| 21:19 Uhr

DFB-Pokal
Die SVE hat nichts zu verlieren

Trainer Roland Seitz sucht noch den richtigen Zugang zu seiner Mannschaft, die bisher enttäuschende Ergebnisse eingefahren hat.
Trainer Roland Seitz sucht noch den richtigen Zugang zu seiner Mannschaft, die bisher enttäuschende Ergebnisse eingefahren hat. FOTO: Andreas Schlichter
Elversberg. Regionalliga-Schlusslicht Elversberg empfängt Bundesligist VfL Wolfsburg in der ersten Runde des DFB-Pokals. Von Heiko Lehmann

5500 Zuschauer erwartet die SV Elversberg an diesem Samstag, 15.30 Uhr, in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Bundesligisten VfL Wolfsburg. Es wäre die zweitgrößte DFB-Pokalkulisse in der Geschichte der SVE – und die größte im eigenen Stadion. Bisheriger Rekord waren 7500 Zuschauer in der zweite Pokalrunde 1981 gegen Borussia Dortmund. Mit 4:1 für die Borussen endete die Partie damals im Saarbrücker Ludwigsparkstadion.


Acht Mal spielte die SVE bereits im DFB-Pokal. Eine richtige Klatsche gab es noch nie. Im Gegenteil: Im Jahr 2010 warf die SVE unter Trainer Günter Erhardt Hannover 96 mit 5:4 nach Elfmeterschießen aus dem Pokal. In der zweiten Runde unterlag die SVE dem SC Freiburg mit 0:3. Vor drei Jahren hatte die SVE unter Trainer Michael Wiesinger in der ersten Runde den FC Augsburg am Rande einer Niederlage. Am Ende verlor die SVE aber mit 1:3 nach Verlängerung.

Und was ist in diesem Jahr für die Elversberger drin? Nach einem katastrophalen Saisonstart mit nur einem Punkt aus vier Spielen geht das Selbstvertrauen der Spieler gegen minus unendlich. Der VfL Wolfsburg befindet sich am Ende der Vorbereitung auf die neue Bundesligasaison bereits in starker Form und hat am vergangenen Wochenende Champions-League-Teilnehmer SSC Neapel mit 3:1 geschlagen. „Für die Köpfe kommt das Spiel zu einem guten Zeitpunkt. Wir haben am Samstag nichts zu verlieren und können befreit aufspielen. Es ist ein anderer Druck als in der Liga“, sagt Roland Seitz, der sich mit dem Pokalspiel erst seit Mittwoch beschäftigt. „Vorher war das gar nicht möglich. Die 0:1-Niederlage gegen den VfB Stuttgart II saß so tief, die mussten wir zuerst einmal verarbeiten“, erklärt Seitz.



Der VfL Wolfsburg demonstrierte in der Liga und in den bisherigen Freundschaftsspielen ein fast perfekt einstudiertes Umschaltspiel. Doch an der Kaiserlinde in Elversberg müssen die Wölfe das Spiel machen – und genau da sieht Seitz eine Chance. „Normalerweise sind die Wolfsburger Spieler so stark, dass sie natürlich auch ein Spiel machen können. Aber vielleicht fällt es ihnen schwer, und wir können davon profitieren. Wir haben auch die Spieler für ein gutes Umschaltspiel“, sagt Seitz.

Nicht mit dabei sein werden Benno Mohr (Knie), Alexandar Stevanovic (Knie), Muhamed Alawie (Rücken) und Marco Kofler (Muskelfaserriss). Auch die Wolfsburger haben personell ein paar Problemchen – beziehungsweise Babyalarm. Yunus Malli, Wout Weghorst und Renato Steffen sollen am Samstag Papa werden und werden die Reise ins Saarland wohl nicht mit antreten. Trotzdem wird der VfL Wolfsburg der haushohe Favorit sein. Auch wegen der Standards. Die SVE kassiert zwei Drittel aller Gegentore nach Ecken und Freistößen und hat mit Oliver Stang (1,94 Meter) nur einen Spieler, der über 1,90 Meter groß ist. Die Wolfsburger rücken in der Regel mit fünf Spielern über 1,90 Meter in den SVE-Strafraum. „Das wird ein Problem, das wissen wir. Wir müssen die Standards so gut es geht vermeiden“, sagt Seitz, der trotz der Außenseiterrolle sehr wohl weiß, wie es sich anfühlt, einen Favoriten zu stürzen. Als Trainer von Eintracht Trier warf Seitz den FC St. Pauli aus dem Pokal. „Es wird auch nach diesem Wochenende so sein, dass drei, vier Bundesligisten ausgerutscht sind. Das werden wir am Montag sehen. Vielleicht ist der VfL Wolfsburg ja auch dabei“, sagt Seitz.