Tischtennisbund befindet sich bei Ovtcharov in der Zwickmühle

Hannover. Normalerweise feuert Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov von der Tribüne lautstark an. Bei wichtigen Spielen sitzt der DTTB-Chef sogar im Nationaltrikot in der Halle

Hannover. Normalerweise feuert Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov von der Tribüne lautstark an. Bei wichtigen Spielen sitzt der DTTB-Chef sogar im Nationaltrikot in der Halle. Jetzt sollen Weikert, DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb, Generalsekretär Matthias Vatheuer und der Anti-Doping-Beauftragte Rainer Kruschel entscheiden, ob Ovtcharov ein Dopingsünder ist oder nicht. "Das ist nicht einfach, wir kennen uns eben alle", beschrieb Weikert die Zwickmühle, in der der Verband steckt.Die mehrstündige Anhörung des vierfachen Team-Europameisters in der DTTB-Zentrale in Frankfurt endete am Montagabend ohne eine Entscheidung. Der Verband sieht noch Gesprächsbedarf. Ovtcharov, bei dem in einer Trainingskontrolle am 23. August das verbotene Mittel Clenbuterol gefunden worden war, beteuert seine Unschuld. Sein Rechtsanwalt Michael Lehner führte eine negative Haarprobe bei Ovtcharov als Indiz für die These an, dass der Profi das Opfer einer unwissentlichen Lebensmittel-Verseuchung während der China Open geworden ist.

Inhaltlich wollte Weikert den Stand der Dinge nicht kommentieren. Das Problem, dass ein Fachverband über einen Dopingfall in den eigenen Reihen zu urteilen hat, ist dem Juristen bewusst. "Wir denken deshalb darüber nach, ob wir nicht das Ergebnis-Management komplett an die Nada abgeben sollen", sagte der DTTB-Präsident.

Der Dopingtest fand einen Tag nach Ovtcharovs Rückkehr aus China statt. Mehrere Anti-Doping-Fachleute wie Werner Franke oder Mario Thevis halten deshalb eine Kontamination im Fall Ovtcharov für möglich.

Die DTTB-Führung muss sich entscheiden: Entweder stellt sie den Fall ein und hebt die Suspendierung auf - dagegen könnten die Nada, die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und der Internationale Tischtennis-Verband (ITTF) Einspruch erheben. Oder der Verband leitet ein Verfahren gegen den Weltranglisten-Zwölften beim Disziplinarorgan Anti-Doping des DTTB ein. Dort droht Ovtcharov eine Sperre von maximal zwei Jahren. dpa