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SV Elversberg verpasst einen glanzvollen Abschied für Kapitän Grech

Fußball : Die romantische Geschichte um Kapitän Grech erfüllt sich nicht

Die SV Elversberg verpasst das „i-Tüpfelchen auf eine großartige Rückrunde“. Und der Spielführer verabschiedet sich ganz emotional aus dem Saarland.

Es läuft die vierte Minute der Nachspielzeit im Finale des Fußball-Saarlandpokals zwischen der SV Elversberg und dem 1. FC Saarbrücken. Die SVE liegt 1:2 zurück und wirft noch einmal alles nach vorne. Kapitän Leandro Grech köpft nach einem langen Ball und trifft – aber nur die Querlatte.

„Wenn sich das Ding noch reinsenkt, es wäre die Krönung gewesen“, sagte Elversbergs Trainer Horst Steffen über die letzte Chance seines Kapitäns – nicht nur in diesem Spiel, sondern in dessen Fußball-Karriere. Grech beendet mit 38 Jahren seine sportliche Laufbahn und geht in seine argentinische Heimat zurück. „Nachdem es die ganze Saison kein Unentschieden gab, hatte ich heute mit Verlängerung gerechnet“, erzählte Steffen: „Ich hatte es mir so ausgemalt, dass Leo der fünfte Elfmeterschütze gewesen wäre. Aber es ist leider nicht so gekommen.“

Die SVE hatte die erste Offensiv­aktion in einem intensiv geführten Finale. Eine Flanke von Nils Winter köpfte Sinan Tekerci allerdings weit am Saarbrücker Gehäuse vorbei. Da waren fünf Minuten gespielt. Der FCS störte früh und aggressiv, ließ die Elversberger so nicht in den erhofften Rhythmus kommen. „Ich hätte gerne ein bisschen mehr Fußball gesehen. Es waren viele lange Bälle, viele Zweikämpfe, viele Fouls“, sagte Steffen: „Jede Mannschaft hat gefightet, und Saarbrücken ist das besser gelungen. Wir haben nicht auf allen Positionen die Leistung gebracht, die man an einem solchen Tag haben muss.“

Das 0:1 (10.) fiel nach einem Eckball, den Torschützen Manuel Zeitz hatten die Elversberger mutterseelenallein stehen lassen. Und auch beim spielentscheidenden 1:2 (39.) machten die Gastgeber den entscheidenden Fehler. Drei Stationen nach dem Ballverlust im Spielaufbau lag die Kugel im Netz. Den zwischenzeitlichen Ausgleich markierte Israel Suero, der bei seinem Freistoß aus 18 Metern FCS-Torwart Ricco Cymer schlecht aussehen ließ. Sueros Schuss war zwar platziert, ging aber ins Torwarteck. Cymer hatte spekuliert und sich zu weit zur Mitte des Tores bewegt.

Nach dem Wechsel war die SVE um den Ausgleich bemüht. Benno Mohr, der für den kurzfristig verletzt ausgefallenen Manuel Feil spielte, setzte sich über rechts durch, legte sich im entscheidenden Moment den Ball aber zu weit vor (49.). Suero wurde auf dem Weg zum 2:2 noch von Zeitz abgelaufen (56.). Es blieb beim Bemühen, selbst in Überzahl nach der Gelb-Roten Karte für Marco Kehl-Gomez konnte sich die SVE vor dem Tor nie wirklich gefährlich in Szene setzen. Stürmer Kevin Koffi blieb vollkommen blass.

Einzig in der Nachspielzeit gab es noch einmal die Chance von Grech. Er machte zum Abschluss ein gutes Spiel, organisierte die Abwehr, führte viele wichtige Zweikämpfe und war oft an der Spieleröffnung beteiligt. Vor der Partie hatten die SVE-Anhänger ein meterhohes Bild des Argentiniers über den Block gespannt. „Es war schwer, heute Fußball zu spielen. Es waren so viele Emotionen in mir“, sagte Grech.

Ehemalige Trainer wie Ralph Hasenhüttl, Mitspieler wie Maximilian Oesterhelweg und Freunde wie Bayern-Star Rafinha hatten in einem Video, das mittlerweile auch im Internet zu sehen ist, vom Weggefährten Grech Abschied genommen. „Meine Frau hat diese Überraschung organisiert. Es ist schön, wenn so viele Menschen eine so gute Meinung über mich haben. Ich war nur am Weinen. Das war Gänsehaut pur“, sagte der Routinier: „Ich habe versucht, das Finale zu genießen.“

Es hätte eine dieser romantischen Fußball-Geschichten sein können, die dieses Spiel ausmachen. „Die Enttäuschung ist groß, wir hatten richtig Bock, das i-Tüpfelchen auf eine großartige Rückrunde zu setzen, aber das ist uns leider nicht gelungen“, sagte Trainer Steffen: „Ich werde das Bild der feiernden Saarbrücker im Kopf behalten, um einen neuen Anlauf zu nehmen.“ Dann aber ohne Grech. „Titel, Pokale und Medaillen sind schön, aber sie wandern in Vitrinen und verstauben dort“, sagte Grech zum Abschied: „Beziehungen und Freundschaften bleiben für immer.“