Thiel, zwei Kandidaten, eine mögliche Lösung

Thiel, zwei Kandidaten, eine mögliche Lösung

Christa Thiels Amtszeit als Präsidentin des Deutschen Schwimmverbandes dauert nun so lange wie Helmut Kohls Kanzlerschaft. 16 Jahre sind genug, meinen einige Funktionäre. Thiel muss sich zwei Gegenkandidaten stellen.

Kurz vor den Sommerspielen stellt sich im Deutschen Schwimm-Verband (DSV) die Machtfrage. Nach 16 Jahren könnte die Ära von Präsidentin Christa Thiel enden - erstmals sieht sich die gewiefte Rechtsanwältin aus Wiesbaden mit Gegenkandidaten konfrontiert. Gewählt wird beim Verbandstag des DSV im November in Leipzig.

Eines ist für Thiel bereits klar: Noch einmal eine solche Wahl wie 2012 will sich die 62-Jährige nicht antun. Nur 57,1 Prozent der Delegierten stimmten damals für sie, mächtige Landesverbände nutzten die Gelegenheit für einen Denkzettel. Einer Unzufriedenheit mit Thiels teils autoritärer Amtsführung im Verband steht ihr Verdienst gegenüber, den lange angeschlagenen DSV mit einem jahrelangen Sparkurs in finanziell ruhige Gewässer geführt zu haben. Auf externem Parkett vermag sich die ehemalige Tänzerin durchaus in Szene zu setzen. Kritiker werfen ihr mangelnde interne Kommunikation vor.

Die sportpolitische Karriere als Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes dauerte nicht lange. Erfolgreicher ist Thiel als soeben erst wiedergewählte Vizepräsidentin des europäischen Schwimmverbandes LEN, der sie als europäische Vertreterin 2017 in den Vorstand des Weltverbandes FINA entsenden will. Zu einer erneuten DSV-Kandidatur will sich Thiel erst vor einer Findungskommission erklären. Diese ist aber vier Monate vor der Wahl noch immer nicht bestellt. "Meine Situation ändert sich nicht, auch wenn jetzt noch mehr Kandidaten kommen", sagte Thiel. Angebliche könnte sie sich vorstellen, eine Übergangsperiode zu begleiten und sich mehr auf ihre internationalen Aufgaben zu konzentrieren.

Thiels wohl stärkste Herausforderin ist Gabi Dörries. Sie wurde 2012 zur Vorsitzenden der Fachsparte Schwimmen gewählt und hat sich seitdem mit ihrer uneitlen, lösungsorientierten Art Respekt verschafft. Die Software-Unternehmerin tritt mit einem Team an, das mit ihr ein künftiges DSV-Präsidium bilden soll. Wie bisher soll Wolfgang Hein Vizepräsident Verbandsentwicklung bleiben, die Steuerfachwirtin und internationale Kampfrichterin Andrea Thielenhaus soll Vizepräsidentin Finanzen werden. Gänzlich neu wäre der vorsitzende Geschäftsführer der Mannesmann Röhrenwerke, Clemens Stewing. Der Jurist ist im Dörries-Team als Vizepräsident Recht vorgesehen. Anders als bisher wollen dann auch ehemalige Schwimmer mitarbeiten: Olympiasiegerin Britta Steffen und Freiwasser-Rekordweltmeister Thomas Lurz haben signalisiert, in einer Art Beirat tätig zu werden. Dörries sähe ihre Präsidentschaft eher als interne Aufgabe. Thiel könnte international wirken. Das könnte auch der Schlüssel zu einem Deal sein, der Thiel bei einem Amtsverzicht das Gesicht wahren ließe.

Ein solcher Deal zwischen Vico Kohlat und Thiel ist schwer vorstellbar. Gegen Thiels Willen setzte sich Kohlat 2012 beim Verbandstag in einer Kampfabstimmung gegen den damaligen Amtsinhaber Anselm Oehlschlägel durch. Seitdem sind sich Thiel und Kohlat nicht gerade herzlich zugetan, auch wenn der frühere Vizepräsident Leistungssport des Landesverbandes NRW politisch korrekt sagt, dass er "mit Frau Thiel gut zusammengearbeitet" habe. Mit Dörries hat Kohlat den Wunsch nach "Veränderung" gemein. Anders als sie will er noch nicht über seine künftige Mannschaft sprechen.