Trennung auf Raten

Leverkusen. Er hätte es so schön haben können. Ein Gehöft im Niederrheinischen nahe der alten Heimat Gladbach, ein paar Tiere, vor allem Katzen und viel Ruhe. Ruhe nach 32 Jahren Trainerarbeit. Ein kleiner bäuerlicher Betrieb ohne Trubel, Kameras und Journalisten

Leverkusen. Er hätte es so schön haben können. Ein Gehöft im Niederrheinischen nahe der alten Heimat Gladbach, ein paar Tiere, vor allem Katzen und viel Ruhe. Ruhe nach 32 Jahren Trainerarbeit. Ein kleiner bäuerlicher Betrieb ohne Trubel, Kameras und Journalisten. Doch Bayer Leverkusens Jupp Heynckes konnte noch nicht aufhören, konnte den Verlockungen der Fußball-Großindustrie nicht widerstehen. Es war ganz sicher nicht nur ein Freundschaftsdienst für Uli Hoeneß, dass er sich ab Juni für zwei Jahre an den FC Bayern München binden wird. Aus Freundschaft hilft man beim Tapezieren - aber man wird nicht Trainer im Medienzirkus FC Bayern.Und selbst wenn sich Heynckes eine Woche nach der Bekanntgabe seiner Entscheidung, einer, die eigentlich schon seit der Entlassung von Louis van Gaal feststand, nicht mehr wirklich dazu äußern will, wird eines klar. Dass er, der schon fast alles gewonnen hat, was man mit einem Verein gewinnen kann, noch mal beim Rekordmeister anheuert, hat auch viel mit den zwei Jahren bei Bayer Leverkusen zu tun. "Es gibt Stationen, wo man sagt: Das ist eine Zeit, die ich nie vergessen werde. Das war bei Athletic Bilbao so, das war in München so und das wird auch jetzt so sein", erklärt der 65-Jährige.

Nach den eher missglückten Trainer-Gastspielen bei Borussia Mönchengladbach (2006/07) und Schalke 04 (2003/04) schien der Mann, der so viel gewonnen hatte, immer irgendwie müde. Aber das hat sich in den letzten 24 Monaten augenscheinlich geändert, sonst würde er sich eine Groß-Aufgabe wie die Bayern wohl nicht mehr antun. Und daran dürfte auch der Rest der Saison nichts ändern. Auch wenn jetzt zwei Herzen in seiner Brust schlagen, streitet er sich doch mit seinem Bayer mit seinen Bayern um die Champions-League-Qualifikation. "Das ist ein Vorgang, der normal ist. Ich werde nichts an meiner Arbeitsweise, meinem Engagement oder meiner emotionalen Bindung zum Verein ändern."

Dennoch ist es nur noch eine emotionale Bindung auf Zeit - die spätestens am letzten Spieltag zu Ende ist. Bis dahin wird die Liebes-Ehe auf Zeit noch weiterlaufen, die vor der Scheidung noch ein gemeinsames Ziel hat: "Ich werde bis zum Ende der Saison brennen und will die Mannschaft direkt in die Champions League führen."

Wobei ja der ganz große Traum, Meister zu werden, durch die Patzer Borussia Dortmunds ein wenig wirklicher geworden ist, auch wenn Heynckes - dafür hat er zu viel Erfahrung - davon nichts wissen will: "Wir fokussieren uns auf die direkte Qualifikation, alles andere ist utopisch. Dortmund hat zwar im Moment eine kleine Delle in der Leistung, aber die verleitet nicht zu Träumereien", sagt er.

Aber Heynckes ist sich durchaus bewusst, was er bei Leverkusen geleistet hat: "Wir haben uns zu einer absoluten Spitzenmannschaft entwickelt", erklärt er. Die zudem mit attraktivem Fußball überzeugt, aber auch körperlich unter Heynckes, einem Feind kopflosen Offensivfußballs, zugelegt hat: "Wir sind in den letzten Wochen robuster geworden." Was gegen einen Abstiegskämpfer wie den 1. FC Kaiserslautern am Samstag um 15.30 Uhr sicher nicht von Nachteil sein wird. Denn um das, was Leverkusen auf dem Betzenberg erwartet, weiß Heynckes: "Zuhause sind das Kampfmaschinen." Aber - das hört sich schon nach Bayern-Anspruchsdenken an: "Wir haben so viel Selbstbewusstsein, dass wir natürlich nach Kaiserslautern fahren, um zu gewinnen." "Zuhause sind das Kampf-

maschinen."

Jupp Heynckes, Trainer von Bayer Leverkusen, über den 1. FC Kaiserslautern