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Fußball-Regionalliga Südwest
Vom Abstellgleis zurück ins Rampenlicht

Elversberg. Der Luxemburger Aldin Skenderovic will die Personalprobleme der SV Elversberg in der Innenverteidigung für sich nutzen. Von Heiko Lehmann

Schulterklopfer von allen Seiten, eine Umarmung mit dem Trainer und viele Interviews. Aldin Skenderovic war nach dem 2:0-Sieg der SV Elversberg gegen Wormatia Worms ein gefragter Mann. Dabei rutsche der 21-Jährige nur ins Team, da sich bei der SVE binnen kurzer Zeit drei Innenverteidiger verletzten – Oliver Stang, Mike Eglseder und zuletzt Marco Kofler. Davor spielte Skenderovic in fünf Monaten gerade einmal 45 Minuten Regionalliga.


„Als das Spiel vorbei war, war ich erleichtert. Ich habe keine Fehler gemacht, und wir haben als Mannschaft sehr gut funktioniert. Es war ein schönes Gefühl“, sagt der luxemburgische Nationalspieler, der in der vergangenen Saison in der Winterpause nach Elversberg kam und in drei Monaten elf Spiele machte.

In dieser Saison spielte der 21-Jährige plötzlich keine Rolle mehr. „Da stellt man sich schon die Frage, warum die SVE mich überhaupt geholt hat. Wenn man auf der Tribüne sitzt, ist das eine harte Zeit. Da können junge Spieler auch daran zerbrechen“, sagt Skenderovic. Er ist nicht daran zerbrochen und weiß auch warum. „Ich bin keiner, der aufgibt. Außerdem habe ich tolle Mitspieler, die mir sehr viel Halt gegeben und mich motiviert haben. Vor allem Leandro Grech hat viel mit mir in der schweren Zeit geredet“, erklärt der neue SVE-Innenverteidiger, der mit 20 Jahren beim luxemburgischen Erstligisten Titus Petingen ebenfalls Innenverteidiger und darüber hinaus Kapitän war.



Warum bei der SVE niemand auf ihn als Innenverteidiger setzte, weiß er nicht – und er möchte an die Zeit, bevor Horst Steffen das Traineramt von Roland Seitz übernahm, auch gar nicht mehr denken. Mit nur vier Spielen in der zweiten Mannschaft in der Saarlandliga und vier Spielen in der U21-Nationalmannschaft von Luxemburg in einem halben Jahr lieferte Skenderovic praktisch ohne Spielpraxis eine Leistung in Worms ab, wie sie wohl nur wenige erwartet hatten. „Die Position in der Innenverteidigung ist ja nicht neu für mich. Ich weiß genau, was ich dort tun muss“, sagt er.

An diesem Freitag (19 Uhr, Kaiserlinde) wird Skenderovic im Spiel gegen den FC Homburg wieder als zweiter Innenverteidiger neben Kapitän Grech auflaufen – Stang, Kofler und Eglseder fallen ja teilweise langfristig aus. Dann wird sein Gegenspieler Patrick Dulleck heißen. Der hat bereits neun Saisontore erzielt und zählt zu den besten Stürmern der Liga. „Homburg hat im Spiel nach vorne enorme Qualität, aber die haben wir auch. Ich hoffe, dass ich wieder meine Chance bekomme. Den Rest werden wir sehen“, sagt der 21-Jährige.

Nach Elversberg war er gekommen, um im Profifußball durchzustarten. Vielleicht ist jetzt genau der richtige Moment dazu. Dass sich Skenderovic vor den Stürmern in der Regionalliga Südwest nicht mehr vor Angst in die Hosen macht, ist auch erklärbar, denn da kamen schon ganz andere Kaliber auf ihn zu. Im September des vergangenen Jahres spielte er mit der luxemburgischen Nationalmannschaft gegen den späteren Weltmeister Frankreich. Das Spiel endete 0:0, und Skenderovic schaltete Größen wie Antoine Griezmann und Paul Pogba aus. „Ich glaube, das war bislang der größte Tag in meiner Karriere. Am Anfang waren wir alle sehr nervös. Mit jeder Minute wurden wir stärker. Und wir sind alle über uns hinausgewachsen. Im Fußball ist nichts unmöglich“, erinnert er sich. Und mit diesen Gedanken will er nun auch seine Chance bei der SV Elversberg nutzen – und nach einer kurzen Anlaufzeit richtig durchstarten.