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Selina Jörg rast im Parallel-Riesenslalom zu Gold

Snowboard-WM : Jörg toppt alle und patzt nur bei der Hymne

Die 31-jährige Allgäuerin rast bei der Weltmeisterschaft in Park City in Abwesenheit von Superstar Ester Ledecka auf den Snowboard-Thron.

Weltmeisterin Selina Jörg lauschte im Schneetreiben von Park City ergriffen der deutschen Nationalhymne, als es ihr plötzlich die Sprache verschlug. „Ich konnte gar nicht wirklich mitsingen, weil ich echt von meinen Gefühlen übermannt wurde“, sagte die neue Snowboard-Königin: „Aber es war ein mega Gefühl, das toppt alles.“

Jörg nutzte in der Nacht zu Dienstag die Gunst der Stunde: Bei Olympia 2018 noch „Kronprinzessin“ hinter Szene-Königin Ester Ledecka, raste die 31 Jahre alte Allgäuerin beim Parallel-Riesenslalom in Abwesenheit der Tschechin zur ersten deutschen Goldmedaille seit jener von Isabella Laböck 2013 in Stoneham/Kanada.

Vor sechs Jahren war Jörg noch im Achtelfinale gescheitert, die Siegerehrung verfolgte sie als Zuschauerin – nun wurden die Erinnerungen an damals wach: „Ich musste ein paar Mal an die Bella denken, wie ich mich mit ihr gefreut habe. Jetzt selber da oben zu stehen und zu wissen, für mich ganz alleine wird die Hymne gespielt – da sind mir echt die Tränen gekommen.“

Bei Snowboard Germany, das zudem Bronze durch Stefan Baumeister bejubelte, haben sie Jörg diesen Triumph immer zugetraut. Doch während ihre Teamkolleginnen Laböck, Amelie Kober oder Anke Wöhrer bei WM und Olympia zu insgesamt sieben Medaillen rasten, sammelte sie nur vierte Plätze. Erst in Pyeongchang platzte vor einem Jahr endlich der Knoten, als Jörg vor Ramona Hofmeister zu Silber fuhr, geschlagen nur von Ledecka.

Die Tschechin aber entschied sich in diesem Winter, bei der alpinen Ski-WM zu starten. Wird Jörgs Sieg durch die Abwesenheit der Dominatorin geschmälert? „Nein, für mich gar nicht“, sagte sie und fügte verschmitzt an: „Wir haben ja noch ein paar Aufeinandertreffen in diesem Jahr.“ Dann jedoch ist Ledecka die Herausforderin der neuen Snowboard-Königin aus Sonthofen.

Im ersten Moment, bekannte Jörg, habe sie „ehrlich gesagt nicht ganz glauben“ können, was ihr da in den Rocky Mountains gelungen war. Zwar fuhr sie im Finale nach einem Fehler ihrer russischen Rivalin Natalia Sobolewa mit großem Vorsprung über die Ziellinie. Als sie abgeschwungen hatte, schüttelte sie jedoch den Kopf. „Ich wusste nicht, ob ich einen Torfehler hatte“, sagte sie, erst der Blick auf die Anzeigetafel brachte Gewissheit: 1. Joerg, Selina! „Sie war unfassbar an diesem Tag“, sagte Sportdirektor Andreas Scheid. Für ihn stand fest: „Selina hätte heute auch gegen Ledecka eine Chance gehabt.“

Mit den Erfolgen von Jörg und Baumeister hat der Verband Snowboard Germany die offizielle Medaillenvorgabe bereits erfüllt, hatten die Crosser Paul Berg und Hanna Ihedioha am Sonntag doch bereits Mixed-Bronze gewonnen.