TG Saar freut sich auf weltmeisterlichen Glanz beim Herbstauftakt

Turnen : Weltmeisterliche Auftritte in Dillingen

Die TG Saar startet in die Restsaison. Nationalturner Lukas Dauser will angreifen. Auch Dreifach-Weltmeister Nikita Nagornyy ist da.

Eine Millisekunde nicht aufgepasst, den Griff um den Holm einen Tick zu weit außen platziert – Abflug. Im Barren-Finale der Turn-Weltmeisterschaften von Stuttgart verlor Lukas Dauser am vergangenen Sonntag das Gleichgewicht und segelte vom Gerät. Beim Angst-Element „Makuts“ kippten die Beine über – wieder mal. 8000 Zuschauer hielten in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle den Atem an, doch der 26 Jahre alte Nationalturner bekam den kniffligen Handstand auf einem Holm nicht mehr geradegebogen. Statt WM-Gold gab es für den Besten der Qualifikation Rang acht – und viel Frust.

„Ich weiß genau, was ich hätte anders machen müssen. Warum habe ich es nicht getan? Ich bin bedient und sauer auf mich. Ich kann es besser“, grummelt Dauser noch Tage später und will es sich und den saarländischen Turn-Fans in der Kreissporthalle Dillingen beweisen. Im Auftakt-Duell der Herbstsaison in der Deutschen Turnliga (DTL) hat die TG Saar an diesem Samstag ab 18 Uhr die Siegerländer KV zu Gast.

Und neben dem WM-Pechvogel Dauser auch den WM-König im Aufgebot: Nikita Nagornyy. Mit Goldmedaillen im Mehrkampf, am Sprung und mit dem Team begeisterte der Russe das WM-Publikum und Vor-Ort-Zuschauer Thorsten Michels. „Gold am Boden hätte er auch noch gerne gehabt. Der Junge hat bei der WM von 20 Übungen nur diese eine nicht ganz optimal geturnt. Hammer – er ist eine Maschine“, schwärmt der TG-Saar-Boss von seinem besten Mann. Zwei weitere WM-Teilnehmer kämpfen für die TG-Riege um Turner-Trainer Eugen Spiridonov im vierten Bundesliga-Duell um Punkte und das Final-Ticket. Barren-Olympiasieger Oleg Wernjajew gewann im Mehrkampf Bronze. Felix Remuta war Ersatzmann im Turn-Team Deutschland, das auf Rang zwölf ein Olympia-Ticket für Tokio löste.

Reichlich Punkte zum Mannschaftsergebnis steuerte Lukas Dauser bei. Bitter: Seine Bestnote am Barren (15,033 Punkte) in der Qualifikation hätte im Finale zum Titel gereicht. Joe Fraser siegte hier mit 15,000 Punkten, und ganz zufällig turnt der Weltmeister beim Siegerländer KV. Das riecht nach einer schnellen Revanche. Übrigens: Joe Fraser bitte nicht verwechseln mit Joe Frazier, der einst Muhammad Ali in die Knie zwang.

Dauser ging nie K.o. und stand nach Rückschlägen immer wieder auf. „Der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann. Es zählt bloß, wie viele Schläge er einstecken kann und trotzdem weitermacht.“ Das Motto von Rocky Balboa unterstreicht Dauser voll. „Als Sportler musst du immer einmal mehr aufstehen, als du hinfällst, sonst kommst du nicht voran. Das Zitat passt gut zu meiner Geschichte“, sagt Dauser. Bruch des Mittelhandknochens Mitte Juni, Anriss des Innenbandes am Fuß vier Wochen vor der WM – all das stoppte ihn nicht. Der Sportsoldat trainierte hart für sein Comeback. Auf den letzten Drücker turnte er sich ins WM-Aufgebot zurück. „Die Teilnahme war schon ein riesiger Erfolg, der Einzug ins Barren-Finale unglaublich. Trotzdem hätte ich gerne besser abgeschnitten“, ärgert er sich über den Mini-Blackout zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Trauma „Makuts“ – bei der WM in Doha patzte er 2018 im Barren-Finale an gleicher Stelle. In Stuttgart passierte es nun wieder. Frust ja, Resig­nation nein. Er liege deshalb nicht am Boden, wolle an dem schweren Element arbeiten und aus den Fehlern lernen. „Ich werde gestärkt aus der Niederlage hervorgehen“, sagt Dauser: „Wenn die Enttäuschung etwas gewichen ist, werde ich realisieren, dass ich stolz sein kann. Das Leben geht weiter. Und ich werde zeigen, dass ich zu mehr fähig bin.“

An diesem Samstag bietet sich die Chance, denn ein Schongang wird gegen die Siegerländer KV nicht reichen. Das mit Barren-Weltmeister Fraser, Barren-Vizeweltmeister Ahmet Onder und Nationalturner Philipp Herder gespickte Gäste-Team kann den unbesiegten Tabellenzweiten TG Saar (6:0 Punkte) schlagen. „Wir müssen eine Top-Leistung abrufen, sonst wird es eng“, warnt Vereins-Chef Michels, den Tabellenfünften (2:4 Punkte) zu unterschätzen. „Der Gegner ist stark, aber wir wollen ins Titel-Finale. Und auf dem Weg dorthin müssen wir ihn besiegen“, sagt Dauser.

Der Russe Nikita Nagornyy, hier am Pauschenpferd in Aktion, war mit dreimal Gold der Superstar der Weltmeisterschaften von Stuttgart. Foto: dpa/Marijan Murat

Im Turnen straucheln Favoriten allerdings häufiger als anderswo. Ein Fehlgriff, schon ist es passiert. Dauser hat es gerade erlebt, erlitten. Deshalb müssen am Samstagabend alle Schrauben, Saltos und Handstände sitzen. Besonders am Barren, wo er ein Rendezvous mit einem gewissen „Makuts“ hat. „Ich werde meine Übung diesmal perfekt turnen. Ich kann es ja“, sagt Dauser und ist siegessicher: „Wir ziehen unser Ding zu Hause durch.“

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