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Fußball-Bundesliga
Späte Siege als Bayern-Lebenselixier

Bayern-Trainer Jupp Heynckes nutzte das Spiel in Wolfsburg zum Wechseln und Experimentieren.
Bayern-Trainer Jupp Heynckes nutzte das Spiel in Wolfsburg zum Wechseln und Experimentieren. FOTO: dpa / Peter Steffen
Wolfsburg. Trotz Massenrotation siegen die Münchner beim VfL Wolfsburg mit 2:1.

Über das Champions-League-Heimspiel gegen Besiktas Istanbul am morgigen Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) wollte Jupp Heynckes noch nicht reden. Nach der beinahe misslungenen Massenrotation beim 2:1 (0:1)-Sieg beim VfL Wolfsburg wollte der Trainer des FC Bayern München das Bundesligaspiel erst einmal „sacken lassen“. Statt glücklich wirkte er angespannt.


Acht neue Spieler, eine vermurkste erste Halbzeit als Folge daraus und eine bessere zweite nach Wechseln – damit war Heynckes beschäftigt. Gleichwohl hatte der 72-jährige Trainer mit seinen vielen Wechseln und Experimenten in der Startelf in Kauf genommen, dass es „ein bisschen holprig werden würde“, wie er die massiven Startschwierigkeiten bezeichnete. Das habe er „einkalkuliert“, sagte der Trainer zur Champions-League-Generalprobe, die gerade wegen der vielen Wechsel eigentlich keine richtige war.

„Das ist zum jetzigen Zeitpunkt immer ein gewisses Risiko, auf so vielen Positionen zu wechseln“, analysierte Heynckes seine Entscheidung, Stars auf der Bank oder gleich ganz zu Hause zu lassen. Und erklärte seine Rotation so: „Es ist wichtig, alle Spieler mitzunehmen, dass sie Einsatzzeiten bekommen und das Gefühl haben: Ich gehöre dazu, und ich werde auch deutscher Meister.“



Trotz der frühen Führung durch Daniel Didavi (8.) lieferte die teure VfL-Mannschaft nur eine Abwehrschlacht. Sie musste sich – nach ein paar Korrekturen von Heynckes – der spielerischen Überlegenheit der Bayern beugen. Dass es nach dem Ausgleich von Sandro Wagner (64. Minute) bis zur Nachspielzeit dauerte, ehe Robert Lewandowski per Foulelfmeter für die Entscheidung sorgte, wirkte nur bei flüchtiger Betrachtung wie der berühmte Bayern-Dusel. Die späten Siege gelten als Markenzeichen und gehören offensichtlich zum Lebens­elixier der Bayern, wie Thomas Müller in einem Bandwurmsatz verriet: „Wenn man in die Gesichter der Gegner schaut, und die sich wieder fragen, warum es wieder ganz knapp gegen die Bayern nicht geklappt hat, dann ist das zwar ein bisschen unfair, aber fühlt sich für uns gut an.“

Müller hatte seinen Spaß, obwohl er erst in der 60. Minute eingewechselt worden war. „Dieser Wille, Spiele gewinnen zu wollen, obwohl es vorne vermeintlich nicht mehr wirklich spannend wird, macht einfach Spaß“, erklärte er und fügte an: „Die Mannschaft ist einfach geil.“

In Wolfsburg wird es für Trainer Martin Schmidt dagegen immer ungemütlicher. Nur noch ein Punkt trennt den VfL vom Relegationsrang – und so erwartet den Schweizer ausgerechnet bei der Rückkehr zum Abstiegskonkurrenten FSV Mainz 05 (ein Punkt weniger) am kommenden Freitag ein Endspiel. Zumal sich bei den Mainzern Trai­nerkollege Sandro Schwarz durch den 2:0-Sieg am Freitag bei Hertha BSC aus der Schusslinie gebracht hatte.