Traumhafte Bayern entzaubern den BVB

Fußball : Traumhafte Bayern entzaubern den BVB

Fußball-Rekordmeister bereitet scheidendem Präsident Hoeneß einen perfekten Abschied. Flick bleibt vorerst Trainer.

Uli Hoeneß kam nach der Gala zu seinem Abschied gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. „Fantastisch“, „traumhaft“, „unglaublich“ – das 4:0 (1:0) seines FC Bayern im Bundesliga-Klassiker gegen ein desaströses Borussia Dortmund werde ihm „ewig in Erinnerung bleiben“, sagte der scheidende Patriarch ergriffen. Voller Dankbarkeit fügte er hinzu: „So habe ich mir meinen Abschied als Präsident vorgestellt. Das war ein wunderschöner Abschluss.“

Hoeneß wird seinen Posten am Freitag räumen, das Fußball-Fest unter Interimstrainer Hansi Flick sah er als verfrühtes Geschenk. „Der Terminkalender hätte es nicht besser meinen können“, sagte Hoeneß beglückt: „Das war von der ersten bis zur 90. Minute eine Demonstration unserer Mannschaft. Ich muss mich bei ihr bedanken.“

Dabei hatte diese Mannschaft dafür gesorgt, dass Hoeneß seinen „Freund“ Niko Kovac „von einer Last befreien“ und ihm den Trainerjob nehmen musste. Es habe „Strömungen innerhalb der Mannschaft gegeben, die den Trainer weghaben wollten“, sagte Hoeneß. Als Kovac geschasst war, hätten die Profis gemerkt: „Hoppla, jetzt müssen wir liefern! Und sie haben geliefert.“

Mutig, aggressiv – und endlich stabil: Diese Bayern hatten nichts mehr vom lähmenden Gekicke unter Kovac. Doppeltorschütze Robert Lewandowski (17. und 76. Minute) traf als erster Bundesliga-Spieler überhaupt an elf Spieltagen nacheinander. „Es ist Wahnsinn, was er für uns leistet“, schwärmte Flick. Auch die Treffer von Serge Gnabry (47.) und Pechvogel Mats Hummels (80., Eigentor) rissen Hoeneß aus dem Sitz. Schon beim Führungstor habe er ihn „fast die Treppe runtergestoßen“, berichtete Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Und zwar so sehr, dass die Bosse Heilsbringer Flick eine Weiterbeschäftigung versprachen. Grundsätzlich müsse der Verein „an einer langfristigen Lösung interessiert sein“, sagte Hoeneß. Bis diese gefunden sei, „ist Hansi Flick keine schlechte Lösung“. Nach den überzeugenden Siegen gegen Olympiakos Piräus (2:0) und den BVB „kann man nicht sagen, den Hansi schicken wir wieder weg und holen irgendeinen, der vielleicht nur ein paar Monate arbeiten kann“.

Also keinen Arsène Wenger (70), bei dem Rummenigge sich für die missglückte Kommunikation entschuldigte. „Wir haben uns gegenseitig missverstanden, das tut mir leid“, sagte der Vorstandschef. Was Flick betrifft, so stellte Rummenigge nach der „besten Saisonleistung“ klar, dass der Rekordmeister „bis auf Weiteres“ mit ihm arbeiten werde. Er habe seine Aufgabe „bravourös“ gemeistert: „Man muss Hansi ein großes Kompliment machen.“

Auch Flicks einstiger Chef, Bundestrainer Joachim Löw, lobte: „Er hat die sportliche Kompetenz und die emotionale Qualität, mit den Spielern bei Bayern umzugehen. Ich traue ihm die Aufgabe auf jeden Fall zu.“ Flick selbst nahm all das Lob äußerlich gelassen auf. Er verfolge die Diskussion „völlig relaxed“.

Weniger entspannt ist die Lage in Dortmund. „Am Ende muss man sagen, es war eine Nicht-Leistung. Das war überhaupt kein Fußball“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Coach Lucien Favre nahm Zorc von seiner Kritik aus. „Den Trainer würde ich komplett rausnehmen, fragen Sie die Spieler“, forderte er die Medienvertreter auf. Hummels, noch der beste Dortmunder am Samstagabend, sagte: „Diese Niederlage war ein Zeichen für uns, dass wir keine Top-Truppe sind.“ Kapitän Marco Reus muss indes für die EM-Qualifikationsspiele gegen Weißrussland und Nordirland wegen seiner Probleme am Sprunggelenk absagen.

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