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Saarderby in der Regionalliga Südwest
Saarbrücker Vergangenheit trifft Gegenwart

Sven Sökler war fünf Jahre beim FCS, im Sommer 2017 wechselte er die Seiten und fiebert nun dem Derby entgegen.
Sven Sökler war fünf Jahre beim FCS, im Sommer 2017 wechselte er die Seiten und fiebert nun dem Derby entgegen. FOTO: Wieck / Thomas Wieck
Homburg. Derby der besonderen Art: Der FC Homburg hat einen Ex-Trainer des 1. FC Saarbrücken und sieben ehemalige FCS-Spieler im Kader. Von Ralph Tiné

Grün-weiß oder blau-schwarz? Wenn an diesem Samstag um 14 Uhr der FC Homburg den 1. FC Saarbrücken zum Regionalliga-Derby im Waldstadion empfängt, stellt sich einmal mehr die älteste Glaubensfrage im saarländischen Fußball. Seit Jahrzehnten stehen sich die Fans beider Lager weitgehend unversöhnlich gegenüber, ein Seitenwechsel ist absolut undenkbar. Dass die Situation beim sportlichen Personal anders aussieht, ist in der laufenden Saison dagegen sehr gut zu beobachten.


Sieben Spieler des aktuellen Homburger Kaders sind direkt oder über Zwischenstationen von Saarbrücken nach Homburg gekommen. Dazu kommt Jürgen Luginger, der von 2010 bis 2013 die Landeshauptstädter trainierte und seit 2017 in Homburg an der Seitenlinie steht. „Das ist alles schon wieder so lange her, das ist heute schon wieder ganz normal. Für mich persönlich ist das Spiel natürlich nicht so besonders wie für die Fans“, geht der FCH-Trainer die Partie mit weniger Emotionalität als das Umfeld an.

Nichtsdestotrotz sei er wie seine Spieler vor dem Derby „motiviert bis in die Haarspitzen“. Dass so viele in der Mannschaft eine Saarbrücker Vergangenheit haben, bewirkt laut Luginger einen zusätzlichen Motivationsschub. „Zum einen ist es ein Derby vor großer Kulisse, worauf jeder Fußballer sowieso heiß ist. Dazu kommt, dass viele wissen, was dieses Spiel für den Verein und die Fans bedeutet“, sagt Luginger.



Mittelfeldspieler Sven Sökler ist einer, der schon einige Derbys miterlebt hat – bisher allerdings immer im Trikot des kommenden Gegners. „Ich war fünf Jahre lang in Saarbrücken und hatte dort auch eine schöne Zeit. Natürlich ist das für mich kein Spiel wie jedes andere. Dass man da besonders motiviert ist, ist doch klar“, sagt der 33-Jährige, der 2017 vom FCS in die Saarpfalz gewechselt ist. Ob Sökler am Samstag dabei sein wird, ist noch nicht abschließend geklärt. In Freiburg stand der Offensivmann, der schon von 2011 bis 2013 unter Luginger gespielt hatte, nicht im Kader und spielte stattdessen mit der Homburger Zweiten in der Saarlandliga gegen Borussia Neunkirchen (0:0). Sökler zeigt Verständnis: „Es ist nicht einfach für den Trainer. Wir wissen alle, dass wir einen starken Kader haben – und diesmal hatte es mich erwischt. Ich werde aber alles versuchen, dass ich gegen meinen Ex-Club dabei sein werde.“

Dass Luginger, wenn er es für sportlich geboten hält, auch einen langjährigen Wegbegleiter nicht von harten Entscheidungen verschont, zeigt, dass der Vorwurf eines angeblich zu weichen Umgangs, der ihm am Ende seiner Zeit in Saarbrücken gemacht worden war, heute nicht mehr passt. „Als Mensch habe ich mich nicht verändert, aber man lernt dazu und entwickelt sich weiter. Ob ich härter geworden bin, kann ich ich nicht sagen – ich würde eher sagen konsequenter“, beschreibt Luginger seine eigene Veränderung von damals zu heute.

Anders als Sökler wird David Salfeld sicher in der Startelf stehen. Der Torwart, der ebenfalls 2017 aus Saarbrücken nach Homburg gekommen ist, stand nach seiner Rotsperre in Freiburg wieder zwischen den Pfosten. „Das war superwichtig, dass wir jetzt mit drei Punkten im Gepäck gegen Saarbrücken ins Spiel gehen können“, ist der 27-Jährige heilfroh darüber, nach zuvor drei Niederlagen in Folge gegen Freiburg II das Ruder wieder herumgerissen zu haben. Einen Sieg gegen seinen früheren Club würde Salfeld nur zu gerne mitnehmen: „Wenn es gegen den Ex-Verein geht, gibt es natürlich noch ein Extrakitzeln.“

Die alten Hasen haben auch den saarländischen Neulingen schon eingeimpft, dass es gegen den FCS um mehr als drei Punkte geht. „Die anderen, die länger hier sind, haben uns schon erklärt, dass das Derby ein Riesenspiel für die Menschen hier ist“, sagt Andreas Knipfer, der vor der Saison vom 1. FC Nürnberg II nach Homburg gewechselt ist. Am Samstag wird sich dann zeigen, ob die Saarbrücker Vergangenheit oder die Saarbrücker Gegenwart die Nase vorne haben wird.

Auch FCH-Trainer Jürgen Luginger hat eine Saarbrücker Vergangenheit.
Auch FCH-Trainer Jürgen Luginger hat eine Saarbrücker Vergangenheit. FOTO: Andreas Schlichter
Torhüter David Salfeld spricht bereits von einem „Extrakitzeln“.
Torhüter David Salfeld spricht bereits von einem „Extrakitzeln“. FOTO: Andreas Schlichter