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Triathlet Jan Frodeno absolviert einen Ironman in seinen vier Wänden

Triathlet Jan Frodeno : „Es ist komisch, eingesperrt zu sein“

Der dreimalige Ironman-Weltmeister wird am Samstag inmitten der Corona-Krise einen Ironman absolvieren – daheim. Im Interview spricht der Sportler vom LAZ Saarbrücken über die Beweggründe und die Situation in seiner Wahlheimat Spanien.

Jan Frodeno, am kommenden Samstag absolvieren Sie einen Ironman – in den eigenen vier Wänden. Es muss Ihnen ja sehr langweilig sein.

JAN FRODENO Die Leute sollten mittlerweile ja wissen, dass ich eine kleine Meise habe. Aber das soll nicht nur ein Spaß-Ereignis sein, sondern ist auch ein bisschen aus der Hilflosigkeit geboren. Ich sitze daheim, und das ist das Beste, was ich tun kann, um das medizinische Personal in Spanien zu entlasten. Ich will zeigen, dass man sehr viel daheim machen kann, wenn man etwas kreativ ist. Zudem ist mein Beruf leider keiner, mit dem ich wirklich helfen kann. Vielleicht bekomme ich so die Chance, das System und einzelne Projekte zu unterstützen.

Sie sprechen den Wohltätigkeitszweck hinter der Aktion an.

FRODENO Ich habe den Willen, zu helfen und etwas zu geben. Wir haben gerade erst wieder 2000 Masken auftreiben können. Aktuell sind wir auf der Suche, was wir mit den Einnahmen machen können. Es wird aber bestimmt nicht die eine Sache sein, wir wollen mehrere Projekte unterstützen.

Wir heftig ist denn die Situation in Spanien?

FRODENO Tatsächlich viel krasser als in Deutschland. Freunde von mir leben zu fünft in einer Wohnung mit 90 Quadratmetern, darunter drei Jungs zwischen zwei und zehn Jahren. Die haben keinen Garten, keinen Balkon und sehen irgendwann am Nachmittag mal die Sonne. Da befinde ich mich im Vergleich in einer absoluten Luxussituation. Dennoch ist es komisch, eingesperrt zu sein. Man kann mit den Kindern nicht vor die Tür, kann nur einkaufen gehen. Das tue ich auch, aber irgendwie mit einem mulmigen Gefühl. Ich hoffe, dass die Restriktionen irgendwann ein bisschen gelockert werden, vor allem wegen der vielen Menschen, die in ihren Wohnungen festgehalten werden. Da gibt es teilweise sogar einen Zeitplan, wer wann das Treppenhaus benutzen darf.

Fühlen Sie sich sportlich im Vergleich zu Sportlern in anderen Ländern ohne diese Einschränkungen benachteiligt?

FRODENO Da sind andere derzeit natürlich besser dran. Sonst habe ich dafür aber immer den Vorteil, dass hier an 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint. Es ist nicht leicht. Aber ich bin mir sicher, dass wir viel früher wieder rausgelassen werden, ehe es Wettkämpfe gibt. Da werde ich dann das Beste daraus machen.

Und bis dahin absolvieren Sie einfach mal einen Ironman, so locker aus dem Stand?

FRODENO Mein Fitnessstand ist auf einem anderen Level, als es normal der Fall wäre, und es sind ja auch komplett andere Verhältnisse. Es geht auch weniger um die eigentliche Leistung oder darum, eine Bestzeit aufzustellen. Für mich zählt eher der andere Gedanke im Triathlon: das Ziel erreichen. Wir wollen aber natürlich niemanden anstiften, daheim einen Ironman zu absolvieren.

Deshalb auch die Ankündigung, es von Sonnenaufgang bis -untergang zu tun. Dazwischen gibt es dann ein Drei-Gänge-Menü?

FRODENO Ich werde wohl um 8 Uhr morgens starten und will um 9 Uhr über ein Programm online mit vielen Menschen gemeinsam losradeln. Ich werde mir meine Erdnuss-Sandwiches daher davor schmieren und sie mir dann auf dem Rad reinpfeifen.

Ist so ein virtuelles Rennen vielleicht sogar etwas für die Zukunft?

FRODENO Das macht gerade schon Spaß und ist eine coole Zwischenlösung. Aber es ist doch so, dass der Wettkampf und der Sport draußen stattfinden müssen. Man muss sich in die Augen schauen können, es muss Psychospielchen geben, um das ganze emotional zu machen. Hoffentlich kommen wir irgendwann zurück, dass alles wieder draußen stattfindet.

Zum Beispiel die WM auf Hawaii im Oktober?

FRODENO Es herrscht eine große Unsicherheit, was stattfinden kann und wird. Hawaii ist auch so eine Sache, da muss man über die USA anreisen, sitzt 24 Stunden im Flieger. Das ist Maximalrisiko. Wir müssen einfach noch ein paar Monate abwarten, bis dahin bleibe ich in meiner Homeschool.