Tischtennis EM: Boll und Patrick Franziska sind Mannschafts-Europameister

Tischtennis-Mannschafts-EM in Nantes : Deutsche Stars dominieren in Europa

Tischtennisspieler um den Saarbrücker Franziska nach 3:0 gegen Portugal Team-Europameister, Frauen im Viertelfinale raus.

Timo Boll und Co. sind in Europa weiter eine Klasse für sich: Mit bislang unerreichter Dominanz haben die deutschen Tischtennis-Herren bei der Mannschafts-EM in Nantes zum achten Mal den Titel gewonnen. Durch einen 3:0-Sieg im Finale gegen Portugal machte das Top-15-Trio Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska vom 1. FC Saarbrücken am Sonntag mit einer „weißen Weste“ seine erfolgreiche Titelverteidigung so überlegen wie kein EM-Champion zuvor perfekt.

Mit ihrer imponierenden Rekordbilanz von 15:0 Siegen holten die WM-Zweiten als erstes Herren-Team in der über 60-jährigen EM-Geschichte ohne den Verlust auch nur eines einzigen Matches Mannschafts-Gold. Zugleich setzten die Schützlinge von Bundestrainer Jörg Roßkopf weniger als ein Jahr vor Olympia in Tokio ein Ausrufezeichen. „Uns war bewusst, dass wir die stärkere Mannschaft sind und das Finale gewinnen, wenn wir wieder eine sehr gute Leistung abrufen. Das haben wir geschafft“, sagte Boll.

Der 38 Jahre alte EM-Rekordsieger vergrößerte durch sein siebtes Mannschaftsgold seine einmalige Titelsammlung nochmals. Zusammen mit sieben Einzel-Erfolgen und fünf Titelgewinnen im Doppel stehen für den 38-Jährigen nunmehr 19 Triumphe bei kontinentalen Meisterschaften zu Buche.

Auf den Erfolg von Nantes waren Boll und seine Kollegen, von denen an der Atlantikküste Mixed-Europameister Ruwen Filus (Fulda) und Benedikt Duda (Bergneustadt) nicht zum Einsatz kamen, geradezu programmiert. Durch ihre Dichte von Weltklasse-Spielern ist Roßkopfs Mannschaft in Normalform momentan auf dem Kontinent konkurrenzlos. Mehr als drei Spieler in den Top 15 der Weltrangliste hat derzeit lediglich Weltmeister und Olympiasieger China aufzubieten.

Entsprechend souverän nahm die Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) in Nantes jede Hürde. Ob Tschechien und Russland in der Vorrunde, Slowenien im Viertelfinale oder Gastgeber Frankreich im Halbfinale – kein Herausforderer hatte gegen die geballte Qualität der Europaspiele-Sieger eine Chance.

Auch im Finale konnte sich Roßkopf auf seine Spitzenspieler verlassen. Boll stellte gegen Portugal in der Neuauflage des Endspiels von 2017 in Luxemburg durch ein 3:1 im zweiten Einzel gegen den früheren Doppel-Europameister João Monteiro die Weichen auf Sieg. Für die 1:0-Führung hatte Ex-Weltcupsieger Ovtcharov im Eröffnungseinzel mit einem 3:0 gegen seinen Orenburger Clubkollegen Marcos Freitas gesorgt. Patrick Franziska machte den souveränen Triumph im Duell mit Bundesliga-Profi Tiago Apolonia (Neu-Ulm) durch ein 3:0 (12:10, 11:9, 11:4) perfekt. Apolonia spielte wie Monteiro früher beim FCS.

Im Damen-Wettbewerb jedoch musste das favorisierte deutsche Team von Bundestrainerin Jie Schöpp nur wenig mehr als zwei Monate nach dem Sieg bei den Europaspielen in Minsk schon im Viertelfinale durch das 2:3 gegen Portugal seine Titelhoffnungen vorzeitig begraben. Rumänien feierte im Finale durch ein 3:0 gegen Portugal ebenfalls eine erfolgreiche Titelverteidigung.

Die deutschen Herren sind nun in einer vergleichsweise komfortablen Situation. Durch ihren Erfolg bei den European Games im Juni haben sie sich vorzeitig für Tokio 2020 qualifiziert und müssen im kommenden Jahr keine zeit- und kraftraubenden Ausscheidungsturniere mehr spielen. Sie können sich voll auf die Team-WM im März und die Olympischen Spiele im Sommer konzentrieren. „Wir haben im Moment eine vielleicht so starke Mannschaft wie noch nie und haben trotzdem eine super Harmonie“, sagte Franziska schon vor der EM. „Vielleicht haben wir eine so große Chance auf den ganz großen Coup wie noch nie.“

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