Tohuwabohu um Pechsteins Werte

Berlin. Eisschnell-Läuferin Claudia Pechstein will einen Eilantrag an den Internationalen Sportgerichtshof stellen, um trotz ihrer zweijährigen Dopingsperre wegen auffälliger Retikulozyten-Blutwerte eine Starterlaubnis für Wettkämpfe im August zu erwirken. Der Antrag habe mit dem Hauptverfahren, das im Herbst stattfinde, nichts tun

Berlin. Eisschnell-Läuferin Claudia Pechstein will einen Eilantrag an den Internationalen Sportgerichtshof stellen, um trotz ihrer zweijährigen Dopingsperre wegen auffälliger Retikulozyten-Blutwerte eine Starterlaubnis für Wettkämpfe im August zu erwirken. Der Antrag habe mit dem Hauptverfahren, das im Herbst stattfinde, nichts tun.Unterdessen kritisiert Ottavio Cinquanta, Präsident der Internationalen Eislauf-Union ISU, Aussagen von Gerd Heinze, Chef der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, zu einem angeblichen "Kuhhandel": "Das ist nicht in Ordnung, uns einen Deal zu unterstellen." Heinze sprach davon, dass ISU-Jurist Gerhardt Bubnik Pechstein angeboten habe, die Sache unter den Tisch zu kehren, wenn sie ihre Laufbahn beende. Bubnik sagt, "diese Äußerungen aus Deutschland haben mich überrascht". Sportrechts-Professor Jens Adolphsen erklärt zur Frage der Wahrheitsfindung, dass die Beweislast bei der ISU liege: "Der Verband muss nachweisen, dass dieses Ergebnis im persönlichen Blutprofil zwingend auf die Manipulation Blutdoping hindeutet." Pechstein sagt, die ISU versuche, die Beweislast auf sie abzuschieben: "Aber sie müssen beweisen, dass ich neun Jahre lang Blutdoping betrieben habe. Das werden sie nicht können. Deshalb wollen sie mir zuschieben, dass ich das Ganze erklären muss." Doping-Experte Fritz Sörgel kommt zur Einschätzung: "Wenn ich behaupten würde, dass Pechstein gedopt hat, wäre das grob fahrlässig." Anders Kollege Werner Franke: "Es gibt keine andere Erklärung als Blutdoping." Das Auffälligste sei der letzte Wert: "Elf Tage nach der Weltmeisterschaft in Hamar wurde sie nochmals kontrolliert. Da war der Retikulozyten-Wert wieder im Normalbereich. Mir ist keine Blutkrankheit bekannt, bei der es diese Schwankungen gibt." dpa