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Leichtathletik
Star-Auflauf wie selten in Rehlingen

Diskuswerfer Christoph Harting (links), der Olympiasieger von Rio 2016, steigt am Sonntag in Rehlingen in den Ring.
Diskuswerfer Christoph Harting (links), der Olympiasieger von Rio 2016, steigt am Sonntag in Rehlingen in den Ring. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Rehlingen. Das Leichtathletik-Pfingstsportfest am Sonntag ist hochkarätig besetzt. Lokalmatadorin Laura Müller droht auszufallen. Von Mark Weishaupt
Mark Weishaupt

Gut drei Stunden, vollgepackt mit Leichtathletik der gehobenen Art. Sieben Wettbewerbe bei den Frauen, zehn bei den Männern – das internationale Pfingstsportfest in Rehlingen, in diesem Jahr ausnahmsweise schon am Sonntag, dürfte ein ausnehmend kurzweiliger Nachmittag werden. Neben dem absoluten Top-Wettbewerb, dem Speerwerfen der Männer mit Weltmeister Johannes Vetter (LG Offenburg, früher Saar 05 Saarbrücken), Vize-Weltmeister Jakub Vadlejch (Tschechien) und 90-Meter-Werfer Andreas Hofmann (Mannheim), kann sich auch die Besetzung in vielen anderen Wettbewerben sehen lassen. Die SZ gibt einen Überblick über einige Disziplinen.


Diskuswerfen Männer: Die Meldeliste wird angeführt von Christoph Harting (Berlin), dem Olympiasieger von Rio de Janeiro 2016. Der 27-Jährige will nach einem durchwachsenen Jahr 2017, in dem er die WM-Qualifikation verpasste, wieder angreifen und bei der EM in seiner Heimatstadt eine gute Rolle spielen. Hartings Gegner in Rehlingen sind allerdings namhaft und kommen vor allem aus dem eigenen Land – so zum Beispiel der Olympia-Dritte Daniel Jasinski (TV Wattenscheid, Bestleistung 67,14 Meter) oder Martin Wierig (SC Magdeburg, Bestleistung 68,33 Meter). Die deutsche Qualifikations-Norm für die EM in Berlin (6. bis 12. August) beträgt 64,00 Meter – eine Weite, die in Rehlingen auch der Österreicher Lukas Weißhaidinger (in dieser Saison bereits 68,21 Meter) und der Jamaikaner Traves Smikle (67,72 Meter) locker draufhaben. Der Stadionrekord im Bungertstadion von 66,66 Metern aus dem Jahr 1984 (!) könnte also wackeln.



Stabhochsprung: Favorit auf den Sieg bei den Männern ist natürlich Lokalmatador Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken, der sich der versammelten deutschen Elite um Tobias Scherbarth und Karsten Dilla stellen muss. Holzdeppe hat eine gute Hallensaison hinter sich, sprang mit 5,88 Metern sogar eine neue Hallenbestleistung und hat die Norm für die Freiluft-EM in Berlin von 5,60 Meter bereits abgehakt. Auch der Niederländer Vloon Menno und der 2016-Europameister Robert Sobera (Polen) dürften ein Wörtchen um den Sieg mitreden wollen. Bei den Frauen wird das Feld angeführt von der deutschen Rekordhalterin Silke Spiegelburg und der Britin Holly Bradshaw, die mit ihrer Saisonbestleistung von 4,70 Metern als Favoritin nach Rehlingen kommt.

Hochsprung: Mit Marie-Laurence Jungfleisch (VfB Stuttgart) kommt eine Athletin ins Bungertstadion, die schon die Zwei-Meter-Marke übersprungen hat. Die WM-Vierte von 2017 sorgte vergangene Woche beim Diamond-League-Meeting in Shanghai mit Platz drei für das beste Resultat aller deutschen Teilnehmer. Ebenfalls für große Höhen gut sind die Ukrainerin Kateryna Tabashnyk und Ex-Junioren-Weltmeisterin Marjia Vukovic (Montenegro). Bei den Männern musste Topspringer Mateusz Przybylko (Bayer Leverkusen) gestern kurzfristig seine Teilnahme aus Verletzungsgründen absagen. Dabei war ihm vor einer Woche bereits ein Sprung über 2,30 Meter gelungen – höher sprang noch kein Europäer in diesem Jahr. Mit Eike Onnen könnte ein anderer Deutscher am Sonntag in die Bresche springen – der 35-jährige Bronzemedaillengewinner der EM 2016 aus Hannover jagt noch die Berlin-Norm von 2,26 Meter.

100 Meter: Mit Churandy Martina aus den Niederlanden macht der amtierende Europameister seine Aufwartung im Bungertstadion. Mit der Bestleistung von 9,91 Sekunden, aufgestellt bei den Olympischen Spielen in London 2012 (fünfter Platz), hat er die schnellste Zeit aller Sprinter in der Meldeliste stehen. Aus deutscher Sicht im Fokus: Hallen-WM-Teilnehmer Michael Pohl (Wetzlar) und Lokalmatador Thanusanth Balasubramaniam (LAZ Saar 05 Saarbrücken). Die EM-Norm liegt bei 10,25 Sekunden. Nicht an den Start gehen kann Michael Bryan vom gastgebenden LC Rehlingen. Auch bei den Frauen steht eine Niederländerin im Fokus. Jamile Samuel, EM-Vierte über 200 Meter und WM-Achte mit der 4x100-Meter-Staffel, ist schon im April 11,23 Sekunden gelaufen. Die Französin Carol Zahi (Bestzeit 11,14 Sekunden) und U20-Staffel-Weltrekordlerin Jennifer Montag (Leverkusen) wollen aber dagegenhalten.

800 Meter der Männer: Die doppelte Stadionrunde in Rehlingen verspricht, ein echter Höhepunkt zu werden. Angeführt wird das Teilnehmerfeld vom Äthiopier Mohammed Aman (24), dem Weltmeister von 2013 in Moskau und zweimaligen Hallen-Weltmeister. Der WM-Sechste von 2017 hält bis heute den Weltrekord der Altersklasse U18 in 1:43,37 Minuten und ist mit einer Bestleistung von 1:42,37 Minuten der neuntschnellste Läufer aller Zeiten. Zu beachten sind außerdem der Kenianer Cornelius Tuwei, der Tunesier Riadh Chninni und Timo Benitz (Konstanz), der über 1500 Meter noch stärker einzuschätzen ist, die EM-Norm von 1:46,50 Minuten aber schon mal unterboten hat.

200 Meter der Frauen: Der Start von Lokalmatadorin Laura Müller, die in 2018 einen Start bei der Heim-EM in Berlin anpeilt, ist eher unwahrscheinlich. Die deutsche Meisterin, am Mittwochabend aus dem Trainingslager auf Teneriffa zurückgekehrt, plagt sich mit muskulären Problemen herum. Denkbar ist, dass die WM- und Olympia-Teilnehmerin ihren Saisoneinstand verschieben muss. Klappt es in Rehlingen nicht, könnte dieser dann am 26. Mai in Weinheim sein.

Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ist beim Pfingstsportfest im Bungertstadion seit Jahren Stammgast.
Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ist beim Pfingstsportfest im Bungertstadion seit Jahren Stammgast. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Ob Laura Müller in Rehlingen laufen wird, entscheidet sich kurzfristig. Die Tendenz geht eher zu einer Absage.
Ob Laura Müller in Rehlingen laufen wird, entscheidet sich kurzfristig. Die Tendenz geht eher zu einer Absage. FOTO: rup