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So gleich und doch so verschieden

Leipzig. Mit Spektakel Sympathien gewinnen: Der VfL Wolfsburg erlebt derzeit das, was auch RB Leipzig für die Zukunft plant. Im DFB-Pokal treffen die beiden Konzern-Clubs heute Abend im Achtelfinale aufeinander. Sid-Mitarbeiterjörg Soldwisch

Viel Geld, wenig Sympathien, kaum Tradition - vor Saisonbeginn war das Image der Konzern-Clubs VfL Wolfsburg und RB Leipzig vergleichbar. Doch während die Wölfe mit ihrem Offensivspektakel fast sicher in die Champions League stürmen und Pluspunkte bei kritischen Fußballfans sammeln, stagniert das Projekt RB derzeit. Im heutigen Achtelfinale des DFB-Pokals (19 Uhr/Sky) will der Zweitligist den Spieß zumindest für einen Tag umdrehen.

"Das ist eine Mannschaft mit hoher Einzelspieler-Qualität, aber wir haben auch nicht lauter Blinde da vorne", sagte RB-Sportdirektor Ralf Rangnick . Das bewies das packende 3:2 am vergangenen Wochenende gegen Union Berlin , auch wenn die Offensive des VfL Wolfsburg mit Serientorschütze Bas Dost den Bullen mehr abverlangen wird. "Na und?", meinte Rangnick, "dann müssen wir halt vier Tore schießen."

Der Anspruch bleibt hoch beim finanzstarken Emporkömmling, auch wenn aus dem geplanten Durchmarsch in die Bundesliga wohl nichts wird. Der Aufstieg ist für das kommende Jahr fest eingeplant, dann vielleicht mit Wunschtrainer Thomas Tuchel. Mittelfristig will sich der Brauseclub von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz auf Augenhöhe mit Wolfsburg , Dortmund und Bayern München bewegen.

"Dietrich Mateschitz hat gesagt, er möchte nicht erst 80 sein, wenn RB Leipzig deutscher Meister wird", verriet Rangnick der "Welt am Sonntag". Der Meister-Auftrag des 70 Jahre alten Chefs sei "sehr anspruchsvoll", sagte der für seinen ausgeprägten Ehrgeiz bekannte Rangnick, "aber auch nicht völlig unmöglich".

Die Wolfsburger sind den Bayern deutlich dichter auf den Fersen, einen Titel können sie dieses Jahr aber wohl nur in der Europa League (Achtelfinale gegen Inter Mailand ) oder im DFB-Pokal gewinnen. Daher will der VfL den klassentieferen Pokalgegner nicht auf die leichte Schulter nehmen. "Wir dürfen nicht ein Prozent nachlassen", forderte Linksverteidiger Marcel Schäfer.

Sollten Tormaschine Dost (elf Rückundentreffer) und Vorlagenkönig Kevin de Bruyne (15 Assists) ihre Form halten, wird der VfL nicht nur erfolgreich bleiben, sondern auch weitere Sympathiepunkte sammeln. "Wir haben mit unserem Fußball sehr positive Signale in die Bundesliga wie auch ins Ausland gesendet", meinte VfL-Manager Klaus Allofs .

Das will RB Leipzig in Zukunft auch. Die Voraussetzungen dafür sind in der Messestadt sogar besser als in der Autostadt. Gegen Wolfsburg wird die Arena mit 43 500 Zuschauern erstmals bei einem Pflichtspiel der Bullen ausverkauft sein. Interimstrainer Achim Beierlorzer weiß, was seine Mannschaft zeigen muss: "Angriff ist die beste Verteidigung."