| 20:43 Uhr

Ski alpin
So früh in der Saison schon so gut

Stefan Luitz feiert seinen dritten Platz beim Weltcup-Riesenslalom in Beaver Creek wie ein Formel-1-Fahrer.
Stefan Luitz feiert seinen dritten Platz beim Weltcup-Riesenslalom in Beaver Creek wie ein Formel-1-Fahrer. FOTO: John Locher / dpa
Beaver Creek. Deutsche Skirennfahrer fahren einen Podestplatz nach dem anderen ein und machen Hoffnung auf Olympia-Medaillen.

Auch das letzte Bild aus Nordamerika bewies noch einmal, wie bemerkenswert diese Tage dort waren. Da stand in der Mitte Marcel Hirscher, der famose Österreicher, rechts von ihm Henrik Kristoffersen, sein Rivale aus Norwegen. So weit, so erwartbar. Den dritten Platz auf dem Podium aber hatte ein bislang eher seltener Gast eingenommen: Stefan Luitz. „Unglaublich“, sagte der junge Mann aus dem Allgäu über seinen Coup.



Sehr erstaunlich ist die Ausbeute, mit denen die deutschen Ski-Rennläufer gestern in Deutschland ankamen. Die Bilanz nach den zwei Wochenenden in Übersee: drei Siege, drei weitere Podestplatzierungen, dazu zahlreiche gute, auch überraschende (Spitzen-)Resultate. Und die freudige Feststellung, dass bereits acht Alpine für die Olympischen Spiele qualifiziert sind. „Ich bin extrem happy“, sagte Sportdirektor Wolfgang Maier.

Die Deutschen sind schon fast so weit, dass sie sich über dritte Plätze ärgern. Luitz, der extrem Talentierte, von Maier, dem fordernden Förderer gern „mein Unvollendeter“ genannt, war nach dem ersten Lauf immerhin Erster. „Das war“, sagte Maier, „eine Augenweide“. Der finale Durchgang aber „war nicht so schön“, wie Luitz einräumte. Zum ersten Mal lag er in Führung – da flatterten dem 25-Jährigen ein bisschen die Nerven.

Dass Luitz häufiger dorthin gehört, wo er nach dem Riesenslalom auf der Piste von Beaver Creek stand, darüber gibt es im deutschen Lager keine zwei Meinungen. Dem standen bislang aber nur vier Podestplatzierungen gegenüber. Die fünfte rettete Luitz trotz des missratenen zweiten Laufs, und immerhin, stellte er mit einem Lächeln fest, „ist es super, die Saison mit einem Podium zu beginnen – und die Olympia-Quali habe ich jetzt auch schon“. Luitz bekannte, deshalb „ganz schön unter Druck“ gestanden zu haben.

Die drei Abfahrer Thomas Dreßen, Andreas Sander und Josef Ferstl hatten die Startberechtigung für Pyeongchang bereits ergattert, Neureuther mit seinem Auftaktsieg und die zweifache Saisonsiegerin Viktoria Rebensburg sowieso. Dazu haben Lena Dürr und Kira Weidle die Kriterien erfüllt. Luitz sagte: „Die Abfahrer, die Mädels, boah, da musste ich nachlegen.“



Maier kommt aus dem Staunen nicht heraus: „Ich bin ehrlich: Ich hätte nicht gedacht, dass wir so früh in der Saison so gut dastehen“, zumal ja „der Felix, der ja immer unser Fels in der Brandung war, nicht dabei ist“. Die deutschen Alpinen seien in der Breite „nicht so gut aufgestellt. Aber alle bringen derzeit Leistung auf den Punkt.“ Maier mag gar nicht glauben, „dass wir jetzt schon sechs Podien haben“. In der gesamten vergangenen Saison waren es zehn. Am meisten erfreut ihn der Aufschwung der Abfahrer, deren Existenz er im Frühjahr 2014 schon in Frage gestellt hatte, ehe der Österreicher Mathias Berthold als Cheftrainer zurückkehrte und die Prognose wagte: „In Pyeongchang wollen wir so weit sein, dass wir um die Medaillen mitfahren können.“

„Die Abfahrer“, sagte Maier, „sind der Hammer“. Er lobte aber ausdrücklich auch den Aufwärtstrend der Frauen. „Mega cool“ sei das alles, sagte etwa Viktoria Rebensburg. Ihre persönliche Bilanz von Lake Louise (Siebte und Zweite in den Abfahrten, 13. im Super-G) fand sie „ordentlich“. Fast schon untertrieben, aber auch eine bemerkenswerte Einschätzung dieser Tage.