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Saarsport-Tribüne
Sorgenkinder, Perspektivlosigkeit und Existenzängste

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Die Stimmung im Saarsport ist seit Bekanntwerden des Skandals beim Landessportverband mehr als gedämpft. Ob das auch eine Ursache für die aktuellen Probleme der besten Vereine im Land ist? Von Kai Klankert
Kai Klankert

Aus der ursprünglichen Finanzaffäre beim Landessportverband für das Saarland ist längst eine sportliche Existenzkrise geworden. Und offensichtlich drücken die immer neuen Erkenntnisse derart auf die Stimmung im Saarsport, dass sich die besten Vereine im Land geradezu runterziehen lassen.


Aus den jubelnden Turnern der TG Saar sind längst Sorgenkinder geworden. Nur ein Sieg in vier Wettkämpfen – der deutsche Vizemeister war in der ersten Saisonhälfte ein Schatten seiner selbst. Und mit dieser Hypothek muss er bis September leben, ehe die Runde fortgesetzt wird. Hoffnung auf einen Einzug ins Endturnier der Deutschen Turnliga gibt es praktisch keine mehr.

Hoffnung ist auch das einzige, was die HG Saarlouis gerade noch am Leben hält. Der Abstieg aus der 2. Bundesliga scheint nicht mehr abzuwenden – und damit ein Umbruch bei dem Zuschauermagneten außerhalb des Saarfußballs unumgänglich. Die Gegner dürften künftig Nußloch und Oppenweiler heißen statt Nordhorn oder wie am Samstag TuSEM Essen. Und weil die Perspektive nicht rosig ist, haben sich die Junioren-Nationalspieler Lars Weissgerber und Jerome Müller längst für einen Wechsel entschieden. 1. Liga geht halt nicht im Saarland.



Diese Frage stellt sich auch im Frauen-Basketball. Die Saarlouis Royals trennten sich in der abgelaufenen Runde von Spielerinnen wie Maja Braatka oder Trainer Hermann Paar, weil kein Geld mehr da war. Immer wieder tauchen Gerüchte um einen Rückzug auf, die der Verein stets dementiert. Nur: Nach dem Abschied von Paar-Nachfolger Marc Hahnemann und zahlreicher Spielerinnen ist kein Personal mehr da. Wie soll die Zukunft aussehen? Zwar wird mit Ondrej Sykora, dem Ehemann der ehemaligen Royals-Spielerin Zuzana Polonyiova, ein neuer Trainer gehandelt, aber das Kernproblem, dass die 1. Liga kaum noch finanzierbar zu sein scheint, ist damit nicht gelöst.

Und weil sich der 1. FC Saarbrücken am kommenden Sonntag mit ziemlicher Sicherheit aus dem Rennen um die deutsche Tischtennis-Meisterschaft verabschieden wird (das Halbfinal-Hinspiel in Saarbrücken gegen Borussia Düsseldorf endete 1:3), bleibt nur noch ein Team übrig, dass der Krise im Saarsport trotzen kann. Der 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim kämpft am 5. und 6. Mai in der Joachim-Deckarm-Halle in Saarbrücken im Final Four um die deutsche Badminton-Meisterschaft – als Favorit. Und selten waren sportliche Erfolgsmeldungen so nötig wie heute.