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Seltsame Begleiterscheinungen im Vertragsstreit eines Handballers

Seltsame Begleiterscheinungen im Vertragsstreit eines Handballers

Der Vertragsstreit zwischen Jakub Balaz und dem Handballverein SGH St. Ingbert ist außergewöhnlich

Der Vertragsstreit zwischen Jakub Balaz und dem Handballverein SGH St. Ingbert ist außergewöhnlich. Nicht ohne Grund sagte Richterin Caroline Oldenburg beim ersten Gütetermin vergangene Woche vor dem Zivilgericht in Saarbrücken, dass sie bei ihrer Recherche im Vorfeld keinen vergleichbaren Fall gefunden habe und man sich sozusagen in einem "leeren Raum bisheriger Rechtssprechung" befinde.

Viele Fragen sind nicht nur dem Gericht unklar. War der damals 18-jährige Balaz eine Ablöse von 10000 Euro wert, die die SGH an seinen Verein Kosice bezahlt hat? Und wie setzen sich die 50000 Euro im Detail zusammen, die die SGH nun als Ablöse haben will? Der Transfervertrag zwischen SGH und Kosice, wonach der deutsche RPS-Oberligist bei einem Weiterverkauf angeblich 30 Prozent der Summe in die Slowakei überweisen muss, liegt dem Gericht bislang nicht vor. Warum eigentlich nicht?

Es ist kein Geheimnis: Kein Verein der Welt dürfte bereit sein, für Jakub Balaz 50000 Euro zu zahlen. Nur: Was ist er wert? Sein Marktwert ist nicht an eine vertragliche festgeschriebene Summe gekoppelt. Selbst die 5000 Euro, die der Regionalligist HG Saarlouis vor Wochen für einen sofortigen Wechsel geboten hat, scheinen überraschend hoch - in einer Zeit, in der im Handball selten Ablösen gezahlt werden, weil sich die Vereine in der Regel nach Spielern umschauen, deren Verträge auslaufen oder ausgelaufen sind.

Keine Frage: Jakub Balaz ist hochtalentiert, er ist ein überdurchschnittlicher Spieler - aber in der vierten Liga. Und er hat seit einem halben Jahr nicht mehr gespielt. Außer der HG Saarlouis dürfte kein Verein bereit sein, überhaupt Geld auf den Tisch zu legen.

Dass dies der SGH St. Ingbert wiederum nicht gefällt, ist klar - immerhin hat sie 10000 Euro für Balaz bezahlt. Und so verwundert es nicht, dass Abteilungsleiter Klaus Weiland vermutet, Saarlouis wolle sich hier einen guten Spieler zum "Schnäppchenpreis" angeln.

Dass man als Beobachter in der Tat den Eindruck gewinnt, nicht Jakub Balaz klage wegen eines sittenwidrigen Rechtsgeschäfts gegen den bestehenden Vertrag (bis Juni 2010), sondern die HG Saarlouis - das hat einen einfachen Grund: Balaz' Anwalt Dietmar Comtesse. Er gehört der Vereinsführung der HG Saarlouis, dem so genannten HG-Ausschuss, an. Eine überaus unglückliche Verquickung, zumal die aktuellen Personalprobleme der HG Saarlouis weithin bekannt sind.

Neben Comtesse - und doch zwischen allen Stühlen - sitzt Jakub Balaz, der sich weder vor Gericht äußerte, noch dies in der Öffentlichkeit tun will. Jakub Balaz - ein Talent, dessen Stern am saarländischen Handball-Himmel vor einem Jahr hell leuchtete. Inzwischen ist es dunkel geworden. Und wann und wie die einst hoffnungsvolle Karriere fortgesetzt wird, das steht noch in den Sternen.