Stadion-Poker im Januar

Stadion-Poker im Januar

Elversberg, Pirmasens – der 1. FC Saarbrücken pokert bei der Stadionsuche. Borussia Neunkirchen bietet nun das Ellenfeld-Stadion als Ausweichquartier an. Die Frage ist: Was passiert, wenn der FCS bis Ende Januar kein Ersatzstadion hat?

"Wir befinden uns mit den Verantwortlichen der SV Elversberg in Gesprächen." Die Aussage Hartmut Ostermanns über die Suche nach einem Ausweichquartier für die Dauer des 16 Millionen Euro teuren Umbaus des Ludwigspark-Stadions stand am 24. Februar 2015 in der SZ. Der Präsident des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken sagte: "Wir müssen uns absichern, dass wir dauerhaft über eine Spielstätte verfügen."

In der kommenden Woche beginnen nach Angaben der Stadt Saarbrücken in deren Ludwigspark-Stadion Kanal-, danach Erd- und Abbrucharbeiten. Die Arena steht dann, wie seit Langem geplant, nicht mehr zur Verfügung. Dennoch hat der FCS - fast ein Jahr nach Ostermanns Aussage - kein Ausweichstadion. Bis Ende Januar hat der Club Zeit, eines zu finden. Das erklärt der für die Regionalliga Südwest zuständige Regionalverband Südwest.

Was passiert, wenn der FCS keine Spielstätte präsentieren kann? Nach Verbands-Angaben könnte er damit für einen Präzedenzfall sorgen. Es sei noch keinem Club "gelungen", in der Saison plötzlich ohne Heimstätte dazustehen. In den Verbandsstatuten geregelt ist: Hat ein Club keine Spielstätte, erfüllt er die Zulassungsvoraussetzungen nicht. Aber: Da es den Fall mitten in einer Saison noch nicht gegeben habe, sei er in Statuten nicht geregelt. Ergo müsste man sich beim Verband zusammensetzen und eine Entscheidung suchen - etwa, ob der betreffende Club als erster Absteiger festgelegt wird.

So weit wird es wohl nicht kommen. Der 1. FC Saarbrücken beteuerte stets, dass in den Vertragsverhandlungen mit der SV Elversberg nur noch "Details" zu klären seien". Die SVE bestätigte dies regelmäßig. Sie nannte nie eine Frist, bis zu der der FCS den Mietvertrag für die Ursapharm-Arena mit der Stadiongesellschaft Kaiserlinde GmbH & Co. KG unterschrieben haben muss. Die Arena ist nach Ansicht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in ihrem jetzigen Zustand bereits drittliga-tauglich. Obwohl einige Genehmigungen ausstehen, etwa den Brandschutz den Oberrang der neuen Haupttribüne (Vip-Bereich) betreffend.

Auch spiele es keine Rolle für die Drittliga-Lizenz, dass am Stadion keine Parkplätze vorhanden sind. Es müssten lediglich geeignete Kompensations-Maßnahmen, zum Beispiel ein Park & Ride-Angebot, vorgestellt werden, teilt der DFB mit: "Wegen Parkplätzen ist noch kein Club im Drittliga-Zulassungsverfahren gescheitert."

Auch darf die Stadiongesellschaft die Arena im jetzigen Zustand an einen Zweitmieter vergeben. Sie teilt mit, man habe sich bei den Behörden diesbezüglich rückversichert.

Trotzdem fragte der FCS bei der Stadt Pirmasens an. Er will das von Ligakonkurrent FK Pirmasens genutzte städtische Stadion mitnutzen - für 80 000 Euro Miete pro Saison. Dem FCS ist offenbar die Miete für das SVE-Stadion, angeblich um die 400 000 Euro, zu hoch. Die örtliche Polizei riet aber: "Aus Sicherheitsgründen empfehlen wir der Stadt Pirmasens, den Sportpark Husterhöhe nicht an den 1. FC Saarbrücken zu vermieten." Der Ausweichplan des FCS schien geplatzt, da meldete sich Borussia Neunkirchen nach eigenen Angaben am 21. Dezember 2015 beim FCS.

Der Oberligist bietet das städtische Ellenfeld-Stadion an. Der Verband erklärt aber, dieses sei nicht regionalliga-tauglich. Mindestvoraussetzungen wie zwei getrennte Eingänge, per Pufferzone getrennte Fanbereiche, getrennte Toiletten und Versorgungsstellen fehlten. Borussia-Verantwortliche denken, das heruntergekommene Stadion binnen "vier Wochen" regionalliga-tauglich machen zu können. Was das kostet? Die Stadt Neunkirchen als Eigentümerin erklärt: "An uns ist keine entsprechende Anfrage herangetragen worden, weder seitens des FCS noch seitens der Borussia. Mit Spekulationen beschäftigen wir uns nicht." Der FCS muss sich damit beschäftigen. Die Zeit bis Ende Januar drängt.

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