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SLB: Saarländischer Leichtathletikbund eröffnet eigene Geschäftsstelle

Kostenpflichtiger Inhalt: Verband wird eine eigene Geschäftsstelle eröffnen : Leichtathleten machen ihr eigenes Ding

Der saarländische Verband wird eine eigene Geschäftsstelle eröffnen und das neue Service-Angebot des LSVS ausschlagen.

Um Lothar Altmeyer, den Präsidenten des Saarländischen Leichtathletik-Bundes (SLB), ist es still geworden. Zumindest in der Öffentlichkeit hält sich Altmeyer mit Äußerungen zurück. Verständlich, schließlich gehörte Altmeyer zum alten Präsidium des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS), unter dem die Finanzaffäre des LSVS ans Licht kam. Gegen Studiendirektor Altmeyer, Leiter des Sportzweiges an der Eliteschule des Sports am Rotenbühl-Gymnasium, und seine alten Präsidiumskollegen wurde ein Verfahren wegen des Verdachts der Haushaltsuntreue eingeleitet – und gegen eine Geldauflage eingestellt.

Altmeyer, der 40 000 Euro zahlen musste, tauchte in den vergangenen zwei Jahren selten auf, wenn es zwischen der neuen LSVS-Führung um Noch-Präsident Adrian Zöhler und verschiedenen Sportfachverbänden wegen des durchaus umstrittenen Sanierungskonzepts für den LSVS knirschte. Der SLB, der 14 415 Mitglieder in 127 Vereinen hat, zählte zu den größten Kritikern – das Wort führte aber zumeist Monika Schwarz, die Vizepräsidentin Kinder- und Jugendleichtathletik und Vertreterin des SLB im LSVS-Vorstand. Bis zum vergangenen Freitag.

Da verschickte der SLB eine Pressemitteilung, in der er eine brisante Entscheidung verkündete. In einer außerordentlichen Generalversammlung am vergangenen Mittwoch hatten die Vereine des SLB mit großer Mehrheit beschlossen, dass der Verband vorläufig eine eigene Geschäftsstelle außerhalb der Struktur des LSVS einrichten soll. Hintergrund ist die neue Aufbauorganisation des LSVS, in der unter anderem das alte System der Geschäftsstellen für die Sportfachverbände zum Januar 2020 aufgelöst wurde und durch sogenannte „Service Points“ ersetzt wurde.

Die saarländische Leichtathletik brauche eine Geschäftsstelle – das zumindest ist die Auffassung des SLB-Präsidiums um Altmeyer, der die „untragbare Situation“ seit Beginn des Jahres mit den Verhältnissen in den anderen 19 Landesverbänden des Deutschen Leichtathletik-Verbandes verglich und mit den Worten zitiert wird: „Alle haben ausnahmslos eine Geschäftsstelle mit bis zu zehn Mitarbeitern in den großen Verbänden. Keiner meiner Präsidenten-Kollegen in den anderen Ländern kann sich überhaupt vorstellen, dass ein Leichtathletik-Verband ohne Geschäftsstelle funktionieren kann.“

Der Einschnitt für den SLB sei so schwerwiegend, sagt Altmeyer weiter, dass die organisatorischen Notmaßnahmen von den Mitgliedern, also den Vereinen, getragen werden müssten. Die derzeitige Situation, in der ehrenamtliche Präsidiumsmitglieder Aufgaben der ehemaligen Geschäftsstelle übernähmen, überschreite die Grenze des Zumutbaren. Entsprechend deutlich fiel die Abstimmung pro eigene Geschäftsstelle – und gegen das LSVS-Angebot der Servicestellen – aus: Von 356 Stimmen entfielen 309 gegen die Annahme des LSVS-Angebots. In einer zweiten Abstimmung votierten 328 Stimmen für die Einrichtung einer Geschäftsstelle außerhalb der LSVS-Struktur – zumindest für die Dauer eines Jahres.

Der SLB wird sich nun also auf die Suche nach Räumlichkeiten und Personal machen. „Wir haben bewusst das Votum der Mitgliederversammlung abgewartet“, sagt Lutwin Jungmann, SLB-Vizepräsident Kommunikation. Aus praktischen Gründen würde man am liebsten ein Büro an der Hermann-Neuberger-Sportschule mieten. LSVS-Präsident Adrian Zöhler sagt: „Wir haben noch keine Rückmeldung seitens des SLB vorliegen, daher kann ich dazu grundsätzlich nur sagen: Es steht natürlich jedem Fachverband frei, das Angebot des LSVS anzunehmen oder eine eigene Alternative zu wählen. Eine Bewertung dazu steht mir nicht zu.“

Lothar Altmeyer, der Präsident des Saarländischen Leichtathletik-Bundes (SLB). Foto: Schlichter/Andreas Schlichter
Adrian Zöhler, der Präsident des Landessportverbandes für das Saarland. Foto: dpa/Birgit Reichert

Ob sich an der Sportschule Platz für den SLB findet, wird sich zeigen. „Es haben sich bereits andere Sportverbände an uns gewandt mit der Frage nach Räumlichkeiten“, sagt Zöhler, „das prüfen wir derzeit ganz genau. Da wir seitens des LSVS weiterhin die Mehrheit der Verbände betreuen, brauchen wir einen Teil der Räumlichkeiten natürlich selbst. Was darüber hinaus zur Verfügung steht, kann von den Landesverbänden gemietet werden. Ein entsprechendes Angebot haben wir dem SLB bereits im Dezember gemacht.“ Dieses Angebot hat das SLB-Präsidium allerdings schon als „nicht annehmbar“ abgelehnt.