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Tom Weber, der Volleyball-Libero

Bliesen. Die Haare sind kurz geworden. Die Lockenpracht, mit der man ihn kennt, kaum mehr erkennbar. Tom Weber fährt sich mit der Hand über den Kopf, wie es jeder tut, der auf seine kurzen Haare angesprochen wird - um noch einmal zu überprüfen, ob die Haare wirklich ab sind: "Sie wachsen bei mir so schnell, dass ich immer sofort so aussah Von SZ-Mitarbeiter Janek Böffel

Bliesen. Die Haare sind kurz geworden. Die Lockenpracht, mit der man ihn kennt, kaum mehr erkennbar. Tom Weber fährt sich mit der Hand über den Kopf, wie es jeder tut, der auf seine kurzen Haare angesprochen wird - um noch einmal zu überprüfen, ob die Haare wirklich ab sind: "Sie wachsen bei mir so schnell, dass ich immer sofort so aussah." Der 19-Jährige lächelt und formt mit seinen Fingern die Umrisse einer großen Kugel um seinen Kopf: "So ungefähr."


Zufall also, dass der junge Mann, der im Esszimmer seines Elternhauses in Bliesen sitzt, die Haare gerade jetzt so kurz trägt. Trotzdem passt es in das Bild des Volleyballers, der gerade seinen Vertrag beim Bundesligisten VC Franken unterschrieben hat. Er ist erwachsen geworden in den drei Jahren im Volleyball-Internat in Frankfurt: "Ich will nicht sagen, dass es hart war - ich habe den Sport gemacht, den ich liebe." Und das, obwohl Zwölf-Stunden-Tage keine Seltenheit waren.

Aber vor allem war es "der absolut richtige Schritt", als Weber mit 16 Jahren vom TV Bliesen, der wohl wichtigsten Nachwuchsschmiede im Saarland, nach Frankfurt wechselte. In Bliesen hatte sein damaliger Trainer Gerhard Rauch das Talent entdeckt und gefördert. "Er war eine wichtige Person in dieser Zeit", sagt Weber über Rauch, der als Landestrainer auch andere Talente nach Bliesen gelockt hatte.



Aber für Weber sollte der Weg weitergehen, und da war das Volleyballinternat Frankfurt die logische nächste Entwicklungsstufe. "Es war ganz einfach noch einmal etwas anderes. Die Menge an Training und die vielen Ligaspiele in der Regionalliga und zweiten Liga." Doch auch dort machte er seinen Weg. Bis in die U19-Naionalmannschaft, zu deren erweitertem Kader er gehörte. Zur WM-Teilnahme in Mexiko reichte es zwar nicht, was aber vor allem an der harten Konkurrenz auf der Libero-Position lag: Markus Steuerwald vom VfB Friedrichshafen, der als eines der größten Talente auf dieser Position weltweit gilt, hat die größere Erfahrung.

Der Libero im Volleyball gilt als anspruchsvolle PositionDoch die Rolle als vielleicht wichtigster Defensivspieler lastet nicht schwer auf Webers Schultern: "Da ich nicht allzu groß bin und nicht so hoch springen kann, ist sie für mich ideal. Und ich mag dieses Gefühl, als Libero einen Ball abgewehrt zu haben", sagt der 1,85 Meter große Weber. Und die Erfahrung - die kommt demnächst von selbst. "Jetzt will ich erst einmal versuchen, mich an die erste Liga zu gewöhnen, das Tempo ist schon ein anderes." Und auch das Thema Nationalmannschaft dürfte zwangsläufig wieder aufkommen.

Wie es neben dem Volleyball weitergeht, da ist sich Weber noch nicht sicher: "Jetzt mache ich meinen Zivildienst im Klinikum Bamberg und überlege in aller Ruhe, was ich mache." Und zumindest, was seine Volleyball-Karriere angeht, hat er bisher mit fast allen Entscheidungen richtig gelegen. "Ich mag dieses Gefühl, als Libero einen Ball abgewehrt zu haben."

Bundesliga-Volleyballer Tom Weber