Stipendium für die USA: US-Sport fasziniert auch Talente aus Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Eine junge Saarländerin als Beispiel : Der US-Sport fasziniert auch Saar-Talente

Immer mehr junge Sportler wie Aliya Diagne hoffen auf ein Stipendium in den Staaten. Eine Agentur hilft bei der Vermittlung.

An einer Universität studieren und parallel dazu die eigene Fußball-Karriere vorantreiben – in Deutschland ist diese Kombination schwer umzusetzen. Das sieht jedenfalls Fußballerin Aliya Diagne so. „Hier ist es meistens so, dass es nur entweder oder gibt“, sagt die 18-Jährige aus Kohlhof bei Neunkirchen. Auch aus diesem Grund hat sich Diagne für einen anderen Weg entschieden – sie ist nach ihrem Abitur in die USA gegangen.

Anfang 2019 spielten laut einer Statistik der NCAA, dem Verband, in dem amerikanische Universitäten ihre Sportprogramme organisieren, 150 deutsche Nachwuchsfußballer und 46 Fußballerinnen in der höchsten College-Liga in Amerika. „Es ist viel einfacher, in den USA eine gute Ausbildung zu bekommen und auch auf einem hohen Niveau Fußball zu spielen“, erzählt die Saarländerin. Seit August 2019 studiert Diagne an der Butler University in Indianapolis „International Business“ – Betriebswirtschaftslehre – und spielt dort in der College-Mannschaft bei den Butler Bulldogs.

Zuvor spielte Diagne von der U15 bis zur U17 im Nachwuchs des FC Homburg, ehe sie 2018 zum Frauenfußball-Projekt SV Göttelborn/SV Elversberg wechselte. Ihren bisherigen Karrierehöhepunkt erlebte Diagne mit der deutschen Nationalmannschaft, wo sie Ende 2018 bei der U17-WM in Uruguay zum Einsatz kam und mit der DFB-Auswahl im Viertelfinale gegen Kanada (0:1) ausschied. Nach Dzsenifer Marozsan (Olympique Lyon) und Kim Fellhauer (SC Freiburg) ist Diagne erst die dritte Saarländerin, die bei einer U17-WM dabei war.

Für die 18-Jährige war das Ausland schon länger ein Thema. „In der elften Klasse auf dem Deutsch-Französischen-Gymnasium in Saarbrücken hatte ich immer schon gedacht, dass ich gerne mal ein Auslandsjahr machen würde. Ich wollte eigentlich schon immer in die USA“, sagt Diagne. Doch ein Studienplatz in den Vereinigten Staaten ist kostspielig. Das Problem: Je nach Universität müssen die Studenten bis zu 70 000 Dollar im Jahr zahlen. Ohne Stipendium kaum machbar. Doch Aliya hat solch ein Stipendium erhalten – weil sie bei einer dreitägigen Veranstaltung in der Sportschule Hennef ihr Talent unter Beweis stellte.

Die Veranstaltung in Hennef, der sogenannte „ProSoc College Showcase“, findet seit sieben Jahren statt und wird von Sebastian Korst organisiert. Der Gründer von ProSoc ist im Saarland kein Unbekannter. Der 37-Jährige spielte unter anderem beim 1. FC Saarbrücken II, der SV Elversberg und dem FC Homburg. Der studierte Sportmanager war lange Zeit beruflich in den USA tätig, ehe er eine Anfrage vom US-Fußballverband bekam, „ob ich mir vorstellen könnte, etwas in Europa für amerikanische Talente aufzubauen“, erzählt Korst. „Ich habe dann mit einer Fußballakademie angefangen, die sich rein auf den amerikanischen Markt fokussiert. Von US- und College-Trainern kam dann immer wieder die Frage, ob ich ihnen nicht helfen kann, deutsche oder europäische Talente zu scouten. Und so ist die Geschichte mit den Fußball-Stipendien entstanden.“

Die Teilnehmer können sich entweder wie Aliya selbst für die Sichtung bewerben oder werden angefragt. Beim Showcase werden 60 bis 80 Spieler auf Schnelligkeit, Sprungkraft, Beweglichkeit und Schussstärke getestet. In den folgenden Tagen stehen dann Testspiele gegen Gegner aus der U17- und U19-Bundesliga oder Regionalliga auf dem Programm. Viele US-Trainer der Universitäten und Colleges verschaffen sich dann vor Ort einen Eindruck von den einzelnen Spielern – und wer beeindruckt, erhält ein Stipendium. Wie Aliya.

Die 18-Jährige fühlt sich in ihrer neuen Heimat pudelwohl, ist besonders begeistert vom hohen Stellenwert und der erhöhten Aufmerksamkeit, den die Amerikaner dem Frauenfußball geben. „Das ist ein richtig großes Ding dort“, sagt die zentrale Mittelfeldspielerin. Studium, Training und die vielen Spiele, teilweise weit entfernt mit langen Anreisen verbunden, kriegt Diagne bisher recht gut unter einen Hut – auch dank der Unterstützung der Professoren vor Ort, die auch bei einer verpassten Klausur mal ein Auge zudrücken und einen Nachholtermin anbieten.

Wie Diagne, deren Stipendium über vier Jahre läuft, hat auch Julius Becker den Schritt in die USA gewagt. Der Cousin des ehemaligen Tennisprofis Benjamin Becker spielte in der Fußball-Jugend der TSG Hoffenheim, als er seinen Cousin in Dallas besuchte. „Während Benni bei einem Training war, bin ich zur Uni gefahren und habe mir die mal angeschaut“, erzählt Becker von seinen Erfahrungen: „Ich war beeindruckt von den großen Football- und Fußballstadien. Das sind Bedingungen wie in der Bundesliga.“ Seit Mitte 2018 studiert Julius Becker BWL mit dem Schwerpunkt Marketing sowie Sportmanagement an der University of Tampa in Florida. Außerdem spielt er in der College-Liga für die Tampa Spartans.

Die Stipendien sind zumeist auf die Regelstudienzeit von vier Jahren begrenzt. „Daher will ich auch in vier Jahren fertig sein, aber da liege ich gut in der Zeit“, sagt der 20-Jährige. Langfristig hat Becker eine Rückkehr nach Deutschland geplant: „Irgendwann will ich schon wieder zurück. Aber erst einmal möchte ich noch ein bisschen hier bleiben. Ich habe hier jetzt auch meine Freundin.“

Noch ist der Weg, den Aliya Diagne und Julius Becker eingeschlagen haben, ein eher seltener, zumindest im Fußballbereich. In der Leichtathletik nutzen schon seit einigen Jahren Sportler den Weg in die USA, um Studium und Sport zu kombinieren. Der Holzer Luca Wieland etwa studierte von 2013 bis 2017 an der University of Minnesota Wirtschaft und entwickelte sich im Zehnkampf zu einem Olympiakandidaten, ehe er nach wiederholten Oberschenkelproblemen seine Karriere beenden musste. Louisa Grauvogel aus Ottweiler katapultierte sich über ihren Aufenthalt an der University of Georgia in die deutsche Siebenkampf-Spitze.

Wie weit es Diagne und Becker einmal schaffen, ist natürlich nicht abzusehen. Aber es ist gut möglich, dass ihnen bald die nächsten Saarländer folgen. Der nächste „College Showcase“ in Hennef findet vom 24. bis 26. Januar (Jungen) und vom 31. Januar bis 2. Februar (Mädchen) statt. Und vielleicht bekommt dann ja der nächste Nachwuchsfußballer sein Stipendium.