| 15:09 Uhr

Regionalliga Südwest
Startschuss für den nächsten Versuch

Ein Bild, das die ganze Saarbrücker Traurigkeit über den verpassten Aufstieg des FCS dokumentiert: Abwehrspieler Marco Kehl-Gomez sitzt alleine auf dem Rasen des Grünwalder Stadions.
Ein Bild, das die ganze Saarbrücker Traurigkeit über den verpassten Aufstieg des FCS dokumentiert: Abwehrspieler Marco Kehl-Gomez sitzt alleine auf dem Rasen des Grünwalder Stadions. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Fußball-Regionalligist 1. FC Saarbrücken beginnt heute mit der Vorbereitung auf die neue Saison. Von Patric Cordier

Es gibt Bilder, die vergisst man auch in unserer sonst so schnelllebigen Zeit nicht. Eines von Fußballprofi Marco Kehl-Gomez gehört dazu: Hunderte von Menschen laufen um ihn herum, doch der Abwehrspieler des 1. FC Saarbrücken sitzt auf dem Rasen im Stadion an der Grünwalder Straße – allein, einsam, leer, hemmungslos weinend, untröstlich. Die ganze Grausamkeit der bisherigen Aufstiegsregelung zur 3. Liga manifestierte sich in der Person des sonst so fröhlichen Familienvaters.


Für Kehl-Gomez war das Drama von Giesing die dritte Relegationspleite in Folge, nachdem er in den Jahren zuvor schon mit der SV Elversberg in den Entscheidungsspielen gescheitert war. „1860 weiß bis heute nicht, warum sie aufgestiegen sind“, blickt der Mann, den sie „KG“ nennen, zurück, „ich habe noch immer gemischte Gefühle. Ganz verarbeitet ist die Sache noch immer nicht. Die ersten beiden Wochen war das kein Urlaub. Aber die Familie hat mich aufgefangen.“

Kaum vier Wochen sind vergangen, seit die Mannschaft von Trainer Dirk Lottner beim TSV 1860 München den Aufstieg in die 3. Liga verspielt hat. Heute um 15 Uhr beginnt im FC-Sportfeld ein neuer Anlauf. Der letztjährige Meister startet als letzter der drei saarländischen Fußball-Regionalligisten in die Vorbereitung. „Wenn du die Treter erst mal wieder anhast, dann kommt die Freude am Fußball schnell wieder“, sagt Kehl-Gomez, der die kurze Pause für eine neue Tätowierung genutzt hat: Eine Rose, Spielkarten und Schachfiguren zieren nun den rechten Unterarm. „Es hat nichts mit dem Sport zu tun, mehr mit meinem Leben“, sagt der 26-Jährige.

Mit den Stürmern Marcel Carl (bislang Astoria Walldorf) und José Pierre Vunguidica (SV Sandhausen), Offensiv-Allrounder Gillian Jurcher (Germania Halberstadt), dem defensiven Mittelfeldspieler Fatih Köksal (SV Elversberg) und dem erst am Samstag verpflichteten Innenverteidiger Nino Miotke vom 1. FC Kaiserslautern stehen bislang fünf Neuzugänge fest. Sie sollen nicht nur die Lücken füllen, die Kevin Behrens (jetzt SV Sandhausen), Patrick Schmidt (1. FC Heidenheim), Christoph Fenninger (SpVgg. Bayreuth), Dominic Rau, Jordan Steiner und Marwin Studtrucker (alle Ziel unbekannt) hinterlassen haben, sie sollen die Qualität des ohnehin schon starken Kaders so weit erhöhen, dass die Titelverteidigung – und der direkte Aufstieg – gelingen kann.

„Der DFB hätte diese bescheuerte Relegation längst abschaffen müssen. Es ist nur fair, dass der Meister hochgeht“, sagt der Schweiz-Spanier, „Carl ist ein ekelhafter Gegenspieler, und Vunguidica kenne ich noch aus Wehen. Ich denke, dass die Jungs uns alle weiterhelfen, das große Ziel endlich zu erreichen.“



Bereits am Freitag findet bei der SpVgg. Quierschied das traditionell erste Testspiel statt. Weitere stehen beim VfB Dillingen (3. Juli), im Trainingslager in Teistungen gegen Wacker Nordhausen (7. Juli), in Bous gegen den AFC Tubize (13. Juli) und eine Woche vor Saisonstart im Sportfeld gegen Wattenscheid 09 (21. Juli) an. Es geht also wieder los – auch wenn die Bilder von München noch lange nicht aus dem Kopf sind.