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So "schwarz" ist da unten wohl doch nicht alles

So "schwarz" ist da unten wohl doch nicht alles

Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Das sagt man bei uns gern, wenn es sich denn anbietet. Anscheinend ist das in Südafrika nicht anders. In seinem Buch "Laduuuuuma! Wie der Fußball Afrika verzaubert" bringt Bartholomäus Grill einige schöne Beispiele, wie die Menschen dort mit Vorurteilen umgehen

Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Das sagt man bei uns gern, wenn es sich denn anbietet. Anscheinend ist das in Südafrika nicht anders. In seinem Buch "Laduuuuuma! Wie der Fußball Afrika verzaubert" bringt Bartholomäus Grill einige schöne Beispiele, wie die Menschen dort mit Vorurteilen umgehen. So fragte ein potenzieller Besucher aus Deutschland beim südafrikanischen Fremdenverkehrsamt an: "Gibt es Supermärkte in Kapstadt? Und gibt es das ganze Jahr über Milch?" Antwort: "Nein, wir sind eine friedliche Zivilisation von veganischen Beerensammlern, Milch ist verboten." Aha.

Autor Grill räumt mit vielen Klischees über Afrika und die Afrikaner auf. Das tut er mal humorig, mal ernsthaft und sachlich, aber immer mit einem angenehmen Unterton und in einem flüssigen Schreibstil. Es macht Spaß zu lesen, was der Journalist der "Zeit", der bereits seit mehr als 15 Jahren für das Wochenblatt im Süden Afrika tätig ist, erzählt und wie er das tut. Da ergeht sich keiner in Schwarzmalerei oder in Schönfärberei. Was den WM-Gastgeber angeht, werden Soll und Haben ganz klar aufgerechnet. Es gibt in Südafrika große Probleme wie ausufernde Kriminalität, Korruption und Massenarmut. Die Politiker des Landes können aber auch Erfolge vorweisen. So wurden Millionen neuer Jobs geschaffen, es existiert inzwischen ein System der öffentlichen Wohlfahrt, die Infrastruktur wird stetig ausgebaut und die Volkswirtschaft wächst.

Als Land extremer Gegensätze bringt uns Grill Südafrika also durchaus näher. Doch er zeigt uns auch einen Staat, der sehr wohl Zukunftsperspektiven hat. So "schwarz" ist da unten am Kap offensichtlich vieles gar nicht zu bewerten. Der Autor meint, dass sich Afrika die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft wahrlich verdient habe und beweisen könne, dass beim Verlauf alles klappe. "Kinder, funktioniert!" - so lautet denn auch das Motto einer Politikerin.

Nun aber zum Sport selbst. Auch hier schafft es Grill, die Begeisterung der Massen für den Fußball, seinen Zauber, aber auch seine negativen Seiten spannend und anschaulich zu schildern. Dabei erfährt man jede Menge Wissenswertes über die Geschichte und die Entwicklung der Gesellschaft in einzelnen afrikanischen Staaten. Natürlich ist darüber hinaus von den Schwierigkeiten, Träumen und Hoffnungen der jeweiligen Akteure die Rede, die im Fußball die verbindende, gemeinsame Leidenschaft gefunden haben. Kapitel über die Konkurrenz von Rugby und Fußball in Südafrika, über die das Spiel begleitenden Geister und magischen Mächte, über einen deutschen Trainer und seine Mission, über verbrecherische Machenschaften bis hin zum Massenmord, über den Weg Südafrikas zur WM und über Spiele auf einer Gefängnis-Insel beleuchten zudem Einzelaspekte rund um den Sport.

Ach so: "Laduuuuuma" heißt übrigens "Tooooor" - und es könnte nichts Treffenderes dieses Buch eines hinterfragenden Fußballbegeisterten für wissbegierige Fans betiteln. Die Lektüre bringt jedem Erkenntnisgewinn. Versprochen!

Bartholomäus Grill: Laduuuuuma! Wie der Fußball Afrika verzaubert, Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2009, 256 Seiten, ISBN 978-3-455-50121-6, 20,00 Euro.