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Skilanglauf-Weltcup beginnt
Johaug ist endlich raus aus dem Doping-Tal

Langlauf-Star Therese Johaug lacht. Die Norwegerin darf nach ihrer 18 Monate langen Dopingsperre wieder am Weltcup teilnehmen.
Langlauf-Star Therese Johaug lacht. Die Norwegerin darf nach ihrer 18 Monate langen Dopingsperre wieder am Weltcup teilnehmen. FOTO: dpa / Fredrik Varfjell
Kuusamo. Norwegens Skilanglauf-Star darf nach einer vieldiskutierten Sperre beim Weltcup-Auftakt in Finnland starten – und freut sich riesig. sid

Da waren sie wieder, die Tränen der Therese Johaug. Diesmal weinte Norwegens Skilanglauf-Königin nicht aus Wut über ihre Dopingsperre oder die vieldiskutierte Lippencreme, sondern aus Rührung über ihre Mutter. „Thereses Rückkehr hat mein Herz, das Herz einer Mama erwärmt“, sagte Gro Johaug, als ihre Tochter gerade ihr erstes Rennen auf Schnee nach 958 Tagen bestritten und gewonnen hatte. Wenige Meter entfernt schossen Therese die Tränen in die Augen.


18 Monate lang war Johaug gesperrt gewesen. Sie hat in dieser Zeit die Welt bereist, eine Modekollektion entworfen, als Model gearbeitet, vor allem aber hat sie trainiert. Wenn an diesem Wochenende im finnischen Kuusamo die Weltcup-Saison beginnt, steht das Glamour Girl wieder am Start. Und das als Mitfavoritin: Bei der Generalprobe in Beitostölen gewann die 30-Jährige über zehn Kilometer sowohl im klassischen als auch freien Stil. Mutter Gro und Vater Thorvall standen an der Strecke und jubelten mit.

„Vor dem Start war ich nervös. Aber als es einmal losging, wollte ich gar nicht mehr aufhören. Ich hätte noch eine Extra-Runde laufen können“, sagte Johaug. Die siebenmalige Weltmeisterin verwies jeweils ihre Teamkollegin Ingvild Flugstad Östberg, immerhin zweimalige Olympiasiegerin, klar auf Rang zwei. „Es fühlt sich unglaublich an, wieder in der Langlauf-Familie dabei zu sein, all die bekannten Gesichter zu sehen und die Rufe der Fans zu hören“, sagte Johaug.



Im Herbst 2016 hatte Johaug schon einmal in der Öffentlichkeit geweint, als sie positiv auf das Steroid Clostebol getestet worden war. Die verbotene Substanz war in einer Lippencreme enthalten, die sie vom Teamarzt Fredrik Bendiksen bekommen hatte – aufgrund eines Sonnenbrands auf ihrer Lippe während eines Trainingslagers in Livigno. Bendiksen hatte die Creme in einer örtlichen Apotheke gekauft.Bendiksen erklärte, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass die Creme Clostebol enthalte, obwohl das Präparat mit einem Doping-Warnhinweis versehen war. Er nahm alle Schuld auf sich („Das ist schwer auszuhalten“) und trat zurück. Johaug, die den Warnhinweis auf der Verpackung übersehen hatte, wurde nach einigem Hin und Her für 18 Monate gesperrt und verpasste auch die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang.

Rückendeckung erhielt Johaug in dieser Zeit von Superstar Marit Björgen. „Ich hätte in dieser Situation genau dasselbe getan wie Therese“, sagte die Rekordweltmeisterin, die jahrelang in der Staffel an der Seite von Johaug gelaufen war. Björgen ist inzwischen zurückgetreten, mit 38 Jahren und nach acht olympischen Goldmedaillen. Johaugs Rückkehr kommt also gerade recht, gilt es doch, eine Lücke zu füllen.

Der Anfang ist jedenfalls gemacht – nach vielen, vielen Stunden mit „dem besten Trainingspartner der Welt“, ihrem Hund. Kein Wunder also, dass Johaugs Eltern beim Comeback in Beitostölen vor Stolz platzten. „Es war eine harte Zeit, aber wir haben zusammengestanden“, sagte Mutter Gro. Und Vater Thorvall fügte hinzu: „Es ist einfach toll, sie wieder mit einer Startnummer auf dem Trikot zu sehen.“ Tochter Therese lauschte und schluchzte – und will jetzt auch im Weltcup durchstarten.