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Eklat im Saarlandpokal
Spielabbruch wird zum Fall für die Sportjustiz

Zu diesem Zeitpunkt wurde noch gespielt: Hier kann der Köllerbacher Julian Mertes (links) Gegenspieler Jan Philipp Grünewald nicht stoppen.
Zu diesem Zeitpunkt wurde noch gespielt: Hier kann der Köllerbacher Julian Mertes (links) Gegenspieler Jan Philipp Grünewald nicht stoppen. FOTO: Thiel Achim / Achim Thiel
Wadern. Abgebrochenes Saarlandpokal-Viertelfinale: Funktionär des FC Noswendel Wadern soll Köllerbachs Spielertrainer getreten haben. David Benedyczuk

Das Viertelfinale des Fußball-Saarlandpokals zwischen Verbandsligist FC Noswendel Wadern und den SF Köllerbach wurde am Mittwochabend abgebrochen. Was war auf dem Hartplatz der Sportanlage Christianenberg in Wadern passiert? Rund 20 Minuten vor dem Ende erzielte der Saarlandligist durch Mike Seewald per Kopf das vermeintliche 3:2. In der Nähe der Köllerbacher Bank jubelte eine Spielertraube, zu der auch der nicht am Spiel mitwirkende SF-Spielertrainer Robin Vogtland jubelnd hinzustieß.


Was in den Sekunden danach passierte, wird jetzt die Spruchkammer des Saarländischen Fußball-Verbandes (SFV) beschäftigen. „Ich bemerkte, dass das Tor wegen Abseits nicht gegeben wurde und war auf dem Weg zum Platz auf der Bank. Ich überlegte, ob ich auswechseln und sogar mich selbst einwechseln soll, als ich plötzlich einen Tritt von der Seite direkt aufs Knie bekam“, schilderte Vogtland seine Sicht. Er habe sich vor Schmerzen am Boden gekrümmt. Beim Angreifer handele es sich laut Zeugenaussagen um Noswendel Waderns Vorsitzenden Verwaltung.

Eine gezielte Attacke bestätigte unter anderem ein Köllerbacher Ersatzspieler (Oliver Wahl), der laut eigener Aussage genaue Sicht auf das Geschehen hatte: „Rechts neben unserer Bank standen ein paar ältere Herren, die schon mit Kraftausdrücken auffällig geworden waren. Als das Tor aberkannt wurde, sind sie auf den Platz und haben uns das provozierend unter die Nase gerieben. Einer der Herren hat unseren Spielertrainer dann gezielt getreten. Später kam heraus, dass es einer der Vorsitzenden war“, schilderte der Spieler. Der Beschuldigte habe sich daraufhin „hinter anderen versteckt und die Kapuze hochgezogen. Der Linienrichter hat das alles auch mitbekommen. Ich habe ihm noch mal gezeigt, wer derjenige war“, sagte der Köllerbacher, der zudem angab, der Beschuldigte habe sich später bei Vogtland entschuldigt. Das wurde von mehreren Beteiligten bestätigt. „Er sagte: Er weiß nicht, was ihn da geritten hat.“



Noswendel Waderns Vorsitzender Spielbetrieb, Franz-Josef Görgen, bestätigte der SZ eine Beteiligung seines Funktionärskollegen, laut seinen Informationen sei dem Ganzen aber ein Rempler von Vogtland gegen den FC-Funktionär vorausgegangen. Vogtland gab an, er könne sich an eine derartige Szene nicht erinnern: „Ich war voll im Fokus auf das Spiel.“ Der Vorsitzende Verwaltung des FC selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch Schiedsrichter Julian Geid wolle sich laut Christian Zepp, Obmann der Schiri-Gruppe Neunkirchen, der Geid angehört, wegen des „schwebenden Verfahrens“ nicht zum Vorfall äußern. Der von Geid angefertigte Sonderbericht lag der SFV-Spruchkammer gestern noch nicht vor, wie deren Vorsitzender Heinz Müller angab. Der erwartet im Laufe der nächsten Woche „je nach Sachverhalt eine mündliche oder auch nur schriftliche Verhandlung. Erst bekommen beide Vereine die Möglichkeit zur Stellungnahme.“

Der Ausgang bleibt somit offen. Klar scheint, dass die Partie auf Geids Initiative und nicht auf die der Köllerbacher hin abgebrochen wurde: „Als wir in der Kabine gewartet haben, kam der Schiedsrichter und sagte: Es wird nicht weitergespielt“, sagt Vogtland, bei dem später im Püttlinger Krankenhaus eine Knieprellung diagnostiziert wurde.