| 21:11 Uhr

Fußball-Bundesliga
Stöger setzt nur auf Psychologie

Der neue Trainer Peter Stöger steht heute Abend im Mittelpunkt, wenn Borussia Dortmund beim FSV Mainz 05 spielt. Kann Stöger die Verunsicherung in der Mannschaft lösen?
Der neue Trainer Peter Stöger steht heute Abend im Mittelpunkt, wenn Borussia Dortmund beim FSV Mainz 05 spielt. Kann Stöger die Verunsicherung in der Mannschaft lösen? FOTO: Ina Fassbender / dpa
Dortmund. Borussia Dortmund ist seit acht Liga-Spielen sieglos. Heute in Mainz soll es dank der Hilfe des neuen Trainers klappen.

Europa-League-Gegner Atalanta Bergamo brachte Peter Stöger nicht aus der Ruhe. Die Auslosung der Zwischenrunde im schweizerischen Nyon war für den neuen Trainer des kriselnden Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund an seinem zweiten Arbeitstag ohnehin nur eine Randnotiz. Mit seiner Gelassenheit will der Österreicher den auf Platz acht abgestürzten Pokalsieger wieder in die Erfolgsspur führen. Vor dem heutigen Spiel beim FSV Mainz 05 (20.30 Uhr) blieb Stöger aber nur eine Trainingseinheit im Schneegestöber zur Vorbereitung.



Der 51-Jährige sieht die fehlende Zeit nicht als ganz großes Problem. „In dieser Phase geht es darum, mit den Jungs zu sprechen, Problemzonen herauszufinden“, machte Stöger nach acht Ligaspielen ohne Sieg deutlich. Man dürfe keine Handschrift erwarten, es gehe darum, Empathie in die Gruppe zu bekommen, so Stöger, der „die kleinen Mosaiksteinchen wieder zusammenführen“ will.

Die heftige Kritik von Marcel Schmelzer an den Teamkollegen nach dem 1:2 gegen Bremen offenbarte, dass auch mannschaftsintern Gräben zuzuschütten sind. „Es kotzt mich wirklich an, wie wir auftreten“, hatte der Kapitän geschimpft. Der emotionslose Auftritt sei „eine Frechheit“ gewesen.

Der Nachfolger von Peter Bosz ist eine Woche nach seiner Entlassung beim Schlusslicht 1. FC Köln bei den verunsicherten BVB-Profis also erst einmal als Psychologe gefragt. „Es geht darum, den Jungs klarzumachen, dass sie eine außergewöhnliche Qualität haben. Das haben sie auch in dieser Saison schon gezeigt“, sagte Stöger, der in Einzelgesprächen heraushören möchte, „was den Jungs gut tut und wo man ihnen Unterstützung geben kann“.

Der neue BVB-Coach muss aber auch die anfällige Defensive der Schwarz-Gelben stabilisieren und wieder Struktur in die Mannschaft bringen – keine einfache Aufgabe. Bosz war immer wieder vorgeworfen worden, stur an dem zu offensiv ausgerichteten System festgehalten zu haben. Gut möglich, dass Stöger in Mainz auf die ballsicheren Julian Weigl und Nuri Sahin als Stabilisatoren im defensiven Mittelfeld setzt. „Peter Stöger muss die Mannschaft erst einmal kennenlernen. Das ist bis Dienstagabend erst einmal ambitioniert genug“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.



Bis zur Winterpause warten noch drei Aufgaben auf den so furios in die Saison gestarteten BVB. Nach dem Spiel in Mainz gastiert am Samstag 1899 Hoffenheim in Dortmund. Vier Tage vor Heiligabend geht es im Achtelfinale des DFB-Pokals zu Herbstmeister Bayern München. „Er soll jetzt erst einmal Punkte holen“, sagte Watzke.

Mit den Kölnern ist das Stöger in dieser Saison in Mainz (0:1) und gegen Hoffenheim (0:3) nicht gelungen. „Das war überschaubar erfolgreich“, sagte Stöger schmunzelnd: „Ich weiß aber, wo die Stärken und Schwächen liegen.“ Das könnte ihm bei seiner Mission hilfreich sein.

Weil die BVB-Verantwortlichen mit Stöger zunächst bis Saisonende planen, müssen sie mit Spekulationen um dessen Nachfolge im kommenden Sommer leben. Laut Medienberichten sollen sich die Borussen bereits mit Hoffenheims Julian Nagelsmann einig sein. Ex-BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld rät Nagelsmann davon ab: „Für die persönliche Entwicklung ist es immer gut, wenn man Erfahrungen sammelt, gerade im internationalen Geschäft. Hoffenheims Abschneiden in der Europa League war ja jetzt auch nicht so goldig.“