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Stühlerücken beim FC Homburg

Stühlerücken beim FC Homburg

Homburg. Eine seit Mitte Februar offene Frage ist beim Fußball-Oberligisten FC Homburg seit vergangenem Mittwoch geklärt. Mit dem vereinslosen Alfred Kaminski, der sich am vergangenen Wochenende noch bei Regionalligist Preußen Münster als Trainerkandidat ins Spiel gebracht hatte, steht der neue Trainer für die kommende Saison fest. Der Ex-Trainer des 1

Homburg. Eine seit Mitte Februar offene Frage ist beim Fußball-Oberligisten FC Homburg seit vergangenem Mittwoch geklärt. Mit dem vereinslosen Alfred Kaminski, der sich am vergangenen Wochenende noch bei Regionalligist Preußen Münster als Trainerkandidat ins Spiel gebracht hatte, steht der neue Trainer für die kommende Saison fest. Der Ex-Trainer des 1. FC Saarbrücken wird Nachfolger von Jens Kiefer, der in den Trainerstab des Regionalligisten SV Elversberg wechselt. Darüber hinaus ist Kaminski ab sofort Sportdirektor, ehe er ab nächster Saison beide Ämter in Personalunion ausübt. Der 46-Jährige soll einen zwei Jahres-Vertrag erhalten.

Eine Frage ist beantwortet. Gleichzeitig bleiben viele Fragen offen. Warum tritt der Vorsitzende Herbert Eder nach elf Jahren an der Spitze des FC Homburg zurück? "Meine Entscheidung hat nichts mit der Verpflichtung von Herrn Kaminski zu tun. Das Land braucht neue Männer", erklärte Eder nüchtern.

Nach SZ-Informationen wollte Eder jedoch sofort zurücktreten und musste zum Weitermachen überredet werden. Die Trainerfrage hat dabei offenbar eine entscheidende Rolle gespielt: Uwe Hartenberger, bis Ende 2009 Trainer beim Ligakonkurrenten SV Waldalgesheim, galt als Favorit des FCH-Vorstandes. Es schien denn auch schon alles klar zu sein. Hartenberger bestätigte gestern gegenüber der Allgemeinen Zeitung Bingen, was die Saarbrücker Zeitung bereits am 16. März gemeldet hatte: "Vorsitzender Herbert Eder, den ich als sehr korrekten Mann kennen gelernt habe, hatte mir gegenüber schon zugesagt." Warum es dann doch nicht zum Engagement Hartenbergers beim FCH kam?

Nach SZ-Informationen wurde die Verpflichtung durch Teile des Aufsichtsrates gekippt. Es soll gedroht worden sein, dass ein Sponsor den Geldhahn zudreht. Aus gleicher Ecke soll Wunschkandidat Kaminski installiert worden sein.

Wer Eders Nachfolge antritt, darum kümmere sich der Club nach dem letzten Spieltag, erklärte gestern Aufsichtsrat Peter Müller. Ihm wird bei der Verpflichtung Kaminskis die Hauptrolle zugeordnet. In diesem Jahr steht turnusmäßig eine Generalversammlung an, bei der der Aufsichtsrat gewählt wird. Der beruft den Vorstand. Fraglich ist, ob der zweite Vorsitzende Rafael Kowollik sein Amt über die Saison hinaus ausüben will. Er sagte: "Ich werde mir anschauen, wie der Vorstand neu besetzt wird. Die Tendenz geht aber dahin, dass ich aufhöre. Denn es sind einige Dinge so gelaufen, wie es hätte nicht sein sollen."

Und wie reagierte die Mannschaft darauf, dass der Wunschtrainer des Vorstandes vom Aufsichtsrat gekippt wurde und der Vorsitzende zurücktritt? "Ich möchte mich zu den Vorkommnissen im Verein nicht äußern", erklärte FCH-Kapitän Rouven Weber auf Anfrage der SZ. Sein Mannschaftskollege Michael Petri sagte: "Die Mannschaft war aufgrund des Rücktritts von Herbert Eder schon geschockt. Er leistet hier hervorragende Arbeit." Trainer Kiefer erklärte: "Die Mannschaft hatte großes Vertrauen in Herrn Eder. Sie wird in erster Linie jetzt für den Verein und für ihn spielen."

"Die Mannschaft war aufgrund des Rücktritts von Herbert Eder schon geschockt."

Michael Petri, Stürmer des FC Homburg

Meinung

Zwischen Macht und Scherben

Von SZ-Redakteur

Marcus Kalmes

Verein, Mannschaft und Fans müssten als Gemeinschaft auftreten, um erfolgreich zu sein. Das sagte Alfred Kaminski bei seiner Vorstellung als starker Mann beim FC Homburg.

Dabei spaltet sein Name den Club. Er steht für einen Machtkampf. Über Kaminski heißt es, dass er seit geraumer Zeit aus dem Umfeld des Ex-Präsidenten Hartmut Ostermann beim FCH installiert werden soll. Das stempelt ihn unweigerlich zur Marionette ab. Sein Fürsprecher ist FCH-Aufsichtsrat Peter Müller, der für Ostermann arbeitet. Er hat nun seinen Wunschkandidaten durchgeboxt. Auf Kosten eines zerstrittenen Clubs.

Der Vorsitzende Herbert Eder hat in elf Amtsjahren den FCH in ruhiges Fahrwasser gebracht - der sportliche Erfolg sei dahingestellt. Er suchte nun eineinhalb Monate einen Nachfolger für Trainer Jens Kiefer - und hatte in Uwe Hartenberger einen gefunden. Doch an Kaminski hing offenbar, in Verbindung mit Müller, die Zusage eines Sponsors. Geld wurde als Mittel der Macht genutzt. Eder musste seinen Wunschkandidaten fallen lassen - und hatte den Machtkampf verloren.

Kaminskis Amtsantritt versetzt den Club in stürmische Gewässer. Der Scherbenhaufen, der entstanden ist, hätte vermieden werden können - wenn statt Macht tatsächlich Gemeinsamkeit im Vordergrund gestanden hätte.