Tatsächlich schon 50

Kaiserslautern. Eigentlich gehört es ja zum guten Ton bei Geburtstagen, möglichst wenig auf das Alter des Jubilars anzuspielen. Und dennoch ist es bei Stefan Kuntz eine Erwähnung wert, dass der Mann heute schon 50 wird. Schließlich wirkt es so, als sei es höchstens vorvorgestern gewesen, dass Kuntz noch Fußball gespielt hat - und damit ist nicht sein Gastspiel bei Palatia Limbach gemeint

Kaiserslautern. Eigentlich gehört es ja zum guten Ton bei Geburtstagen, möglichst wenig auf das Alter des Jubilars anzuspielen. Und dennoch ist es bei Stefan Kuntz eine Erwähnung wert, dass der Mann heute schon 50 wird. Schließlich wirkt es so, als sei es höchstens vorvorgestern gewesen, dass Kuntz noch Fußball gespielt hat - und damit ist nicht sein Gastspiel bei Palatia Limbach gemeint. Als 18-Jähriger hat er sein erstes Profi-Spiel für Borussia Neunkirchen bestritten. Den Verein, für den schon sein Vater Günter in der Bundesliga gespielt hatte. Doch so sehr Neunkirchen Heimat für ihn war, so wenig konnte ihm der Verein einen ausreichenden Rahmen für sein Talent bieten. 1983 wechselte er zum VfL Bochum - drei Jahre später war er erstmals Bundesliga-Torschützenkönig. Diese unbändige Wucht, gepaart mit diesem Torriecher und diesem ganz besonderen linken Fuß - Kuntz hatte wie wenige andere Spieler ein besonderes Gefühl für Zeit und Raum.Es sollte erst der Anfang gewesen sein. 1989 fand er beim 1. FC Kaiserslautern seine sportliche Heimat. Kuntz wurde Kapitän, 1990 DFB-Pokalsieger, 1991 Meister und Fußballer des Jahres. Sein größter Moment sollte aber noch kommen. 1996 - Kuntz hatte gerade eine durchwachsene Saison bei Besiktas Istanbul gespielt - nominierte Bundestrainer Berti Vogts ihn für die Europameisterschaft in England. Kuntz traf im Halbfinale gegen England zum Ausgleich, rettete die Mannschaft so in die Verlängerung, und nach dem Finalsieg gegen Tschechien war er mit 34 Jahren Europameister. Und der erfolgreichste saarländische Fußballer. Bisher jedenfalls.

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere in Bochum versuchte er sich als Trainer in Neunkirchen, Karlsruhe, Mannheim und Ahlen, fremdelte aber immer mit diesem Job. Manager - das Berufsbild gefiel ihm mehr, und als 2008 wieder die sportliche Heimat rief, wurde Kuntz Vorstandsvorsitzender beim FCK. Er erlebte die dunkelste Stunde, als der Abstieg aus der 2. Liga drohte, feierte den Aufstieg in die 1. Liga und musste auch den erneuten Abstieg in der vergangenen Saison erleben. Auch das hat ihn geprägt. Einen, der zu den ganz großen Fußballern zählt, aber auch einer, der seiner Heimat verbunden blieb. So wie im Sommer, als der Posten des DFB-Sportdirektors winkte. Kuntz sagte ab. Seine Aufgabe beim FCK ist noch nicht beendet. Zuerst soll es wieder zurück in die 1. Fußball-Bundesliga gehen, und dann ist da auch noch die finanzielle Gesundung des Vereins. Genug zu tun also für Stefan Kuntz. Aber schließlich ist der Mann ja erst 50. jbö

Foto: Lübke/dpa