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Saarsport-Tribüne
Transparenz reduziert die Angriffsfläche

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Der Spitzensport im Saarland steht nach dem LSVS-Skandal zunehmend am Pranger. Mit ein wenig mehr Transparenz in der derzeit unübersichtlichen Förderung mit öffentlichen Geldern sollten die Wogen aber schnell zu glätten sein. Von Mark Weishaupt
Mark Weishaupt

Ohne Breitensport kein Spitzensport, ohne Spitzensport kein Breitensport. Das ist keine bahnbrechend neue Erkenntnis, sondern seit Jahren Konsens in der deutschen und auch der saarländischen Sportförderung. So grazil turnen zu können wie Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer, so schnell rennen zu können wie Sprinterin Laura Müller – Kinder brauchen Vorbilder, auch im Sport. Insofern ist nichts Verwerfliches daran, Geld in Spitzensportler zu investieren, weil ein Teil der „Rendite“ – dass Kinder und Jugendliche ihren Idolen nacheifern – ein unschätzbares Gut ist.


Investitionen in „Leuchtturm-Projekte“ gibt es in allen Ebenen der Gesellschaft. Der Sport darf da nicht ausgenommen werden. Wichtig ist aber, dass die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt. Wenn die kleinen Sportvereine ihren Betrieb nicht mehr aufrechterhalten können, weil es an finanzieller Grundlage fehlt, dann bringt den Saarsport auch eine olympische Medaille nicht weiter.

Die aktuelle Debatte um die Spitzensportförderung im Saarland hat aber auch zu Tage gefördert, dass es an Transparenz fehlt. Es gibt keinen Grund, auch nur ansatzweise ein Geheimnis daraus zu machen, dass Athleten finanziell unterstützt werden. Eine Neiddebatte ist nicht zu befürchten und wäre auch völlig fehl am Platz. Topsportler in Randsportarten – und damit quasi in allen Sportarten außer Fußball – können in ihrem Berufsleben als Profisportler im Idealfall kaum länger als zehn, zwölf Jahre Geld verdienen. Und was nach der Karriere kommt, das wissen die meisten in der Regel nicht einmal. Ausgesorgt hat nur ein verschwindend geringer Prozentsatz – da muss man schon wie Triathlet Jan Frodeno alles gewinnen, was man gewinnen kann. Die hoffentlich bald eingeführte Transparenz darf aber nicht dazu führen, dass ein geförderter Athlet wie Patrick Franziska quasi sein Gehalt offenlegen muss, nur weil er von der Lotteriegesellschaft unterstützt wird.

Die Verantwortlichen bei Saartoto, dem Innen- und Sportministerium und dem Landessportverband für das Saarland wären also gut beraten, das Thema Transparenz ernst zu nehmen. Wer transparent handelt, reduziert seine Angriffsfläche. Da im Saarsport derzeit im Zuge der Aufarbeitung des Skandals ja sowieso jeder Stein umgedreht wird, dürften Änderungen in diesem Bereich also noch am wenigsten schmerzhaft für alle Beteiligten sein.