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Steffens enttäuschender Abgang

Steffens enttäuschender Abgang

Shanghai. Sie tauchte in die Arme ihres Freundes Paul Biedermann, doch Trost fand Britta Steffen auch dort nicht. Für die Doppel-Olympiasiegerin war die Rückkehr auf die WM-Bühne in Shanghai ein Schlag ins Wasser. Nach ihrem Vorlauf-Fiasko mit Platz 16 über 100 Meter Freistil sagte Deutschlands Schwimmstar alle weiteren Starts ab

Shanghai. Sie tauchte in die Arme ihres Freundes Paul Biedermann, doch Trost fand Britta Steffen auch dort nicht. Für die Doppel-Olympiasiegerin war die Rückkehr auf die WM-Bühne in Shanghai ein Schlag ins Wasser. Nach ihrem Vorlauf-Fiasko mit Platz 16 über 100 Meter Freistil sagte Deutschlands Schwimmstar alle weiteren Starts ab. Auch hinter den weiteren Olympia-Plänen von Steffen steht nun ein Fragezeichen.

Nicht für Staffel geplant

"Es stürzen ein paar Hoffnungen und Wünsche ein. Am liebsten würde ich jetzt meine Augen und Ohren zu machen", sagte die Berlinerin. Es erscheint sogar fraglich, ob die 27-Jährige ihre große Karriere fortsetzt. Als Steffen um 9.19 Uhr völlig desillusioniert aus dem Becken des Indoor Crown Stadiums kletterte, könnte es vielleicht sogar der bittere Abgang von der Schwimm-Bühne gewesen sein. "Ich habe keine Erklärung. Ich habe mich gut gefühlt. Auch die Trainingsergebnisse waren gut", stammelte Steffen.

Trainer Norbert Warnatzsch reagierte auf die enttäuschende Vorstellung in 54,86 Sekunden prompt und nahm sie aus dem Wettkampf. "Sie hat nicht gekniffen, aber jetzt müssen wir sie schützen und schonen", erklärte Warnatzsch und fügte hinzu: "Die 50 Meter werden nicht besser." Damit wird Steffen ihren Titel auch über die halbe Distanz nicht verteidigen. Für die Lagen-Staffel am Samstag war ohnehin nicht Steffen, sondern Daniela Schreiber vorgesehen gewesen. In der 4x100-Meter-Freistil-Staffel zum Auftakt der WM war die 22-Jährige als Schluss-Schwimmerin schneller als Steffen gewesen.

Kritik übte Franziska van Almsick an Steffens WM-Aus. "Ich kann nicht verstehen, dass sie alles hinschmeißt. Das ist traurig", sagte der einstige Star als ARD-Expertin. Leistungssportdirektor Lutz Buschkow stellte sich dagegen hinter Steffen. "Für ihre Entwicklung mit Blick auf Olympia in London ist es besser, auf weitere Rennen hier zu verzichten", sagte Buschkow, der fest davon ausgeht, dass Britta Steffen ihre Karriere trotz des Rückschlags fortsetzen wird.

Vor drei Jahren hatte sich Steffen mit ihrem Doppel-Triumph bei Olympia in Peking ihren Lebenstraum erfüllt. Doch Steffen und Shanghai - das hatte von Beginn an nicht gepasst. Das Kribbeln im Bauch, von dem sie noch vor der WM gesprochen hatte, war schon nach dem ersten Wettkampftag Ernüchterung und Enttäuschung gewichen. Nach ihrer schwachen Zeit als Startschwimmerin mit der Bronze-Staffel hatte sich Steffen mit einem "Trabbi" verglichen. dapd

Meinung

Schwimmen ist ein Einzelsport

Von SZ-RedakteurMark Weishaupt

All den Kritikern und Besserwissern, die Britta Steffen lautstark vorwerfen, sie würde ihre Mannschaft im Stich lassen, sei gesagt: Schwimmen ist eine Einzelsportart. Und dass ausgerechnet Franziska van Almsick den Mund aufmacht, ist erstaunlich. Denn vor drei Jahren verzichtete Steffen vor Olympia 2008 in Peking auf die Staffel, weil sie sich auf die Einzelrennen konzentrieren wollte. Das gefiel nicht jedem, aber "Franzi" verteidigte Steffen: "Ich finde, man sollte das zumindest versuchen zu verstehen." Der Erfolg - zweimal Gold - gab Steffen Recht.

Daran sollte sich van Almsick erinnern. Und sie sollte sich weitere fünf Jahre zurückerinnern, als sie selbst die WM 2003 in Barcelona komplett sausen ließ, um sich ganz auf Olympia 2004 zu konzentrieren. "Es ist eine egoistische Entscheidung", sagte "Franzi" damals. Jetzt die Entscheidung von Steffen zu kritisieren, die sich immerhin in Shanghai gezeigt hat, ist lächerlich.

Auf Einen Blick

Der neue Schwimmstar Ryan Lochte hat das US-Duell über 200 Meter Lagen gegen Rekord-Olympiasieger Michael Phelps gewonnen und für den ersten Weltrekord bei der WM in Shanghai gesorgt. Der 26-Jährige blieb in 1:54,00 Minuten eine Zehntel-Sekunde unter seiner Bestmarke und siegte vor Phelps (1:54,16). Lochte zog kurz darauf als Schnellster über 200 Meter Rücken ins Finale ein. Yannick Lebherz (Darmstadt) schied als Zwölfter aus. Erfreulich war das Auftreten von Christian vom Lehn (Wuppertal), der als Dritter das Finale über 200 Meter Brust erreichte. dpa