Training vor Sonnenaufgang

Kingston · Der schnellste Mann der Welt ist ein Frühaufsteher. Manchmal trainiert Usain Bolt schon vor Sonnenaufgang. Für den Traum vom olympischen „Triple-Triple“ will er auch mit 29 noch einmal alles geben. Und bleibt dabei locker und entspannt.

 Besuch in Kingston: Weltrekordler Usain Bolt lässt sich beim Training zuschauen. Foto: Neumann/dpa

Besuch in Kingston: Weltrekordler Usain Bolt lässt sich beim Training zuschauen. Foto: Neumann/dpa

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Der Sprint-König hält Hof in einer verlebten Sporthalle. Das Blechdach vibriert im böigen Wind, der von den Bergen nach Kingston hinunter weht. Einige Leuchtstoffröhren flackern. Nur die Sponsoren-Wand seines deutschen Ausrüsters erinnert daran, dass in Jamaikas Hauptstadt gerade der schnellste Mensch der Welt einer internationalen Journalistengruppe Frage und Antwort steht.

Den ganzen Nachmittag lang wird Usain Bolt von den Medien auf der nach ihm benannten blauen Laufbahn auf dem Gelände der Universität West Indies befragt. Anschließend geht es in der Sporthalle nebenan weiter. Trotzdem ist der sechsmalige Olympiasieger entspannt wie eh und je. Ein für Bolt typischer Scherz da, ein Selfie hier, zwischendurch klingelt sein Handy. Der 29-Jährige entschuldigt sich artig und schaltet es direkt ab.

Der vielleicht spannendsten Frage - nach den Doping- und Korruptionsskandalen im Leichtahletik-Weltverband IAAF - weicht der Supersprinter aus. "Ich konzentriere mich nur auf mich selbst", verkündet Bolt. In die IAAF-Affären wolle er sich nicht einmischen.

Dabei hätte ein Usain Bolt viel zu sagen. Auf Jamaika ist er längst ein Idol, die Sport-Bühne will er als lebende Legende verlassen. Sein Ziel: den Olympia-Hattrick von Peking 2008 und London 2012 über 100, 200 und 4x100 Meter Mitte August in Rio zu wiederholen. "Wenn ich das Triple-Triple in Rio schaffe, dann kann ich mich mit Leuten wie Muhammad Ali und Michael Jordan vergleichen", sagt der schnellste Mann der Welt. Es ist seine finale Chance. Denn die Spiele in Rio "werden definitiv meine letzten sein", versichert Bolt.

Dafür trainiert Bolt extrem hart - und häufig sehr früh. Am Tag nach dem Medientermin steht er eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang auf der blauen Bahn in Kingston . Die Uhr zeigt keine sechs, die Temperaturen sind noch erträglich. Er muss schließlich eine Menge aufholen. "Im Januar hat mich eine Knöchelverletzung vier Wochen Trainingszeit gekostet, nachdem ich auf einer Stufe umgeknickt bin. Ich bin aber auf einem guten Weg und absolviere auch schon wieder Tempoläufe", erläutert der Weltrekordler .

An diesem frühen Morgen stehen unter der Aufsicht von Coach Glen Mills Wiederholungsläufe über 120 Meter an. Zwischendurch wird Bolt immer wieder extrem gedehnt, er muss beweglich bleiben, um seine Muskeln auf Höchstleistung zu trimmen. Eine kleine Bandage am linken Knöchel erinnert noch ans Missgeschick Anfang des Jahres. Deshalb steigt der Jamaikaner vermutlich erst verspätet in die Saison ein. Bisher ist nur ein Rennen vor den nationalen Olympia-Ausscheidungen Anfang Juli geplant. "Lediglich der Racers Grand Prix in Kingston am 11. Juni ist fix", gibt Bolt zu Protokoll.

Keine ungewohnte Situation für ihn. Auch im Vorjahr startete der Weltrekordler nur bei einem hochkarätigen 100-Meter-Rennen vor der WM - und wurde wenig später drei Mal Weltmeister. Fest steht: Mit Usain Bolt ist trotz Verletzungssorgen bei den Olympischen Spielen in Rio fest zu rechnen. Macht er an der Copacabana das "Triple-Triple" perfekt, würde er endgültig den roten Ledersessel vom Pressegespräch in Kingston gegen einen Ehrenplatz im Sport-Olymp tauschen.

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Auf einen BlickAm Schlusstag der Hallen-WM in Portland/Oregon hat es vier Weltjahres-Bestleistungen gegeben. Die Staffeln der USA über 4x400 Meter liefen in der Nacht zu Montag bei den Frauen (3:26:38 Minuten) und den Männern (3:02:45) zu Gold. Über die 60 Meter Hürden triumphierte der Jamaikaner Omar McLeod in 7,41 Sekunden. Und auf der 800-Meter-Strecke war Francine Niyonsaba aus Burundi in 2:00:01 Minuten so schnell unterwegs wie keine andere Läuferin in diesem Jahr. Erfolgreichste WM-Nation wurden die USA mit 23 Medaillen, davon 13 Mal Gold. Somit holten sich die Gastgeber die Hälfte aller Titel. dpa

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