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SV Elversberg
SVE verkauft sich teuer gegen die Wölfe

Sinan Tekerci, Patryk Dragon und Kevin Koffi (von links) bedanken sich beim Publikum in Elversberg für die Unterstützung.
Sinan Tekerci, Patryk Dragon und Kevin Koffi (von links) bedanken sich beim Publikum in Elversberg für die Unterstützung. FOTO: Andreas Schlichter
Elversberg. Regionalliga-Schlusslicht Elversberg scheidet im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg erst nach einem späten Tor mit 0:1 aus. Von Heiko Lehmann

Niedergeschlagen und enttäuscht lagen die Spieler der SV Elversberg am Samstag auf dem Rasen im Stadion an der Kaiserlinde. Torhüter Frank Lehmann, der nach überstandener Knieverletzung erstmals in dieser Saison zum Einsatz kam, kniete im Strafraum und hielt sich die Hände vors Gesicht. „Das Gefühl ist das gleiche wie bei allen Pflichtspielen in dieser Saison. Wir machen einfach das Tor nicht. Normalerweise müssten wir heute nur das Positive mitnehmen, aber das fällt schwer“, sagte Lehmann, der vom DFB zum Spieler des Spiels gewählt wurde.


Die SV Elversberg hat in der ersten Runde des DFB-Pokals mit 0:1 gegen den Bundesligisten VfL Wolfsburg verloren. Dabei erinnerte vieles an die Liga-Niederlagen der vergangenen Wochen. 70. Minute: Manuel Feil zieht im Wolfsburger Strafraum aus zehn Metern ab, Torhüter Koen Casteels hält mit einem starken Reflex mit einer Hand. 72. Minute: Sinan Tekerci schießt aus 16 Metern nur 50 Zentimeter über das VfL-Tor. 73. Minute: Kevin Lahn lässt auf der linken Seite Kevin Knoche aussteigen und legt der Ball an Casteels vorbei. In der Mitte ist Tekerci nur einen Schritt langsamer als sein Gegenspieler. 74. Minute: Feil legt den Ball am Fünfmeterraum der Wolfsburger quer zu Lahn, der nur einzudrücken braucht, doch der Ball wird von einem VfL-Bein abgefälscht. „Ich hatte heute genauso viel zu tun wie beim 3:1-Sieg gegen den SSC Neapel“, sagte Wolfsburgs Torhüter Casteels.

SVE-Außenverteidiger Lukas Kohler war mit 83 Prozent gewonnener Zweikämpfe der Stärkste auf dem Platz. Manuel Feil gab die meisten Torschüsse (4) ab. Aber am Schluss jubelte der Gegner. „Es ist einfach enttäuschend. Wir müssen endlich das Tor schießen, um ein anderes Gefühl nach dem Spiel zu bekommen. Wir machen bis vor das Tor fast alles richtig“, sagte Kohler, der die SVE als Kapitän auf den Platz führte, da Leandro Grech wegen der Kopfballstärke der Wolfsburger auf die Bank musste. Da es im DFB-Pokal die zu erfüllende U23-Regelung nicht gibt, konnte Seitz alle „Alten“ in den Kader holen. Und so sah die SVE-Bank mit Grech, Kevin Koffi, Alban Meha und Gaetan Krebs (alle zusammen 133 Jahre alt) ein bisschen so aus wie die Warteliste eines fußballerischen Seniorenheimes.



Zurück auf den Rasen. Die Wolfsburger hatten mit 73 Prozent deutlich mehr Ballbesitz, was aber zum größten Teil ein Hin-und-Her-Geschiebe an der Mittellinie war. Die SVE stand gut und tief, die Wolfsburger fanden kein Mittel. Die torlose erste Halbzeit verlief daher, was die Torchancen angeht, ausgeglichen. Frank Lehmann konnte sich gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit mit starken Paraden auszeichnen – da hatte der VfL Wolfsburg seine 15-minütige Drangphase, doch stets war Lehmann zur Stelle. „Wir müssen in unserer Drangphase das Tor machen. Ich bin so genervt, das glaubt man kaum. Wir machen einfach dieses Tor nicht“, sagte Trainer Seitz.

Dann kam die 76. Minute: Die Elversberger versuchten, eine Drucksituation in der eigenen Hälfte spielerisch zu lösen. Lahn versuchte einen Pass durchs Zentrum, traf aber das Schienbein von Luca Dürholtz. Der Ball prallte zu Wolfsburg-Kapitän Joshua Guilavogui – Pass nach außen, Flanke Josip Brekalo, Kopfballtor Daniel Ginczek. Ein Fehler – und schon war das Pokal-Aus der SVE besiegelt. „Wir können heilfroh sein, dass wir hier heute gewonnen haben“, sagte Torschütze Ginczek: „Das war ein typisches Pokalspiel, und wir hatten Glück. Man muss aber auch sagen, dass der Rasen zu hoch und viel zu stumpf war. Man konnte kaum richtig passen.“

Als es in die letzten Minuten ging und die SVE noch einmal alles versuchte, packte der Bundesligist gegen die Regionalligisten die hohe Kunst des Zeitspiels aus. Admir Mehmedi scheiterte aber bei seinem Tanz mit der Eckfahne kläglich, und Maximilian Arnold holte sich bei einem Zeitlupen-Spaziergang zu einem Eckball die Gelbe Karte ab. „Das war unser erstes Spiel unter Wettkampfbedingungen. Da gehört alles dazu, und am Ende zählt hier nur das Ergebnis“, sagte Arnold. Etwa 600 der 5321 Zuschauer waren aus Wolfsburg und feierten ihr Team. Auch die SVE-Fans schienen sich mit den Spielern nach dem engagierten Auftritt wieder vertragen zu haben – es gab Jubelrufe und großen Applaus.

Auch Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia lobte die Saarländer. „Wir sind heilfroh, dass wir das positiv überstanden haben. Wir hatten eine schwere jüngste Vergangenheit, für uns zählt nur das positive Ergebnis. Die SV Elversberg ist sehr stark, und ich bin mir sicher, dass sich die SVE in der Liga noch nach vorne kämpfen wird“, sagte der VfL-Trainer, der beim Start der Fußball-Bundesliga am kommenden Samstag, 15.30 Uhr, den Vizemeister FC Schalke 04 zu Gast hat. Die SVE empfängt am Mittwoch, 19 Uhr, Astoria Walldorf zum Nachholspiel – und braucht Tore. Dringender denn je.

Keine Diskussionen bitte: Schiedsrichter Lasse Koslowski weist die SVE-Spieler Manuel Feil, Lukas Kohler und Patryk Dragon zurecht.
Keine Diskussionen bitte: Schiedsrichter Lasse Koslowski weist die SVE-Spieler Manuel Feil, Lukas Kohler und Patryk Dragon zurecht. FOTO: Andreas Schlichter
Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia (Mitte) wusste, bei wem er sich bedanken musste: Er freut sich mit Torschütze Daniel Ginczek (vorne).
Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia (Mitte) wusste, bei wem er sich bedanken musste: Er freut sich mit Torschütze Daniel Ginczek (vorne). FOTO: dpa / Arne Dedert
SVE-Co-Trainer Rudi Thömmes und Cheftrainer Roland Seitz durften trotz des Ausscheidens mit ihrer Mannschaft zufrieden sein.
SVE-Co-Trainer Rudi Thömmes und Cheftrainer Roland Seitz durften trotz des Ausscheidens mit ihrer Mannschaft zufrieden sein. FOTO: Andreas Schlichter