Das Coole an Ray ist, dass es für ihn wahnsinnig viel bedeutet, zu gewinnen", sagte Flacco: "Aber nicht für sich. Er wollte uns alle wissen lassen, wie es ist, dieses Spiel zu gewinnen."

Die 49ers haderten nach ihrer ersten Niederlage im Super Bowl mit einer Schiedsrichterentscheidung. 1:50 Minuten vor dem Ende hatte der fünfmalige Champion fünf Yards vor der Endzone der Ravens die große Chance, die furiose Aufholjagd zu krönen - Michael Crabtree wurde aber unsanft zu Fall gebracht, bevor er den Pass von Quarterback Colin Kaepernick erreichen konnte. "Für mich ist es keine Frage, dass das ein Foul war", sagte Jim Harbaugh, der völlig außer sich über die Entscheidung an der Seitenlinie gewütet hatte. sid