1. Sport
  2. Saar-Sport

"So glücklich war ich lange nicht mehr"Keine Verwandte, aber eine wertvolle Ergänzung im Team

"So glücklich war ich lange nicht mehr"Keine Verwandte, aber eine wertvolle Ergänzung im Team

Frau Dimitrova, mit Cathrin Puhl und Mira Bimperling haben sich zwei Saarländerinnen für die Olympischen Spiele in London qualifiziert. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?Nelly Dimitrova: Die beiden sind unser Stolz. Bei internationalen Einsätzen der deutschen Mannschaften sind immer wieder viele Teilnehmer aus dem Saarland dabei

Frau Dimitrova, mit Cathrin Puhl und Mira Bimperling haben sich zwei Saarländerinnen für die Olympischen Spiele in London qualifiziert. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?Nelly Dimitrova: Die beiden sind unser Stolz. Bei internationalen Einsätzen der deutschen Mannschaften sind immer wieder viele Teilnehmer aus dem Saarland dabei. Aber die Olympischen Spiele sind einfach noch größer. 2000 in Sydney waren auch zwei Mädchen von uns dabei und jetzt, zwölf Jahre später, wieder.

Ziehen die jüngeren Mädchen daraus Extra-Motivation?

Dimitrova: Natürlich. Das ist eine große Motivation für den Nachwuchs. Dieser große Erfolg bietet ein gutes Beispiel, was man in dieser Sportart erreichen kann. Die Mädchen wollen auch alle so berühmt werden wie Cathrin und Mira. Und auch für mich als Trainerin ist es wichtig, dass dadurch die Motivation hochgehalten wird.

Was sind die Ziele der beiden in London?

Dimitrova: Sie wollen bei Olympia nicht nur dabei sein. Das Finale ist das Ziel. Dafür haben sie das Programm gänzlich umgestellt, wollen mehr auf das Publikum eingehen. Aber es wird extrem schwer, denn das Weltniveau ist riesig hoch.

Worauf kommt es bei einem solchen Turnier an?

Dimitrova: Die Nervenstärke macht den Unterschied. Auf diesem Niveau haben selbst kleine Fehler eine große Wirkung. Selbst die favorisierten Russinnen haben es, wegen kleiner Fehler, bei der Weltmeisterschaft fast nicht ins Finale geschafft. Aber unsere Mädchen sind nervenstark. Die Bundestrainerin sagt, dass die beiden eine positive Einstellung mitbringen und die ganze Mannschaft führen.

Werden Sie genau so aufgeregt sein wie Cathrin und Mira?

Dimitrova: Das bin ich jetzt schon. Ich war in Montpellier dabei, habe Druck, Freude und den Erfolg miterlebt. Ich stehe weiterhin in engem Kontakt zur Bundestrainerin, rufe die Mädchen oft an und versuche zu helfen. Der Sport ist eben mein Leben. Und so glücklich wie momentan war ich lange nicht mehr.

Wie sieht es bei der nächsten Generation aus? Wann sind die nächsten Olympia-Teilnehmerinnen zu erwarten?

Dimitrova: Das kann man noch nicht sagen. Die sind alle noch sehr jung. Mit Marja-Leena Hermann und Emily Schmeer haben wir schon wieder zwei Athletinnen im D/C-Kader des Deutschen Turnerbundes. Aber Sophia Gurevich, Nicole Linenko, Olga Baumann, Alena Bikow, Adelina Arifi und Anna Kim haben ebenfalls super Voraussetzungen. Auch unser Neuzugang Eva Antonova bringt viel Talent mit. Aber grundsätzlich muss man abwarten, wie sich die Mädchen in der Pubertät entwickeln.

Ist es bei der Rhythmischen Sportgymnastik besser, wenn die Mädchen groß werden, oder wenn sie eher klein bleiben?

Dimitrova: Das ist egal. Früher waren meistens kleinere Mädchen vorne dabei, heute sind sie eher größer. Cathrin Puhl und Mira Bimperling sind auch beide etwa 1,80 Meter groß. Was zählt, ist die Leistung.

Wie sieht der Trainingsalltag aus?

Dimitrova: Die meisten sind auf dem Gymnasium am Rotenbühl, wo sie auch morgens trainieren können. In der fünften Klasse wird 15 Stunden pro Woche trainiert, danach 18 bis 22 Stunden. Auch in den Ferien sind wir non-stop in der Halle. Dabei wird zwischen Ballett-Training, Kraft, Beweglichkeit und Gerätetechniken abgewechselt. Vor den Wettkämpfen wird natürlich mehr Choreografie gemacht. Die Mädchen werden dann meistens um halb acht abends abgeholt.

Wann sichtet Ihr die Talente und integriert sie in das Training?

Dimitrova: Ich beobachte die Mädchen auf Turnieren und in den Vereinen. Ich habe auch fast täglich Kontakt zu den Talentschulen in Saarbrücken oder Dillingen. Ich bin dankbar, dass vor allem der TV Fechingen, der TV Rehlingen, der TV St. Wendel und der Frauensportverein Saarbrücken sehr stark mitarbeiten. Die gesichteten Mädchen bleiben aber auf jeden Fall in den Vereinen oder den Talentschulen, bis sie zehn Jahre alt sind. Danach werden sie zu uns eingeladen und haben ein oder zwei Monate die Möglichkeit zu zeigen, was sie können. Das ist aber alles eine freiwillige Sache.

Was müssen die Mädchen mitbringen, um im Landeskader integriert zu werden?

Dimitrova: Die Mädchen fangen mit fünf oder sechs Jahren spielerisch mit dem Sport an und steigern sich dann kontinuierlich. Danach müssen sie Leistung zeigen - und das vor allem auch wollen. Und das geht nur mit Fleiß und Arbeit. Es zählt nicht, ob die Mädchen an einem Tag mal Lust haben oder nicht. Die Eltern einiger ehemaliger Kaderathletinnen sagen mir oft, dass diese Zeit auch für sie sehr anstrengend war, aber dass sie trotzdem dankbar sind, dass ihre Kinder bei uns so viel gelernt haben.

Stimmt es, dass die Mädchen aufgrund der erlernten Disziplin auch so gut in der Schule sind?

Dimitrova: Das hat sicher damit zu tun. Sport und Schule sind uns wichtig. Deshalb kommt uns auch das System mit dem Rotenbühl-Gymnasium zu Gute. Wir fragen die Mädchen täglich, wie ihre Noten sind, und ob sie, zum Beispiel vor Klassenarbeiten, Unterstützung brauchen. Dann bekommen sie früher frei. Viele unserer Athletinnen sind später Ärzte oder Anwälte geworden. Saarbrücken. Oft liest man die beiden Namen in einem Satz und denkt an ein Geschwisterpaar, das äußerst erfolgreich mit den saarländischen Talenten der Rhythmischen Sportgymnastik arbeitet. Eine Fehleinschätzung, wie Landestrainerin Nelly Dimitrova lachend zu verstehen gibt. "Nein, wir sind nicht verwandt", sagt die Bulgarin über ihre Ballett-Pädagogin Rositsa Dimitrova.

Die Zusammenarbeit des Trainerinnen-Gespanns, das durch die RSG-Saar-Trainerin Karin Schalda-Jung komplettiert wird, leidet darunter trotzdem nicht. "Wir arbeiten schon seit zehn Jahren zusammen. Dabei bin ich die Cheftrainerin und leite das Turnzentrum. Rositsa ist Ballett-Pädagogin. Das heißt, sie kümmert sich um die Ballett-Basis, die eine Grundlage unserer Sportart bildet, und um die Körpertechnik der Mädchen", erklärt Nelly Dimitrova die Verteilung der Aufgaben.

Dabei hebt sie den Stellenwert ihrer Trainerkolleginnen hervor, die viel zum Erfolg des Stützpunktes beigetragen haben. Neben der Rhythmischen Sportgymnastik ist Rositsa Dimitrova auch in das Training der Gerätturnerinnen des Saarländischen Turner-Bundes integriert. Die Landestrainerin, die in Bulgarien selbst eine aktive Gymnastin war, blickt nun, gemeinsam mit ihrer Namensvetterin, erwartungsfroh den Olympischen Spielen in diesem Jahr in London entgegen. jan

rsgsaar.de

Foto: ruppenthal

Foto: ruppenthal

Auf einen Blick

Die Saarlandmeisterschaften und der Landespokal in der Rhythmischen Sportgymnastik für die Altersklassen ab zehn Jahren finden am Sonntag, 18. März, in der Kreissporthalle in Dillingen statt. Meldeschluss ist am Samstag, 18. Februar. Ausrichter der Veranstaltung ist der TV Rehlingen.

Die Wettkämpfe in der Regionalliga West der Rhythmischen Sportgymnastik finden parallel in gleicher Halle statt. Ausrichter sind der TV Rehlingen und die RSG Saar. Auch hier ist der Meldeschluss am 18. Februar. jan