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Stevens' Tage sind gezählt

Stuttgart. Huub Stevens ist beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart nur noch ein Trainer auf Abruf. Sein Schüler Pal Dardai könnte Stevens' Amtszeit heute vorzeitig beenden. Und ein Nachfolger soll auch schon feststehen. Sid-Mitarbeitermarco Mader

Sein Nachfolger steht bereits in den Startlöchern, und ausgerechnet einer seiner Schüler könnte sein schnelles Aus besiegeln: Die Tage von Trainer Huub Stevens beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart sind allem Anschein nach gezählt - vor dem Abstiegsduell gegen Hertha BSC mit seinem ehemaligen Lehrling Pal Dardai heute (20.30 Uhr/Sky) ist nur die Frage, wie viele noch bleiben. Daran ändert auch Dardais Lob nichts.

"Es ist schön, ihn wiederzusehen. Er macht eine ehrliche Arbeit, ist ein taktisch sehr guter und sehr erfahrener Trainer", sagt Dardai über Stevens, unter dem er von Sommer 2002 bis Dezember 2003 in Berlin spielte. Beim Tabellenletzten Stuttgart aber ist der Glaube an Stevens nach sieben Spielen ohne Sieg geschwunden. Längst gilt es als offenes Geheimnis, dass Alexander Zorniger den VfB übernehmen wird - spätestens zur neuen Saison, um einen Neuaufbau einzuläuten. Oder eben ein paar Monate früher, wenn Stevens heute nicht die Wende gelingt.

Zorniger, im Februar bei Zweitligist RB Leipzig entlassen und 2009 ein halbes Jahr Assistent von VfB-Trainer Markus Babbel , soll nach Medienberichten einen Dreijahresvertrag am Neckar erhalten. Selbst äußern möchte sich der 47-Jährige dazu nicht, das Reden haben in den vergangenen Tagen andere übernommen. Allen voran Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick , der Medienberichte über Zornigers baldiges Engagement beim VfB bestätigte. Sein Stuttgarter Kollege Robin Dutt nannte dies "respektlos", was Rangnick jetzt in einer Retourkutsche damit erklärte, dass bei seinem Ex-Club "das Nervenkostüm relativ blank" liege.

Das Wort "relativ" hätte Rangnick getrost weglassen können, wie Stevens' Auftritt bei einer Presserunde am Mittwoch offenbarte. Der 61-Jährige versuchte dabei wie bereits in den vergangenen Wochen, seine Gereiztheit mit aufgesetzter Gelassenheit zu überspielen. Das gelang kaum, Stevens taugt nicht zum Schauspieler. "Ich bin nicht Til Schweiger ", hatte er selbst kürzlich gemeint. Dass er nur noch Trainer auf Abruf ist, weiß Stevens selbst am besten. "Ich kenne das Geschäft und die Automatismen", wiederholt er seit Wochen. Zudem meinte er vor wenigen Tagen, er werde die vier Monate bis zu seinem Vertragsende schon noch irgendwie rumkriegen. Dann kommt ja Zorniger.

Die Mannschaft aber, so ist zu hören, steht zu Stevens, ist beeindruckt von seiner geradlinigen Art. "Es ist unglaublich, wie gut die Jungs drauf sind und was für ein Zug im Training ist", sagte Stevens. Doch auch das verhinderte die Negativserie von mittlerweile acht Heimspielen ohne Dreier nicht. Gegen die Hertha, fünf Punkte vor Stuttgart auf Platz 14, fehlt zu allem Überfluss mit Martin Harnik (Rotsperre) der beste Torjäger.