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Fußball-Bundesliga
„Wir sollten nicht alles in Frage stellen“

Präsident Uli Hoeneß (links) und Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge müssen bei der Mitgliederversammlung des FC Bayern München am heutigen Freitagabend auch mit Pfiffen rechnen.
Präsident Uli Hoeneß (links) und Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge müssen bei der Mitgliederversammlung des FC Bayern München am heutigen Freitagabend auch mit Pfiffen rechnen. FOTO: dpa / Sven Hoppe
München. Bei der Jahreshauptversammlung an diesem Freitag steht die Vereinsführung des FC Bayern München im Fokus. sid

Neun Punkte Rückstand auf Rivale Borussia Dortmund, nur Platz fünf in der Bundesliga, Dauer-Diskussionen um Trainer Niko Kovac und die Zukunft der Vereinsführung: Es gab schon gemütlichere Tage für eine Jahreshauptversammlung bei Bayern München. Doch die Bosse blicken dem „Parteitag“ am heutigen Freitag (19 Uhr) überraschend gelassen entgegen. „Ich glaube, es wird ein ruhiger Abend“, sagte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge.


Der Achtelfinal-Einzug in der Champions League mit dem 5:1 am Dienstag gegen Benfica Lissabon und die vorab veröffentlichten Rekordzahlen sollen die Volksseele beruhigen. „Wir haben wahnsinnig viel Erfolg gehabt seit 2012. Man kann sagen, wir hatten über sechs Jahre eine Dauerparty“, meinte Rummenigge: „Wir sollten jetzt nicht den Fehler machen, weil wir in der Tabelle nicht ganz da sind, wo wir selber natürlich gerne wären, das alles in Frage zu stellen.“

Zumindest finanziell stimmt die Bilanz. Der deutsche Fußball-Rekordmeister verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/2018 bei den Gesamteinnahmen mit 657,4 Millionen Euro erneut eine Bestmarke. Der Jahresüberschuss lag bei 29,5 Millionen Euro – nach Steuern. Das berühmte Festgeldkonto der Bayern ist also prall gefüllt, oder wie Rummenigge es mit Blick auf die geplante Transfer-Offensive im Sommer 2019 formulierte: „Das Pulver ist trocken.“



Dennoch rumort es an der Basis. Wenn Uli Hoeneß die Versammlung mit Punkt 1 der Tagesordnung („Bericht des Präsidenten“) eröffnet, könnte es auch Pfiffe geben. Selbst glühende Bayern-Fans schämten sich zuletzt für manche Aktion der Clubspitze wie etwa die Bosse-PK mit dem Frontalangriff auf die deutschen Medien oder den Bruch mit Vereinslegende Paul Breitner.

Während Kovac nach dem Sieg gegen Lissabon erst einmal durchatmen kann, stehen Hoeneß, Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic weiter im Fokus. Zwar stehen keine Neuwahlen an, doch der Umbruch in der Chefetage sollte auch aus Sicht vieler Anhänger langsam forciert werden. Stünden „morgen“ Nachfolger bereit, „von denen ich überzeugt bin, würde ich morgen aufhören“, sagte Hoeneß. Doch er tut sich bei der Suche sehr schwer. Es gebe „keine erste und keine zweite Lösung“, sagte Hoeneß, „es gibt Gedanken“.

In deren Zentrum steht Oliver Kahn. Der Ex-Kapitän ist der einzige Kandidat, mit dem es bisher offenbar Gespräche gegeben hat.Ein baldiger Einstieg des „Titans“ ist jedoch unwahrscheinlich. Rummenigge, das ist der Wunsch des Aufsichtsrats mit Chef Hoeneß an der Spitze, soll seinen Ende 2019 auslaufenden Vertrag verlängern. Zuletzt tat er dies immer um drei Jahre, denkbar sind aber auch wie zu Beginn seiner Amtszeit zwei. Sollte Rummenigge wie erwartet zusagen, könnte Kahn 2021 – möglicherweise nach einer Anlernphase als Sportvorstand – als Clubboss übernehmen. Wenn der „neue Rummenigge“ gefunden ist, kann sich Hoeneß (gewählt bis 2019) seinen Erben suchen. Der Notar Dieter Mayer, sein erster Vize, soll Interesse haben, heißt es intern.

Doch Hoeneß schwebt als Präsident ein Mann mit Erfahrung im Profifußball vor. Seine Begründung: „Wenn ich zu Franck Ribéry sage: Heute hast du wieder einen schönen Mist gespielt, und ich habe früher beim TSV Aurich gespielt, dann würde er sagen: Können wir uns über das Machen von Erdbeer-Marmelade unterhalten oder was, aber bitteschön nicht über Fußball.“