| 00:00 Uhr

Steigerungsfähig

Tiflis. Nach dem souveränen Pflichtsieg in Georgien ist der Weltmeister in der Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich wieder in der Spur. Doch im „heißen Herbst“ muss bei der deutschen Elf manches besser werden. Marco Mader,Holger Schmidt (sid)

Die müden Weltmeister waren nach ihrem souveränen Pflichtsieg am Schwarzen Meer bereits auf dem Weg ins Bett, als sie im Hotel Radisson Blu in Tiflis eine weitere gute Nachricht erreichte. Der Ire Shane Long hatte Polen mit seinem Tor zum 1:1 in letzter Minute in Dublin zwei wichtige Punkte geklaut - und sorgte dafür, dass die deutschen Fußballer kurz nach halb ein Uhr nachts noch etwas ruhiger einschliefen.

Bundestrainer Joachim Löw blickte denn auch voller Optimismus auf den von ihm selbst ausgerufenen "heißen Herbst" in der EM-Qualifikation. "Die Erfahrung zeigt, dass wir dann besser sind, weil wir mehr Möglichkeiten haben zu trainieren und zusammen zu sein", sagte er nach dem souveränen 2:0 (2:0)-Sieg am Sonntagabend in Georgien. Weil die Polen patzten, hat die deutsche Elf nur noch einen Punkt Rückstand auf den Spitzenreiter der Gruppe D. Nach dem eingeplanten Sieg gegen Fußball-Winzling Gibraltar und Polens wahrscheinlichem Sieg gegen Georgien - jeweils am 13. Juni - kann Deutschland im direkten Duell am 4. September in Frankfurt Rang eins übernehmen. "Das ist unser Ziel - und unser Anspruch", erklärte Löw.

Georgien soll das Startsignal gewesen sein auf dem Weg zum EM-Titel - wie auf den Tag genau vor 20 Jahren. Am 29. März 1995 setzte sich Deutschland dank zweier Tore von Jürgen Klinsmann vor der Pause ebenfalls mit 2:0 in Tiflis durch und triumphierte 15 Monate später bei der EM. Diesmal trafen Rückkehrer Marco Reus (39. Minute) und Thomas Müller (44.). "Das war ein guter Schritt, aber erst der Anfang", sagte Verteidiger Jerome Boateng. Der Weg nach Frankreich ist weit. Nach dem Duell mit Polen stehen schwere Spiele in Schottland und Irland an. Bis dahin, betonte der erstmals seit dem WM-Triumph eingesetzte Kapitän Bastian Schweinsteiger , "müssen wir uns verbessern". Georgien, fand der weitgehend beschäftigungslose Torhüter Manuel Neuer , sei "nicht der Maßstab". Der stellvertretende Kapitän fand es daher "ärgerlich, dass wir so viele klare Chancen vergeben haben". Wieder einmal.

Neun Tore nach fünf Spielen gegen mitunter schwache Gegner sind eines Weltmeisters nicht würdig. Für Löw war es deshalb beruhigend zu sehen, dass Reus wieder zu alter Form zurückfindet. Mit dem Dortmunder, der neben seinem Tor mit zwei Lattenschüssen auffiel, sei seine Elf "gefährlicher und schwerer auszurechnen", erklärte Löw zufrieden.

Reus dürfte gesetzt sein. Genau wie die acht Weltmeister, die Löw in die Startelf berief. Besonders Schweinsteiger, seit Philipp Lahms Rücktritt der neue Kapitän, werde in der heißen Qualifikations-Phase als Anführer gefragt sein, meinte Löw: "Bastian kann mit seinem Rhythmus und seiner Erfahrung entscheidend helfen."

Löw ließ keinen Zweifel daran, dass die Abwehr in Pflichtspielen fürs erste aus vier Verteidigern bestehen wird. Nach dem gescheiterten Experiment mit Dreierkette im Testspiel gegen Australien (2:2) hatte er in Tiflis die Taktik wieder geändert. Offen ist im Viererriegel nur die Besetzung der Außenpositionen - Sebastian Rudy rechts und der Auersmacher Jonas Hector links überzeugten in Georgien nur bedingt.

Löw kündigte an, im nächsten Länderspiel am 10. Juni in Köln gegen die USA "wieder etwas auszuprobieren". Auf neues Personal wird er aber weitgehend verzichten müssen, weil der Nachwuchs ab 17. Juni bei der U 21-EM gefragt ist.

Dass die Qualifikation verpasst werden könnte, glaubt beim Deutschen Fußball-Bund niemand. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff steht in der Quartierfrage für Frankreich vor einem Abschluss. Und für die Zeit der Relegation, die Mitte November stattfindet, hat der DFB Testspiele in Frankreich und gegen die Niederlande vereinbart.


Zum Thema:

Am RandeDer 2:0-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation in Georgien hat RTL die besten Durchschnittsquoten seit Beginn seiner Berichterstattung über die Spiele des Weltmeisters beschert. Knapp 11,5 Millionen Zuschauer über die gesamte Spieldauer bedeuten für den TV-Sender ebenso einen Höchstwert wie die 12,6 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 38,5 Prozent) in der zweiten Halbzeit. RTL überträgt seit Saisonbeginn die Qualifikationsspiele der Nationalelf und berichtet in Ausschnitten von weiteren Partien der EM-Qualifikation. sid