Sturm der Entrüstung - doch Lahm bleibt Kapitän

Düsseldorf. Bayern Münchens Kapitän Philipp Lahm (Foto: afp) hat mit seinem Buch "Der feine Unterschied" einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Er muss bei Bundestrainer Joachim Löw und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Rapport antreten. Der 26-Jährige bleibt aber Kapitän der Nationalelf. "Philipp hat Grenzen überschritten

Düsseldorf. Bayern Münchens Kapitän Philipp Lahm (Foto: afp) hat mit seinem Buch "Der feine Unterschied" einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Er muss bei Bundestrainer Joachim Löw und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Rapport antreten. Der 26-Jährige bleibt aber Kapitän der Nationalelf. "Philipp hat Grenzen überschritten. Es war aber nach Bewertung des gesamten Buchs kein Thema, ihn abzusetzen", sagt Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. Vor dem Länderspiel gegen Österreich am 2. September gebe es ein Gespräch. "Unsere Nationalspieler müssen sich ihrer besonderen Verantwortung in der Öffentlichkeit bewusst sein. Dazu gehört der Respekt vor Persönlichkeiten des Fußballs", erklärt DFB-Präsident Theo Zwanziger.1987 war für Toni Schumacher nach seinem Buch "Anpfiff" die Länderspiel-Karriere vorbei. Lothar Matthäus musste 1997 nach seinem "Geheimen Tagebuch" beim FC Bayern die Kapitänsbinde abgeben. Die Münchner äußern sich nicht zu Lahms Buch. Der bemüht sich um Schadensbegrenzung. Er habe Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und andere nicht beleidigen wollen. Er habe seine Meinung über die Arbeit unter unterschiedlichen Trainern und zu verschiedenen Zeiten schildern wollen. "Dies erscheint mir verkürzt und überzogen rübergekommen zu sein. Das tut mir leid. Für Missverständnisse, die auf die Weise entstanden sind, entschuldige ich mich bei allen Beteiligten", sagt Lahm.

Doch es hagelt Kritik. Bei Bayer Leverkusen ärgert man sich über Attacken gegen Ex-DFB-Teamchef und Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. Es gehe nicht, "dass er mit Klinsmann und Völler zwei Leute angeht, die ihr Leben für die Nationalelf gegeben und sich als Menschen in der Glitzerwelt des Fußballs vorbildlich verhalten haben", sagt Trainer Robin Dutt. Und die Preisgabe von Mannschafts-Interna "ist ein Tabu. Man kann nur froh sein, dass man nicht Team-Mitglied von Lahm ist, weil man nicht weiß, was in den nächsten fünf Jahren veröffentlicht wird".

Im Fall von Ex-Bayern-Trainer Felix Magath verurteilt Lahm dessen veraltete Methoden. Magath, nun Trainer des VfL Wolfsburg, sagt: "So wird man keine Persönlichkeit. Aber soll ich mir graue Haare wachsen lassen, wenn jemand, dem ich zum Bundesliga-Spieler verholfen habe, und der im bezahlten Fußball zuvor noch keine Rolle gespielt hat, eine Meinung vertritt?" Fredi Bobic, Sportdirektor des VfB Stuttgart, erklärt: "Als Kollege würde ich ihm nichts mehr sagen. Und die von ihm kritisierten Trainer Völler, Klinsmann und Magath waren alle Förderer von Lahm."

Lahm kritisiert in seinem am Montag erscheinenden Buch Training und Abläufe bei der Nationalelf 2004, nennt die Europameisterschafts-Mannschaft 2008 einen zerrütteten Haufen, stuft die Arbeit Völlers als DFB-Teamchef und die Klinsmanns als Bayern-Trainer herab. dapd/dpa

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