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Tennis
„Muttertags-Massaker“ ist unvergessen

Tennis-Legende Billie Jean King hebt die Faust hoch. Die Wimbledon-Rekordsiegerin, Mitgründerin der WTA und Streiterin für Frauenrechte, wird am heutigen Donnerstag 75 Jahre alt.
Tennis-Legende Billie Jean King hebt die Faust hoch. Die Wimbledon-Rekordsiegerin, Mitgründerin der WTA und Streiterin für Frauenrechte, wird am heutigen Donnerstag 75 Jahre alt. FOTO: dpa / Peter Foley
New York. Die Tennis-Ikone und Wimbledon-Rekordsiegerin Billie Jean King wird an diesem Donnerstag 75 Jahre alt. sid

Damit sie auch wirklich niemand übersieht, trägt Billie Jean King gerne Blazer und Brillen in grellen Farben. Rot etwa, auch mal ein sattes Gelb oder ein knalliges Grün. Schließlich ist sie mit ihren 1,64 Metern nicht unbedingt die Längste, nicht nur in der Tennis-Geschichte aber unbestritten eine der Allergrößten. Am heutigen Donnerstag wird die Wimbledon-Rekordsiegerin und nimmermüde Streiterin für Frauenrechte 75 Jahre alt.


Gerne und oft erzählt Billie Jean King über ihren Vater. Bill Moffitt diente im Zweiten Weltkrieg in der US Navy und arbeitete später als Feuerwehrmann im kalifornischen Long Beach. Sein Kampfgeist, seine Durchsetzungskraft, sein Sinn für Gerechtigkeit haben die Tochter geprägt. Die Familie war sportbegeistert: Bill spielte Basketball, Mutter Betty war eine exzellente Schwimmerin, und Bruder Randy machte sich in der Major League Baseball als Pitcher der San Francisco Giants, Houston Astros und Toronto Blue Jays einen Namen.

Billie Jean spielte Tennis, sie spielte unglaublich schnell und aggressiv, und schon bald wollten viele gleichaltrige Mädchen nicht mehr gegen sie antreten. Aufhalten konnte sie niemand. Billie Jean King holte im Einzel, Doppel und Mixed unter anderem insgesamt 20 Titel in Wimbledon, was bis heute niemand außer ihr schaffte, sie gewann 129 Turniere und sieben Mal mit dem US-Team den Federation Cup.



1965 heiratete Billie Jean den ein Jahr jüngeren Larry King. Mit ihm entwickelte sie die Idee zur Gründung einer Tennistour für Frauen, die sie zusammen mit acht Mitstreiterinnen 1970 als Women’s Tennis Association (WTA) aus der Taufe hob. 1987 wurde die Ehe geschieden, zu dem Zeitpunkt hatte Billie Jean ihre Bisexualität längst öffentlich gemacht. Seit fast 40 Jahren ist die Frau mit der gewichtigen Stimme eine Ikone der Lesben- und Schwulenbewegung in den USA.

Wer an Billie Jean King denkt, kommt am „Muttertags-Massaker“ von 1973 nicht vorbei. Damals hatte ihre gute Freundin Margaret Court einen Schaukampf gegen den dreimaligen Wimbledonsieger Bobby Riggs verloren. Der als Chauvinist verrufene Riggs war der Meinung, dass Frauen in die Küche gehören, auf keinen Fall in den großen Sport – ein gefundenes Fressen für Billie Jean King. Im „Battle of the Sexes“ im September 1973 vor 30 472 Zuschauern im Astrodome von Houston wurden bewusst alle Klischees bedient. Billie Jean ließ sich von halbnackten Männern in einer ägyptischen Sänfte auf den Platz tragen und jagte dann ganz unsanft den 26 Jahre älteren Riggs mit 6:4, 6:3, 6:3 aus der Halle. Für die engagierte Frauenrechtlerin eine ideale Plattform, um ihren unermüdlichen Streit für Gleichberechtigung in eine breite Öffentlichkeit zu tragen.

Nach wie vor ist die Vereinigung „ihrer“ WTA mit der Spielervereinigung ATP das Lebensziel von Billie Jean King, doch ein bisschen hat sie die Hoffnung mittlerweile aufgegeben. „Vielleicht“, sagte sie kürzlich der New York Times, „werde ich das nicht mehr erleben. Aber irgendwann werden alle merken, dass es das Beste ist.“

Es ist anzunehmen, dass auch US-Superstar Serena Williams zum 75. Geburtstag gratulieren wird, denn sie profitierte in den zurückliegenden Jahren am meisten vom Kampf der Billie Jean King. Deren Initiative ist es nämlich zu verdanken, dass die Frauen mittlerweile bei den Grand-Slam-Turnieren um das gleiche Preisgeld spielen wie die Männer. Und bei knapp 90 Millionen Dollar, die Serena Williams bislang allein an Preisgeld eingesammelt hat, dürfte ja wohl ein Blumenstrauß drin sein.