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Sportminister in St. Wendel
Länder bekommen mehr Geld aus Sportetat

Saar-Innenminister Klaus Bouillon, DOSB-Präsident Alfons Hörmann und Stephan Mayer, Staatssekretär im Bundesinnenministerium (von links).
Saar-Innenminister Klaus Bouillon, DOSB-Präsident Alfons Hörmann und Stephan Mayer, Staatssekretär im Bundesinnenministerium (von links). FOTO: Andreas Schlichter
St. Wendel. Die Sportminister der Länder haben in St. Wendel für eine Vereinbarung mit dem Bund gestimmt. Sie sichert ihnen Millionen. Von Tobias Fuchs
Tobias Fuchs

Alfons Hörmann ist Präsident einer Nation, die es streng genommen nicht gibt. „Sportdeutschland“ nennt Hörmann, wofür er als Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die Verantwortung trägt. Es handelt sich um ein komplexeres Gebilde aus Sport und Politik. Denn über das Wohl und Wehe von Sportdeutschland wird in den Parlamenten der Bundesrepublik entschieden. Am Freitag sagt Hörmann nach der Sportministerkonferenz (SMK) in St. Wendel: „Wenn ich meine fünf Jahre an der Spitze des DOSB nehme, waren das die beiden wichtigsten und wertvollsten Tage für Sportdeutschland.“


Bei ihrem zweitägigen Treffen im Saarland haben die Sportminister der Bundesländer einstimmig für eine Bund-Länder-Vereinbarung zur Spitzensportreform in Deutschland votiert. Was steht in dem Papier? Der Bund erhöht die Förderung der Olympiastützpunkte (OSP) um 3,5 Millionen Euro. Das Saarland teilt sich seit 1994 einen OSP mit Rheinland-Pfalz. Zudem investiert Berlin sehr viel mehr Geld in die Trainingsstätten in den Ländern. Statt acht soll es zukünftig 24 Millionen Euro für deren Betrieb geben. Das betrifft auch die Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken. „Für uns ist das eine deutliche Entlastung“, sagt Saar-Innenminister Klaus Bouillon (CDU). Außerdem teilen sich Bund und Länder die Personalkosten für hauptamtliche Leiter an den Bundesstützpunkten für die einzelnen Sportarten. Die Sportminister haben zudem 1,5 Millionen Euro an Forschungsgeldern zugesichert. Das heißt: Auch die Länder wird die Vereinbarung etwas kosten, am Freitag ist die Rede von insgesamt sechs Millionen Euro.

Bouillon, derzeit noch SMK-Vorsitzender, hatte die Einigung zwischen Bund und Ländern vorab einen „wichtigen Meilenstein“ auf dem Weg zu einer Reform des Hochleistungssports genannt. Wie Stephan Mayer, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, bezeichnet der Minister die Vereinbarung am Freitag außerdem als ein „Novum“.



Die Länder profitieren davon, dass es für den Sport insgesamt mehr Steuergelder gibt. Während die Landesminister in einem saarländischen Golfhotel schlummerten, erhöhte der Haushaltsausschuss des Bundestages in der Nacht von Donnerstag auf Freitag das Sportbudget des Innenministeriums für 2019 um 70,8 Millionen Euro. Aus rund 165 Millionen werden somit 235 Millionen Euro. „Ein Aufwuchs von zirka 40 Prozent“, wie der DOSB-Präsident vorrechnet – und der zweite Grund, weshalb der Sportfunktionär das Ende dieser Woche als historisches Datum ansieht. Das untermauert Staatssekretär Mayer: „Das ist der größte Aufwuchs, der jemals im Sporthaushalt stattgefunden hat – mit weitem Abstand.“ Er komme vor allem den Ländern zugute. Dabei sah es vor wenigen Monaten noch so aus, als müsse der Sport in Zukunft kleinere Brötchen backen.

Das Bundesinnenministerium und der DOSB haben vor vier Jahren die Spitzensportreform angeschoben. Die zentralen Forderungen, um die seitdem gerungen wird: Es soll deutlich weniger Bundesstützpunkte und kleinere Bundeskader geben. Noch im Mai hatte der Bundesrechnungshof in einem Bericht an Mitglieder des Haushaltsausschusses im Bundestag den Reformwillen des DOSB angezweifelt. Damals berichtete die FAZ, der Sport müsse mit deutlich weniger Geld rechnen als gewünscht. Im Regierungsentwurf für den Haushalt des kommenden Jahres standen 30 Millionen Euro mehr. Der DOSB reagierte mit einer „Frankfurter Erklärung“, verteidigte seine bisherigen Reformschritte. Nun hat der Bundestag noch 40 Millionen Euro draufgelegt.

Die Länder beteiligten sich an der Neuordnung des Sports, schließlich geht es um Standorte in ihren Regionen. Und die Frage, wer für diese aufkommt. Daher forderte die SMK als Teil der Reform den Deal mit dem Bund. Im Klartext: mehr Geld. Aus Berlin war vor Kurzem zu hören, die staatliche Anerkennung als Bundesstützpunkt sei zunächst einmal ein Prädikat, das man sich als Messingschild an die Hallentür schrauben könne. So drückte es Innen-Staatssekretär Markus Kerber im Interview mit dem Blog Sportspitze aus. Wo Bundesstützpunkt draufsteht, steckt mitunter wenig Geld aus der Hauptstadt drin. Das sorgte in den Ländern für Unmut. Jenseits des Saarlandes sind es viele Kommunen, die Stützpunkte unterhalten. Mayer sagt: „Wir werden den Städten und Gemeinden deutlich stärker finanziell unter die Arme greifen.“ Überall in Sportdeutschland.