| 20:26 Uhr

Frauenbasketball-Bundesliga
Tränen und ein überraschender Abschied

Jamailah Adams (Dritte von rechts) wischt sich mit dem Trikot die Tränen aus den Augen. Sie verkündete am Samstag überraschend ihren Abschied.
Jamailah Adams (Dritte von rechts) wischt sich mit dem Trikot die Tränen aus den Augen. Sie verkündete am Samstag überraschend ihren Abschied. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Saarlouis Royals verpassen die Playoffs der Basketball-Bundesliga. Neben Spielführerin Levke Brodersen geht auch Jamailah Adams. Von Jonas Grethel

Der emotionale Abschied, den Basketball-Bundesligist Saarlouis Royals seinen Fans am Samstagabend bat, hatte einen Beigeschmack. Zwei sogar, wenn man es genau nimmt. Zum einen war da Jamailah Adams, die nach der geplanten und tränenreichen Verabschiedung von der scheidenden Spielführerin Levke Brodersen in der Saarlouiser Stadtgartenhalle selbst das Mikro in die Hand nahm und – ohne Wissen von Vereinsführung, Trainer oder anderen Verantwortlichen – verkündete, dass auch sie in der kommenden Saison nicht mehr in Saarlouis spielen wird. Der andere Beigeschmack war sportlicher Art. 57:69 verloren die Royals ihr letztes Heimspiel 2017/18 gegen den vermutlichen Absteiger Göttingen und verpassten somit ihr Mindest-Saisonziel, die Teilnahme an den Playoffs.


„Das Spiel lief nicht so wie geplant – die Intensität hat bei uns gefehlt, wir haben nie so richtig Feuer reinbekommen“, kommentierte die mit „Levi, Levi“-Sprechchören gefeierte Brodersen ihr vorerst letztes Spiel in Saarlouis. Weh habe es getan, ergänzte sie, zu wissen, dass man sich mit einer Niederlage von der Heimat der vergangenen acht Jahre verabschieden muss. Das andere Thema – Adams, die mit ihrer Verkündung alle Anwesenden vor vollendete Tatsachen stellte – brachte auch Manager Sascha Schmidt kurz aus der Fassung: „Wir sind alle ein bisschen schockiert. Vor vier Tagen haben wir noch mit ihr gesprochen, und da hat sie uns nichts gesagt. Ändern können wir das jetzt aber nicht mehr, wir müssen das so hinnehmen.“

Irgendwie passt die Verblüffung, die Adams mit ihrem Alleingang verbreitete, aber in das Bild, das die Royals während der gesamten Saison abgeben. Das Spiel gegen die Veilchen Ladies machte da keine Ausnahme. Ganze sieben Minuten dauerte es am Samstag, bis die Royals ihren ersten Korb aus dem Spiel heraus machten – Göttingen war da schon mit 12 Punkten davongezogen. Saarlouis dagegen war ideen- und konzeptlos, bis auf einige halbwegs starke Phasen lief bei der Mannschaft von Trainer Marc Hahnemann wenig zusammen. Der sagte dann auch: „Wir haben nie richtig ins Spiel gefunden, über vier Viertel nicht. Uns hat die Aggressivität gefehlt, wir haben vergessen zu verteidigen – wir waren wie gelähmt.“



Somit beenden die Royals die Saison auf dem neunten von zwölf Tabellenplätzen – selbst ein Sieg bei Serienmeister Wasserburg am kommenden Wochenende würde daran nichts ändern. Eine enttäuschende und verkorkste Saison also für einen Verein, dessen Ex-Trainer Hermann Paar noch im September 2017 gesagt hatte: „Wir wollen alles längerfristig aufbauen und perspektivisch in der Lage sein, um die Meisterschaft mitzuspielen“ – sollte man jedenfalls meinen. Ganz im Gegenteil, findet jetzt Manager Schmidt: „Es ist doch die Frage, ob das überhaupt der Wunsch ist, oben mitspielen zu wollen.“ Und: „Wenn ich heute auf die Saison zurückschaue, muss ich zufrieden sein. Das Ziel, das wir uns mit Marc Hahnemann gesteckt haben, haben wir erreicht.“

Sind die Royals jetzt also ein Verein, der sich mit dem Nicht-Abstieg zufriedengibt? Vor nicht einmal zwei Jahren stand man doch noch im Finale um die deutsche Meisterschaft. Mittlerweile hätten sich die Prioritäten aber verschoben, sagt Schmidt: „Das größte Ziel ist, dass wir in Saarlouis einen Basketballverein haben, der finanziell solide und in den Bereichen Fans, Struktur und Vereinsführung gut aufgestellt ist. Daraus ergibt sich dann eine bestimmt sportliche Zielsetzung. Die werden wir aber erst definieren, wenn wir genau wissen, wie wir aufgestellt sind.“

Viel wichtiger als der kurzfristige sportliche Erfolg seien Dinge, die sich neben dem Platz abspielen – das Stärken der eigenen Marke, die Zusammenarbeit mit den Fans. Und vor allem das Fördern der eigenen Jugend. Das sportliche Ziel für die nächsten Jahre lautet jetzt daher erstmal nicht mehr Titelrennen, sondern: „Wir wollen langfristig ein solider Erstligist werden.“

Dazu wäre auch ein geeigneter Kader nötig – an dem arbeiten die Verantwortlichen um Schmidt gerade. Brodersen, Adams und Paige Crozon sind auf jeden Fall nicht mehr dabei, dazu kommen die wahrscheinlichen Abgänge Magaly Meynadier und Sabine Niedola. Letzterer wurde von Vereinsseite ein Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung untersagt – „wir wollen nicht, dass Spielerinnen Wasserstandsmeldungen abgeben“, erklärte Sascha Schmidt. Wie es mit Trainer Marc Hahnemann aussieht, sei auch noch zu klären – immerhin wird Nationalspielerin Nadjeschda Ilmberger, die derzeit an einem Kreuzbandriss laboriert, sicher bleiben.

Wer sich jetzt Sorgen macht, dass die Royals in der nächsten Saison ob der drohenden Abgangswelle völlig auseinanderbrechen, wird von Schmidt beschwichtigt: „Es scheinen ganz viele Leute Panik zu haben, aber keiner aus dem Verein – wir werden nächste Saison genug Spielerinnen haben, um eine gute Mannschaft aufs Parkett zu schicken.“ Gespräche mit möglichen Neuzugängen seien weit fortgeschritten, Vertragsverlängerungen mit aktuellen Spielerinnen im Rahmen des Möglichen. Unter dem Strich steht: Statt sportlich erfolgreich sollen die Royals in den kommenden Jahren erst einmal „solide“ sein.

Levke Brodersen verabschiedete sich unter Tränen von den Fans in der Stadtgartenhalle – sie zieht es für mindestens ein Jahr nach England.
Levke Brodersen verabschiedete sich unter Tränen von den Fans in der Stadtgartenhalle – sie zieht es für mindestens ein Jahr nach England. FOTO: Ruppenthal
Diskussionsbedarf nach der Niederlage: Royals-Trainer Marc Hahnemann, Sabine Niedola und Co-Trainerin Angela Tisdale (von links).
Diskussionsbedarf nach der Niederlage: Royals-Trainer Marc Hahnemann, Sabine Niedola und Co-Trainerin Angela Tisdale (von links). FOTO: Ruppenthal