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Torhüter sorgt mit Vertragsstreit für Wirbel

Frankfurt. Torwart Heinz Müller hat vor Gericht einen Sieg gegen den FSV Mainz 05 errungen. Das Gericht entschied, dass befristete Verträge im Fußball nicht möglich sind. Dass das Urteil in weiteren Instanzen Bestand hat, bezweifeln Experten. sid

Irrsinns-Urteil oder ein neuer Fall Bosman? Der Erfolg von Fußball-Profi Heinz Müller vor dem Arbeitsgericht Mainz hat Diskussionen über befristete Kontrakte ausgelöst - eine Vertrags-Revolution erwarten Experten allerdings nicht. "Ich bin nicht beunruhigt. Wir müssen das jetzt angemessen prüfen und werden nicht sagen, das System stürzt jetzt zusammen", sagte Präsident Harald Strutz vom betroffenen FSV Mainz 05 . Er nannte den Fall "sehr plakativ".

Der Jurist bleibt also gelassen und verwies derweil auf einen Fall vor dem Arbeitsgericht in Nürnberg: "Da ist 2006 genau das Gegenteil entschieden worden." Verärgert ist Strutz über die Tatsache, dass ihm die schriftliche Begründung wohl erst in ein paar Wochen zukommen wird.

Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, reagierte mit Verwunderung auf das Urteil. "Profifußball verträgt es nicht, dass man Verträge nicht befristen darf", sagte Koch. Es müsse möglich sein, dass sich eine Mannschaft "immer wieder neu aufstellt. Wir können keine aufgeblähten Kader mit 50 Spielern haben". Michael Born, Manager des Bundesligisten SC Paderborn, kann sich nicht vorstellen, dass das Urteil Bestand haben wird. "Das widerspricht dem Leistungsgedanken im Sport."

Am Dienstag war bekannt geworden, dass der ehemalige Bundesliga-Torwart Heinz Müller in erster Instanz einen Prozess gegen seinen ehemaligen Club FSV Mainz 05 gewonnen hatte. Das Urteil könnte weit reichende Folgen für Vereine und Verbände haben. Der 36-Jährige hatte gegen die Befristung seines Vertrages geklagt - und Recht bekommen.

Die Dimension des Rechtsspruchs könne nach Meinung von Strutz sogar annähernd jene des Bosman-Urteils von 1995 erreichen (Einsatz beliebig vieler Ausländer). Sportrechtler Michael Lehner hält das "für viel zu hoch gegriffen" und nahm die Vereins in die Pflicht: "Die Clubs müssen bei dem Abschluss von Verträgen genaue Gründe hineinschreiben, warum ein Arbeitspapier nur eine befristete Laufzeit hat. Dann stehen sie rechtlich auf steinernen Füßen."

Strutz ließ keinen Zweifel daran, dass der Bundesligist in Berufung gehen werde. "Es gibt da zwei oder wahrscheinlich drei Instanzen, weil es schon eine grundsätzliche Bedeutung haben könnte - und auch schon hat", sagte der Mainzer Vereinspräsident und merkte an: "Der Profisport steht unter anderen Beurteilungskriterien als normale Arbeitnehmer."

Die Deutsche Fußball Liga betrachtet die Sache "mit der angemessenen Ernsthaftigkeit", sieht aber "keinen akuten Handlungsdruck", da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.