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„Storcks Riesen“ sind plötzlich in

„Storcks Riesen“ sind plötzlich in

Der deutsche Trainer Bernd Storck und Assistent Andreas Möller haben den Fußball in Ungarn zu neuem Leben erweckt. Plötzlich sind nicht mehr Messi oder Ronaldo die Vorbilder, sondern die eigene Truppe.

Messi? Ronaldo ? In Ungarn interessieren die Superstars der Szene offenbar niemanden mehr so richtig. Zwar ist Cristiano Ronaldo heute allgegenwärtig, wenn die Magyaren ihn zum letzten EM-Gruppenspiel herausfordern werden. Ein Vorbild ist er aber nicht mehr. "Die Kinder daheim wollen sein wie Király, Dzsudzsák oder Szalai", sagte Ungarns Abwehrspieler Mihály Korhut.

Das von Cheftrainer Bernd Storck sowie seinen Assistenten Andreas Möller und Holger Gehrke angeleitete Sommermärchen hat im Land der früheren Fußball-Großmacht merklich etwas verändert. "Storcks Riesen" sind plötzlich in - und sie wollen nach dem Sieg gegen Österreich (2:0) und dem hart erkämpften Unentschieden gegen Island (1:1) auch zum Abschluss der Vorrunde heute Abend (18 Uhr/ZDF) im Stade de Lyon gegen die scheinbar übermächtigen Portugiesen etwas reißen.

"Wir werden definitiv auf Sieg spielen", kündigte Abwehrspieler Korhut für das Duell an. Wirklich zu verlieren haben sie ja ohnehin nichts, Platz drei in der völlig offenen Gruppe F ist sicher. Der erstmalige Einzug in die K.o.-Runde der EM seit 44 Jahren dank größter Aufopferung ganz nah.

"Es fühlt sich alles so gut an", titelte angesichts der berauschenden Leistungen die Zeitung Heti Valasz: "Die Ungarn haben ein Fußballfieber entfacht." Und in der Tat: Auch dank der Nationalmannschaft werden auf den Internetseiten der großen Zeitungen mittlerweile mit Bildern Transfers wie etwa der von Torhüter Balázs Megyeri (26) zum Zweitligisten Greuther Fürth vermeldet.

"Unser Erfolg ist für Fans und Land etwas Großartiges", sagte Bundesliga-Stürmer Ádám Szalai, der in seiner Heimat nicht erst seit den Auftritten bei der EM ein Star ist und die Vorstellungen in Frankreich mit einfachsten Mitteln begründete. "Wir sind nicht Deutschland oder Spanien, aber unser Herz und Kampf sind auf jeden Fall großartig", sagte Szalai.

Um für die Partie gegen Portugal wieder im Vollbesitz der Kräfte zu sein, gönnte Storck seinen Spielern am Sonntag eine kleine Verschnaufpause. Beim Familientag durften Szalai und die anderen ein bisschen abschalten - davor wurde aber natürlich trainiert. "Wir sind nicht als Touristen da. Urlaub können die Spieler auch danach machen", sagte Storck, der die bisher verbuchten Punkte als Genugtuung ansah.

Dabei stellte sich vor der EM durchaus die Frage, ob die Mannschaft überhaupt konkurrenzfähig ist auf diesem Niveau. Storck selbst erinnerte an die fehlende Erfahrung. "Die Nationalmannschaft war zuletzt vor 30 Jahren bei der WM in Mexiko bei einem großen Turnier dabei. Die Clubs spielen international fast keine Rolle. Die schaffen es meist nicht einmal in die Gruppenphase der Europa League, von der Champions League ganz zu schweigen. Österreich hat 15 Spieler im Kader, die in Deutschland spielen. Wir gerade einmal vier", hatte Storck vor der EM erklärt: "In vielen ungarischen Vereinen sind die Erfahrungen mit moderner Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung noch nicht so verankert. Auch kindergerechtes Training gibt es bislang nicht. Von daher versuche ich hier, zusammen mit Andreas Möller und Holger Gehrke auch ein bisschen Aufklärung zu betreiben und Dinge zu erklären."

Mit Erfolg. Gegen Portugal soll die nächste Überraschung folgen. In zehn Duellen haben die Ungarn bislang zwar noch nie gewonnen und nur drei Unentschieden geholt. Angesichts ihrer Euphorie und der tristen Stimmung bei "Chancentod" Ronaldo und Co. scheint aber alles möglich. "Es ist ein Traum. Und wir wollen nicht aufwachen", sagte Korhut.