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Kritik beim alten Club
Stögers emotionale Rückkehr zur alten Liebe

Köln. Vier Jahre arbeitete Peter Stöger erfolgreich beim 1. FC Köln. Heute kommt er mit Borussia Dortmund zurück.

(dpa) Es wird emotional werden und wahrscheinlich auch ein wenig rührselig. Es wird Umarmungen geben, die Fans des 1. FC Köln werden in Erinnerungen schwelgen oder sich über das ungewohnte Bild von Peter Stöger mit gelb-schwarzer Baseball-Kappe ärgern. Doch FC-Geschäftsführer Armin Veh hat vor Stögers Rückkehr zu seiner alten und immer noch währenden Liebe eines ganz unemotional klargestellt: Sollte der Tabellenletzte am Saisonende in die 2. Fußball-Bundesliga müssen, sei das zu einem guten Teil die Schuld des Ex-Trainers. Der heute mit Borussia Dortmund (20.30 Uhr/Eurosport) in Köln antritt. Und nach 78 Spielen mit rot-weißer Brille und FC-Kapuzenpulli dort erstmals in Schwarz-Gelb an der Seitenlinie stehen wird.


Stögers Amtszeit sei sehr erfolgreich gewesen, sagte Veh im „Kicker“: „Das war alles gut. Das letzte Halbjahr aber eben nicht. Dieses halbe Jahr wird – wenn wir absteigen – der Grund dafür sein.“ Im „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärte Veh: „Ich trete nicht nach. Es geht um Fakten.“ Auf denen der Geschäftsführer zum Schutz des jetzigen Trainers Stefan Ruthenbeck beharrt. Kontakt hatte Stöger nach seiner Freistellung am 3. Dezember bisher weder zu seinem Nachfolger noch zum eine Woche später installierten Veh. „Es gab keinen Grund, noch mal die Dinge durchzusprechen. Wir sehen uns ja am Freitag“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Aus seiner Emotionalität macht der Österreicher kein Geheimnis: „Natürlich ist das alles andere als ein normales Spiel für mich.“ Und ein bisschen unbehaglich ist ihm auch. „Ich weiß selbst nicht genau, wie ich mich fühlen und mit der Situation umgehen werde.“ In die falsche Kabine werde er sicher nicht laufen. „Aber es wird trotzdem schwierig.“

Deshalb war es Stöger wohl recht, dass das Thema während der Woche etwas in den Hintergrund rückte. Doch nun ist Dortmunds Problemfall Pierre-Emerick Aubameyang an den FC Arsenal verkauft, was der Trainer als „gute Geschichte“ bezeichnete: „Weil wir jetzt Ruhe haben.“ Dafür gerät nun Stögers Rückkehr in den öffentlichen Mittelpunkt.

Von den FC-Fans wird der 51-Jährige sicher überwiegend positiv empfangen. Er führte den FC in die Bundesliga und nach 25 Jahren zurück in den Europacup, war volksnah und immer zugänglich, feierte ausgelassen Karneval. Obwohl Stöger vor seinem Aus in Köln die schlechteste Zwischenbilanz der Bundesliga-Historie vorwies, sorgte die Trennung für einen kleinen Fan-Aufstand gegen die Clubführung. Die meisten FC-Profis haben zum Trainer sowie seinen inzwischen ebenfalls in Dortmund arbeitenden Assistenten Manfred Schmid und Alexander Bade weiter enge emotionale Bande.



Nur dass er eine Woche später schon beim BVB anheuerte, sahen viele kritisch. „Ich hätte das auch nicht für möglich gehalten, aber letztlich muss das jeder mit sich ausmachen“, sagte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle. Das Verhältnis des Vorstands zu Stöger, aus dem sie einst den „kölschen Arsène Wenger“ machen wollten, ist seit den letzten gemeinsamen Wochen merklich abgekühlt. Kurz vor seinem Rauswurf hatte Stöger öffentlich einen Verlust von Werten beklagt.

Bei aller Emotionalität hat das Spiel für beide wegweisenden Charakter. Der FC könnte mit einem Sieg zumindest für eine Nacht zum Vorletzten Hamburger SV aufschließen. Der BVB, bei dem Aubameyang-
Ersatz Michy Batshuayi wohl in der Startelf stehen wird, ist nach fünf Bundesligaspielen unter Stöger zwar noch ungeschlagen, in diesem Jahr nach drei Unentschieden aber immer noch sieglos und nur Sechster. Denn die Qualifikation für die Champions League, das weiß auch der nach jetzigem Stand nur bis Saisonende beim BVB arbeitende Stöger, „ist ein absolutes Muss“.