| 00:00 Uhr

Sprung in die Weltspitze dank Umzug ins Saarland

Saarbrücken. Sosthene Moguenara ist die beste deutsche Weitspringerin und in der laufenden Hallen-Saison sogar die drittbeste der Welt. Als Medaillenkandidatin sieht sich die 28-Jährige aus Saarbrücken deswegen aber nicht. Jonas Grethel

Seit zweieinhalb Jahren lebt Sosthene Moguenara nun im Saarland . Zufriedener könnte die momentan beste Weitspringerin Deutschlands fast nicht sein: "Mir geht es hier wirklich gut. Die Menschen sind super freundlich, und sportlich sind die Möglichkeiten hier traumhaft", sagt sie. 2012 kam die 25-Jährige von Wattenscheid im Ruhrgebiet nach Saarbrücken und bereut diesen Schritt nicht: "Ich fühle mich hier viel wohler als in Nordrhein-Westfalen."

Ein ausschlaggebender Grund dafür, dass die gebürtige Tschaderin ins Saarland gekommen ist, war Bundestrainer Ulli Knapp. Er hat schon Weitsprung-Größen wie Christian Reif oder Bianca Kappler trainiert. "Bei ihm bin ich wirklich in guten Händen", schwärmt Moguenara: "Er ist offen, hat viel Geduld und ist einfach ein liebenswerter Mensch. Der perfekte Trainer also."

Auch Knapp freut sich, dass sein Schützling im Saarland angekommen ist: "Sie hat sich hervorragend eingelebt, und ich bin sehr froh, dass sie das Saarland mittlerweile als ihre Heimat ansieht." Ihr privates Glück in Saarbrücken sei auch ein Grund für ihren sportlichen Erfolg, meint Knapp. Seitdem sie mit ihrem Freund Raphael Holzdeppe, dem Stabhochsprung-Weltmeister von 2013, zusammen wohnt, wirke sie viel ausgeglichener. "Er gibt ihr viel Halt und bringt Struktur in ihr Leben, was ihr sehr gut tut", sagt der Bundestrainer .

Am heutigen Freitag beginnen für Sosthene Moguenara die Hallen-Europameisterschaften im Prag . Ein sensationeller Sprung auf 6,86 Meter bei den saarländischen Hallenmeisterschaften im Januar katapultierte sie auf Rang vier der ewigen deutschen Hallen-Bestenliste und an die Spitze der Weltjahresbestenliste 2015, an der sie mehrere Wochen verharrte. Aktuell ist sie Dritte. Trotz dieser Leistung und ihrem Triumph bei den deutschen Hallenmeisterschaften im Februar stapelt Moguenara vor den kontinentalen Hallen-Titelkämpfen tief: "Mein erstes Ziel ist es, ins Finale zu kommen. Ob ich sonst noch größere Erwartungen habe, behalte ich erst mal für mich", sagt sie verschmitzt lächelnd.

Auch ihr Trainer mahnt vor zu hohen Ansprüchen. "Der Finaleinzug bei der Hallen-EM ist schwierig, man muss zu den acht besten Springerinnen der Qualifikation gehören", sagt Knapp: "Außerdem hat Sosthene wegen eines Bundeswehrlehrgangs länger mit dem Weitsprung-Training aussetzen müssen. Und obwohl wir auf einem guten Weg sind, ist die Form von Januar noch nicht erreicht." Sie müsse weit über sich hinauswachsen, wolle sie eine Medaille ergattern.

Dass wegen ihrer jüngsten Erfolge hohe Erwartungen an sie gerichtet werden, stört Moguenara allerdings nicht. "Die Frage ist, wie man mit dem Druck umgeht", erklärt sie. Deshalb habe sie in letzter Zeit häufig mit einem Sportpsychologen zusammengearbeitet, der ihr vor allem dabei helfen sollte, sich besser zu konzentrieren. "Ich lasse mich zu oft beim Wettkampf ablenken", sagt Moguenara: "Ich muss mich auf meine eigene Sache konzentrieren und darf mich gar nicht verrückt machen lassen."

Obwohl Moguenara betont, dass sie nur von Wettkampf zu Wettkampf denkt, verrät sie das Funkeln in ihren Augen bei dem Wort "Olympia". "Natürlich schielt man auf Rio 2016 - und auch auf die Freiluft-WM im Sommer in Peking. Aber ich konzentriere mich jetzt nur auf Prag ", beteuert sie. Auch Knapp findet, dass die Qualifikationen für WM und Olympia noch in weiter Ferne liegen.

Ein Grundstein auf dem Weg dahin hat Sosthene Moguenara mit ihrem Umzug nach Saarbrücken gelegt. "Ich fühle mich noch nicht ganz als Saarländerin", sagt die 28-Jährige, die weiterhin für den TV Wattenscheid startet, ihren Heimatverein, seit sie mit neun Jahren aus dem Tschad nach Deutschland kam: "Aber ich bin auf einem guten Weg."



Zum Thema:

Auf einen BlickKugelstoß-Weltmeister David Storl (Leipzig) hat bei der Hallen-EM in Prag souverän das Finale am heutigen Freitag erreicht. In der Qualifikation am Donnerstag stieß der 24-Jährige 21,23 Meter und übertraf die Qualifikationsweite von 20,55 Metern deutlich. Nicht so gut lief es bei den starken Frauen: Lena Urbaniak schied mit 16,49 Metern aus, Denise Hinrichs kämpfte sich mit 16,78 Metern im letzten Versuch noch ins Finale am Samstag. Vom deutschen Weitspringer-Trio schaffte es nur der deutsche Meister Alyn Camara mit 7,79 Metern ins Finale, Julian Howard (7,65 Meter) und Max Heß (7,71) schieden aus. sid/dpa