TG Saar patzt und muss um Gold-Finale bangen

Turnen : Ein rabenschwarzer Abend für Wernjajew

Die Turner der TG Saar haben ihren Heimwettkampf gegen Wetzgau deutlich verloren und müssen um das große Gold-Finale bangen.

„Wir haben den ersten Matchball vergeben“, sagte Thorsten Michels, der Vorsitzende der TG Saar, nach der unerwarteten und deutlichen 30:44-Heimniederlage gegen den TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau am Samstag: „Jetzt gilt es, nächste Woche in Straubenhardt den Einzug ins große Finale klarzumachen“, ergänzte Michels, und ihm ist klar, dass ein Verpassen des großen Finals schon eine Riesenenttäuschung wäre.

Dabei waren die Voraussetzungen vor dem Wettkampf gegen Wetzgau nahezu optimal. Nach der überraschenden 23:35-Niederlage des bis dahin ebenfalls verlustpunktfreien Spitzenreiters KTV Straubenhardt beim SC Cottbus hätten die Saarländer es bei einem eigenem Sieg sogar in der Hand gehabt, gegen wen man im Finale antreten möchte.

Die Dillinger Kreisporthalle war fast komplett gefüllt, die Stimmung prächtig. Ein Transparent mit der Aufschrift „TG Saar – Ihr schafft das, ist doch klar“ sollte den Weg vorgeben. Den ersten Schritt machte Waldemar Eichhorn. Er ging als erster auf die Bodenmatte, zeigte keine Nerven, sondern eine starke Leistung, die gegen Wetzgaus Felix Pohl zwei Punkte fürs Mannschaftsergebnis einbrachte. Ein gelungener Start in den Abend.

„Es war ein Wettkampf, in dem ein hoher Druck aufgebaut wird – und von daher musste alles passen“, sagte Michels, der nach der bärenstarken Bodenübung von Nikita Nagornyy ein breites Lächeln im Gesicht hatte. Mit 9:4 ging der Boden an die TG Saar, die dann am Pferd den ersten Dämpfer hinnehmen musste. Oleg Wernjajew ging als letzter Saarländer ans Gerät, sollte eigentlich die Führung ausbauen. Doch einer der Topstars der TG Saar patzte gleich drei Mal, musste jeweils vom Gerät absteigen. Da halfen auch die aufmunternden „Let’s go, Oleg“-Rufe aus dem Publikum nichts. Fünf Punkte gab der Ukrainer ab – das Pferd endete 7:7.

Die Mienen der TG-Verantwortlichen hellten sich schnell wieder auf. Auch wegen der Weltklasse-Leistung von Nikita Nagornyy an den Ringen. Nach beeindruckenden Kraftteilen zu Beginn der Übung turnte der Russe auch die Schwungteile auf den Punkt und landete nach einem Doppelsalto mit Schraube sicher im Stand. Zur Pause lag die TG Saar mit 23:14 im Soll. „Wir haben eine starke erste Hälfte geturnt, wussten aber, dass wir am Sprung Probleme haben werden durch die Verletzungen von Felix Remuta und Lukas Dauser“, meinte Michels zu dem vom ihm vorhergesagten Turn-Krimi, der jetzt seinen Anfang nehmen sollte.

Der Zweite der Mehrkampf-Weltmeisterschaft, Artur Dalaloyan, brachte die Gäste mit seinem mit 14,75 Punkten benoteten Sprung erstmals in Führung. Es war die Höchstwertung an dem Gerät, das die TG Saar glatt mit 0:12 abgab. „Das war natürlich zu hoch, und dann haben wir unserem Paradegerät Barren total verkackt. Das hat Wetzgau in die Karten gespielt“, sagte Michels, dessen Sorgenfalten von Minute zu Minute, von Turner zu Turner tiefer wurden.

Als Wernjajew an seinem Paradegerät dann im Duell mit Dalaloyan sogar fünf Punkte abgeben musste, war der Abend gelaufen. Der Ukrainer konnte am Samstag nicht einen einzigen Zähler verbuchen, hatte einen rabenschwarzen Abend erwischt. 1:9 am Barren, 6:9 am Reck – so ging der Sieg und damit die vorzeitige Qualifikation fürs Gold-Finale dahin. Die TG Saar war am Samstag nicht in der Lage, das Blatt noch einmal zu wenden. Die Wetzgauer tanzten und können sich nun sogar wieder Hoffnung machen, selbst ins große Finale einzuziehen.

„Das Rechenspiel geht jetzt natürlich weiter. Aber wir brauchen in Straubenhardt drei Geräte, um dann eventuell sogar trotz Niederlage ins Finale einzuziehen“, blickte Michels voraus: „Wir müssen uns einfach noch mal richtig strecken.“ Sonst ist der Traum von Gold dahin.

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